Wochenendtipp: Wörlitz – Die Insel Stein

Sonderführung am

  1. Mai 2016, Insel Stein im Landschaftspark Wörlitz

am kommenden Sonntag, dem 22. Mai 2016, begehen die Museen weltweit den Internationalen Museumstag. Das Motto lautet „Museen in der Kulturlandschaft“.

Allein in Deutschland gibt es etwa 6.500 Museen, die sich dem diesjährigen Thema stellen wollen.

Schloss Wörlitz

Schloss Wörlitz

Unter dem Motto „Das merkwürdigste Bauwerk im Gartenreich – Die Insel Stein“ feiert auch die Kulturstiftung DessauWörlitz das Ereignis und lädt passend zu ihrem Jahresthema „Baukunst“ zu einer Sonderführung auf die Insel Stein im Wörlitzer Park ein, der nicht zuletzt wegen seiner gelungenen Symbiose aus Bau- und Gartenkunst  von der UNESCO unter Schutz gestellt wurde.

„Das merkwürdigste Bauwerk im Gartenreich – Die Insel Stein“

Vor mehr als 250 Jahren wagte der England-Enthusiast Leopold III. Friedrich Franz, Fürst und Herzog von Anhalt-Dessau (1740–1817), den ersten Schritt, um in Wörlitz einen weitläufigen Park nach englischem Vorbild anzulegen. Nur kurze Zeit später errichtete er dann nach den  Entwürfen von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736–1800) mit dem Schloss Wörlitz den Gründungsbau des deutschen Klassizismus. Der Landschaftspark mit seinen klassizistischen und neugotischen Bauten bildet den Auftakt und zugleich den ästhetischen Höhepunkt der Verschönerungsarbeiten im Gartenreich. Er gilt bis heute als Inbegriff der Aufklärung in Deutschland.

Am östlichen Ausläufer des Sees im Landschaftspark erfüllte sich Fürst Franz einen besonderen Traum: die Insel Stein. Mit dem einzigen künstlichen Vulkan Europas, der Villa Hamilton und dem antikisierenden Theater gilt sie als ein besonders bemerkenswertes und spektakuläres Denkmal im UNESCO-Welterbe Gartenreich Dessau-Wörlitz. Entstanden ist sie von 1788 bis 1794 als Reiseerinnerung nach dem Besuch der Anhaltiner in Neapel. Mit ihren Grotten und Gängen, dem Vulkan, dem Freilufttheater und der Villa kommt die pädagogische Absicht des Landesvaters besonders gut zum Ausdruck. Hier versuchte er, eine Vorstellung von der neapolitanischen Topographie, von zeitgenössischer italienischer Architektur und mit der Anpflanzung von Feigen, Agaven und lombardischen Pappeln von der dortigen Vegetation zu vermitteln.

Am Fuße seines Vulkans platzierte er die Villa Hamilton. Sie entstand als ein Freundschaftsmonument für den britischen Diplomaten, Antikensammler und Geologen Sir William Hamilton (1731–1803), den der Fürst 1766 in Neapel kennen- und schätzen gelernt hatte. Im Inneren der Villa befinden sich drei reich ausgestattete Räume, die an die Grand Tour des Fürsten durch Italien erinnern. Die Villa ist ein Meisterwerk des Architekten von Erdmannsdorff. Sie zählt gewiss zu den reizvollsten klassizistischen Bauten in Deutschland.

Die absolut bemerkenswerte Insel Stein dürfte in diesem Jahr nicht nur wegen des KsDW-Jahresthemas „Baukunst“ in den Focus der Öffentlichkeit rücken, sondern auch dank Emma Lady Hamiltons, der Gattin des britischen Diplomaten. Ihr ist ab Juni im Schloss Wörlitz eine umfangreiche Sonderausstellung gewidmet.

Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,

Festsaal im Schloss Wörlitz© Kulturstiftung DessauWörlitz, Foto: Heinz Fräßdorf,

Es ist die erste Schau in Deutschland, die sich dem Leben und Wirken dieser in jeglicher Hinsicht bemerkenswerten Frau widmet, die auch im Hause Anhalt-Dessau für Gesprächsstoff sorgte und an die auch das merkwürdigste Bauwerk im Gartenreich erinnert. Über die Insel Stein führt der Kurator der Ausstellung „Lady Hamilton. Eros und Attitüde. Schönheitskult und Antikenrezeption in der Goethezeit“, Uwe Quilitzsch, KsDW-Abteilung Schlösser und Sammlungen.

Wer war Lady Hamilton ?

 Emma Lady Hamilton war eine der berühmtesten und umstrittensten Frauengestalten der Goethezeit. 1765 als Tochter eines Hufschmieds in der Nähe von Manchester geboren, kam sie nach einer turbulenten Jugend 1786 ins Haus von Sir William Hamilton, dem britischen Botschafter in Neapel. Sie wird zunächst die Geliebte, später die Ehefrau des 35 Jahre älteren Mannes, der wegen seiner Antikensammlungen und seiner vulkanologischen Forschungen am Vesuv in ganz Europa bekannt war. Ihr Aufstieg von der Tochter eines armen Handwerkers zur Ehefrau eines Botschafters, die Freizügigkeit ihrer legendären sog. Attitüden (Repräsentationen weiblicher Rollen aus der antiken Mythologie) und ihr späteres Liebesverhältnis mit Lord Nelson waren damals ein Skandal. Sehr schnell fand sie Anschluss an die kosmopolitischen Kreise um ihren Ehemann und machte dabei die Bekanntschaft mit bedeutenden Persönlichkeiten ihrer Zeit. Ebenso schnell wie ihr Aufstieg vollzog sich ab 1800 ihr sozialer Abstieg: 1815 starb Emma Lady Hamilton einsam und verarmt an der französischen Kanalküste in Calais im Exil.

Auch im Fürstentum Anhalt-Dessau war sie keine Unbekannte. Im Gartenreich Dessau-Wörlitz ist ihr Name vor allem mit dem auf der Insel Stein errichteten klassizistischen Nachbau der „Villa Emma“ in Neapel verbunden, einem Freundschaftsmonument des Fürsten und späteren Herzogs Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau für den ihm geistig verbundenen Sir William Hamilton. Emma Lady Hamilton erlangte großen Ruhm durch ihre Attitüden, bei denen sie entweder als Sängerin oder in gemimten Präsentationen weiblicher Rollen aus der antiken Mythologie auftrat. Aufgrund der Bedeutung dieser bemerkenswerten Attitüden für Kunst, Literatur und Antikenrezeption der deutschen Klassik um 18oo hat die Kulturstiftung DessauWörlitz eine Ausstellung initiiert, die ab dem 5. Juni 2016 im Schloss Wörlitz zu sehen ist.

Die Ausstellung in Wörlitz ist die einzige in Deutschland, die sich dem Leben und Wirken dieser in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Frau widmet. In England wird sie erst Ende des Jahres Thema einer Ausstellung in National Maritime Museum in London sein.

Lady Emmas schauspielerisches Talent hat nicht nur damals viele zeitgenössische Maler inspiriert, sondern veranlasst bis heute Künstler, sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Die in Kooperation mit der Casa di Goethe Rom entwickelte Ausstellung, die zunächst vom 24. September 2015 bis zum 17. Januar 2016 in Rom zu sehen war, wurde daher um zahlreiche weitere Exponate des Hallenser Künstlerehepaares Grita und Moritz Götze sowie des Berliner Aktionskünstlers Kain Karawahn bereichert und wird bis zum 18. September 2016 im Schloss Wörlitz gezeigt.

  • Informationen zur Sonderführung mit Uwe Quilitzsch, Abteilung Schlösser und Sammlungen der Kulturstiftung DessauWörlitz,
  • Termin: Sonntag, 22. Mai 2016, 11 Uhr
  • Treffpunkt: Insel Stein, Wörlitzer Anlagen, 06785 Oranienbaum-Wörlitz, OT Wörlitz
  • Da die Teilnehmerzahl beschränkt ist, wird um Anmeldung entweder direkt im Schloss Wörlitz unter der Telefonnummer 03 49 05–409 20 oder  auch im Schloss Großkühnau unter der Nummer 03 40 – 64 61 50 gebeten.

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