In den letzten Jahren war ich desöfteren in Franken. Es ist immer wieder für mich ein Reiseziel erster Güte. Im Herzen Mittelfrankens liegt die Bilderbuchlandschaft der Fränkischen Schweiz. Östlich davon erstreckt sich die Fränkische Alb, weiter nördöstlich das Fichtelgebirge und der Frankenwald. Churfranken und das Maintal mit Miltenberg hatte ich unlängst hier vorgestelt. Nordwestlich schließen sich die sanften Hügel der Hassberge und die Laubwälder des Steigerwaldes an. Entdecker der Fränkischen Schweiz sind die Dichter Ludwig Tieck und Heinrich Wilhelm Wackenroder, die um Pfingsten 1793 als Studenten von Erlangen aus die bis dahin unbeachtete Gegend erkundeten. Sie folgten malerischen Flusstälern, erkletterten Ritterburgen auf steilen Felsen, besuchten Dörfer und bestaunten die kunstvoll-märchenhaften Fichtelgebirge. Auch das Fichtelgebirge und der Frankenwald wurden von bekannten Schriftstellern bereist. Die dortigen bizarren Steinriesen sind auch romantisch, aber herber, die endlosen dunktlen Wälder inspirierten zu Sagen über Irrlichter und Moorweiblein. Der Fremdenverkehrt setzte zögerlicher ein, als in der Fränkischen Schweiz. Die Menschen im Frankenwald leben vom Holz, früher als Flößer, heute in der Holzverarbeitung und von Weihnachtsbaumschulen. Das Fichtelgebirge war einst Bergbauregion, später etablierten sich die chemische Industrie und die Produktion von Porzellan für Hutschreuther, Rosenthal und andere Wirtschaftszweige. Nicht alle firmen haben überlebt, dafür erinnern tolle Museen, wiedas Porzellanikon in Selb an die traditionsreiche Porzellanherstellung.

Top-Ziele in Franken

Bayreuth

Auf das Konto der kunstsinnigen Markgräfin Wilhelmine gehen das kostbar ausgestattete Neue Schloss, ein wunderschönes Barocktheater und die Eremitage, ein englischer Landschaftpark mit Lustschlössern und Wasserspielen.

Bamberg

Die 1000-jährige Bischofs- und Kaiserstadt zählt um UNESCO-Welterbe. Auftakt machen das Alte Rathaus mitten in der Regnitz und eine „Klein-Venedig“ genannte mittelalterliche Häuserzeile. Es folgen die Neue Residenz und der Dom mit Werken von Tilmann Riemenscheider und Veit Stoss.

Eine von mehreren Brauereigaststätten in Bamberg, Foto: Weirauch

Eine von mehreren Brauereigaststätten in Bamberg, Foto: Weirauch

Seit 1993 zählt die Altstadt von Bamberg zum UNESCO-Welterbe. Als Welterbestadt ist Bamberg verpflichtet, Wissen über die UNESCO-Auszeichnung und die Erhaltung des kulturellen Erbes zu vermitteln. Diese Vermittlung wird ab Mai 2019 in dem neuen Welterbe-Besucherzentrum auf dem Areal der Unteren Mühlen stattfinden. In dem Neubau in direkter Nachbarschaft zum bekannten Brückenrathaus sind neben der Dauerausstellung zum Welterbe, die das Berliner Büro h neun konzipiert hat, auch ein Laden sowie die Büroräume des Zentrums Welterbe Bamberg untergebracht. Im Erdgeschoss können Gäste im Restaurant HENRII mediterrane Küche kombiniert mit regionalen Produkten bei bester Aussicht genießen. Informationen zum Besucherzentrum sind unter https://welterbe.bamberg.de verfügbar.

Nürnberg

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert erblühte die Freie Reichsstadt zum Zentrum von Politik, Handel, Kunst und Wissenschaft. Zu Füßen der Kaiserburg und im Schutz der Stadtmauer wirkte der Künstler Albrecht Dürer – sein Wohnhaus versetzt als Museum Besucher in das Leben und Denken der Renaissance.

Altmühltal

Zwischen Gunzenhausen im Westen und Kelheim im Osten windet sich die Altmühl durch breite Täler, Auen und vorbei an bizarren Felsen. Ob zu Fuß, mit dem Rad oder Schiff – Kulturgüter wie die Ritterburg Schloss Prunn, das barocke Eichstätt oder das Kloster Weltenburg am Donaudurchbruch bei Kelheim liegen am Weg.

Nördlingen

Manches ist hier außeridrisch. Die kreisrunde mittelalterliche Stadt schmiegt sich in den 15 Millionen Jahre alten Krater eines Meteoriteneinschlags. Die gotische Kirche Sankt Georg wurde aus Suevit erbaut, das sonst nur auf dem Mond zu finden ist. Auf der Wehrmauer von 1327 kann man die Stadt umrunden.

Dinkelsbühl

Eine der am besten erhaltenen Städte des Mittelalters. Die Stadtmauer mit Türmchen und Toren umgibt schützend das gotische Münster und die Fachwerkhäuser, z. B. das Deutsche Haus am Weinmarkt.

Im Fränkischen Weinland

Weiter östlich, um Würzburg schließt sich das Fränkische Weinland mit seinen Weinbergen an. Die bauchigen Bocksbeutel dürfen hier abgefüllt werden – ein bisschen Toskana, ein bisschen deutsche Romantik. Südlich davon schlängelt sich die Tauber durch ihr enges Tal. So sehenswert die fränkischen Städtchen im „Lieblichen Taubertal“ auch sind, sie stehen im touristischen Schatten von Rothenburg ob der Tauber. Im „Romantik-Trend“ des 19. Jahrhundert wurde die Stadt quasi wieder entdeckt und ist heute Ziel von Touristen aus aller Welt. Genau wie Heidelberg, vor dessen Toren sich der Neckar träge durch eine schöne Landschaft schlängelt. Auch Churfranken rund um Miltenberg lohnt unbedingt eine Reise. Hier lest ihr mehr zu Miltenberg.

Top-Ziele

Rothenburg ob der Tauber

Synonym für romantisches Mittelalter – aber auch für Busse voller fotografierender Touristen. Der reizhvollen Kulisse kann man sich trotzdem nicht entziehen – wer sie zu lieblich findet, besucht das Mittelalterliche Kriminalmuseum mit Folterinstrumenten.

Traumhafte Kulisse für Theater: Rothenburg o.d.T Foto: D.Weirauch

Traumhafte Kulisse für Theater: Rothenburg o.d.T Foto: D.Weirauch

Südlichstes Weingut Frankens – Weinkultur inmitten lebendiger Landschaft

Der Weinbau und Weinhandel in Rothenburg ob der Tauber reichen bis ins Mittelalter zurück. Bis heute prägt die Weinkultur Kulinarik und Landschaft gleichermaßen. An den steilen Muschelkalkhängen, auf denen Winzer Albert Thürauf vom Weingut Glocke seine Reben bewirtschaftet, zeigt sich eine vielfältige Kulturlandschaft aus Weinbergen, Streuobstbeständen, Wiesen, Hecken, Waldstücken und historischen Weinbergsmauern. „Besucher:innen entdecken hier seltene Orchideenarten sowie zahlreiche Kleinsäuger, Vögel, Reptilien und Insektenarten – viele von ihnen können nur in solchen besonderen Habitaten überleben“, erklärt Thürauf.

Am Karfreitag, 3. April 2026, führt der Winzer Gäste persönlich rund eineinhalb Stunden durch seine Rothenburger Weinberge direkt unterhalb der Stadtmauer. Unter dem Titel „Stein und Wein“ verbindet die Führung Landschaft, Geschichte und Genuss. Die Teilnehmenden erfahren mehr über historische und heutige Anbaumethoden, Rebsorten, Geologie, Mikroklima sowie Kunst im Weinberg. Verkostungen sind sowohl im Holzfasskeller, beispielsweise bei der Oster-Weinprobe am 4. April 2026, als auch im von der Familie betriebenen Hotel Glocke am Plönlein sowie in der Vinothek am Marktplatz möglich.

Glocke Weingut und Hotel, Plönlein 1, 91541 Rothenburg ob der Tauber
Weinbergführung: 3. April 2026, 14:00 Uhr, ab Burggarten, 5 € pro Person
Weinprobe: 4. April 2026, 17:00 Uhr, Holzfasskeller, 29 € pro Person
Anmeldung: Tel. +49 9861 958990, info@glocke-rothenburg.de
Weitere Informationen: www.glocke-rothenburg.de

Bad Wimpfen

Kaiser Friedrich I. Barbarossa ließ in dem heutigen Soleheilbad im 12. Jahrhundert die größte Kaiserpfalz nördlich der Alpen errichten. Die Pfalzkapelle und die romanischen Arkaden sind noch erhalten. Vom Blauen Turm blickt man weit übers Neckartal.

Heidelberg

Die Studentenhochburg mit der malerischen Burgruine über dem Neckar ist eine der romantischsten deutschen Städte. Zum Schloss und weiter auf den Hausberg, den Königsstuhl, fährt eine Standseilbahn.

Würzburg

Über der 1300 Jahre alten Stadt thront die Festung Marienburg, heute Mainfränkisches Museum mit Werken Tilmann Riemenschneiders. Von ihm stammen auch Grabmäler im gotischen Kiliansdom. Balthasar Neumann war der Architekt der Residenz mit dem berühmten Treppenhaus, dessen frei schwebendes Gewölbe ein riesiges Fresko des venezianischen Malers Tiepolo ziert (1750).

 

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Buchtipp: Empfehlenswerter Reiseführer

  • Franken von Ralf Nestmeyer
  • Michael Müller Verlag, 540 Seiten, ISBN 978-3-95654-198-8
  • 20,90 Euro, 2016