Reisen durch Polen überraschen mich immer wieder. So auch die Stadt Trzebiatów (Treptow an der Rega) in der Nähe der polnischen Ostseeküste. Von welcher Himmelrichtung aus man auch die kleine Stadt erreicht, immer begrüßt ein Elefant die Ankommenden: entweder thront eine große Elefanten-Skulptur auf der Mitte des Kreisverkehres oder ein Elefant prangt als  überdimensionales Wandbild an einem Hausgiebel. Den Ort kann man zu dem mittels auf einer Elefanten-Wander-Route, die zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten führt, erwandern. 20nd das geschieht alles zum Andenken an die Elefantendame Hansken, die von 1634 bis zu ihrem Tod 1655 mit einem Zirkus durch Europa zog. Eine der Stationen ihrer Aufritte war eben auch Trzebiatów (Treptow an der Rega). Bravo möchte man sagen, wie hier eine historische Begebenheit zur cleveren Marketingideee einer polnischen Stadt genutzt wurde wurde. Trzebiatów (Treptow an der Rega) liegt etwa rund zehn Kilometer von der Ostsee, 30 Kilometer südwestlich von Kolberg und 110 Kilometer nordöstlich von Stettin entfernt.

Übernachten kann man gut im Wydma Spa

Berühmtheit bis heute: Elefantendame Hansken

Treptow an der Rega Elefant Mural Polen

Das Elefanten-Wandbild stammt aus dem Jahr 1639, gehört zu den Wahrzeichen der Stadt(Haus am Markt Nr. 26) Foto: Weirauch

Auf dem  Elefantenwanderweg

Die und zwei Kilometer lange Route führt zu insgesamt neun Stationen und erschließt die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie die historische Brücke über die Rega, den Grützturm oder die gotische Heiliggeistkapelle. Die Route endet an dem Sgrafitto, das 1914 bei Bauarbeiten an dem Haus wiederentdeckt wurde und seitdem eine Attraktion der Kleinstadt ist.

Treptow an der Rega Elefant Mural Polen

An den Stationen wurden  zweisprachige Tafeln in polnischer und deutscher Sprache angebracht, die über die Geschichte des jeweiligen Ortes informieren. Der ganze Weg ist so eine Art kurzweiliges Stadtspiel. Künftig sollen zu den Infotafeln noch zusätzliche Rätseltafeln kommen. Flankiert werden sie von Elefantenskulpturen, die passend zum Thema der Sehenswürdigkeiten kostümiert sein werden.

Dommuseum Osnabrück Elefant Hasken

gesehen im Dommuseum Osnabrück in Niedersachsen, Hasken ist scheinbar viel unterwegs gewesen

 

Trzebiatów liegt rund zehn Kilometer von der Ostsee entfernt. Sehenswert ist die historische Altstadt mit dem auf dem Marktplatz gelegenen barocken Rathaus sowie der spätgotischen Marienkirche. Kein Geringerer als der preußische Baumeister Friedrich August Stüler war am Bau des 90 Meter hohen Turm im Jahr 1864 beteiligt. Das Gebäude diente ebenso wie der Grützturm als Motiv für den Maler Lyonel Feininger, der seit 1924 seinen Sommerurlaub häufig in der Nähe von Treptow an der Ostsee verbrachte.

Sehenswert sind weiterhin der bis heute weitgehend erhaltene historische Stadtkern mit seinem mittelalterlichen Charakter, die  Evangelische St.-Johannes-Kirche wie auch die Fragmente mittelalterlichen Stadtmauer mit dem Grützturm (Baszta Prochowa).

Wir beginnen unseren kleinen Elefanten-Spaziergang am Marktplatz. Unser Auto findet hier für einen kleinen Obolus einen Parkplatz.

Altstädtischer Markt (Rynek)  Trzebiatów

Die Altstadt von Trzebiatów hat eine fast intakte mittelalterliche Stadtstruktur. Bürgerliche Mietshäuser aus der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert bestimmen das Bild des Platzes. Viele architektonische Details, gotische Relikte und Farbigkeit der Häuser lassen selbst bei trübem Wetter Freude aufkommen. Trzebiatów ist eine der wenigen Städte in Pommern, deren historische Bebauung innerhalb der Stadtmauern über 50 Prozent erhalten wurde.

Treptowander Rega.Polen

Auf dem Markt begegnen wir einem Kunstobjekt. Ein silberner Stahlkörper eines auf drei Beinen stehenden Elefanten, der seinen Rüssel hoch in die Luft streckt, scheint uns mit einem lauten Schrei zu begrüßen. Wir fühlen uns willkommen, fast verneigen wir uns vor ihm … Er steht ganz in der Nähe des Rathauses.

Treptow an der Rega Elefant Mural Polen

Der Bau des Rathauses begann um 1400. Die ältesten bis heute erhaltenen Elemente (Keller, gotische Arkaden) stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die barocke Form des Gebäudes wurde 1701 vom niederländischen Architekten Viktor de Port entworfen und nach einem Brand wieder aufgebaut. An der Ostseite befindet sich ein Turm mit einem Barockhelm und einer Uhr aus dem 19. Jahrhundert, aus der die Turmmelodie der Stadt erklingen soll. Wahrscheinlich nur im Sommer und zu einer bestimmten Zeit. Da müssen wir mal googeln und wiederkommen.

Wir überqueren an der Westseite die Straße, um in die Posztowa zu kommen. Hier finden wir am Eckhaus linkerhand ein Sgraffito aus dem Jahr 1639. Es ist eines der interessantesten Denkmäler von Treptow an der Rega. Ein anonymer Künstler zeichnete die mit ihrem Dresseur durch Europa ziehende Elefantenkuh Hansken während ihres Aufenthaltes in der Gemeinde an die Wand des Mietshauses. Der große Rembrandt van Rijn zeichnete sie 1638 in seinem Stich „Adam und Eva“. Rembrandts Elefantenmotiv wurde zum Hauptmotiv des Touristenlogos von Treptow.

Treptow an der Rega Elefant Mural Polen Trebiatow

Das Elefanten-Wandbild stammt aus dem Jahr 1639, gehört zu den Wahrzeichen der Stadt (Haus am Markt Nr. 26) Foto: WeirauchUnser Weg führt uns an der bis zu sechs Meter hohen Wehrmauer, der alten Stadtbefestigung (mit Pulverturm, Wachtürmen und Resten eines Wassergrabens) entlang zum Schloss.

Schloss – Kulturzentrum  Trzebiatów

Die Geschichte des Schlosses am Mühlbach reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als Prinzessin Anastasia, die Tochter von Mieszko des Alten, hier die bestehdne Marktsiedlung erhielt und in den Gebäuden ihres Sitzes ein Kloster errichtete. 1619 wurde das Kloster zu einem Schloss umgebaut. Ende des 17. Jahrhunderts gestaltete der Architekt Viktor de Port es zu einer Barockresidenz für Friedrich Wilhelm I. um. Ab 1750 spielte in den Schlossgärten Sophie Dorothea, die spätere russische Zarin Maria Fiodorowna. Ab 1785 wohnten im Schloss Prinz Ludwig von Württemberg und seine Frau Maria Anna geb. Czartoryski.

Lebendige Kultureinrichtung im Schloss

Heute ist das Schloss Mittelpunkt eines Kulturzentrums. Mit der ständigen Ausstellung „Das Treptow der Kaufleute“ tauchten wir in die preußische Vergangenheit der Stadt ein. Wir lernten eine sehr lebendige Kultureinrichtung kennen. Sie wurde an diesem Mittwoch von Jung und Alt genutzt. Im ersten Stock saßen sehr freundliche ältere Damen im ehemaligen Fürstensaal bei einem Käffchen zusammen. Sie hätten uns wohl sehr gern zu ihrem Plausch dazu geladen, aber unsere Zeit war begrenzt. In der Lionel-Feininger-Galerie trafen wir auf junges Publikum. Inmitten einer aktuellen Gemäldeausstellung probten junge Künstler sich malerisch an Motiven ihrer Stadt, einige Jungs bauten an einem Modell der Marienkirche.  Die idyllische Atmosphäre inspirierte Künstler, in Deep ihre Sommerfrische zu verbringen. So verbrachte Loyenel Feininger einige Sommer in Treptower Deep. Hier entstanden, wie Wikipedia berichtet einige seiner bekanntesten Werke: „Yachtrennen (1925), Stiller Tag am Meer (1926), Regamündung I und Regamündung II (1927), Die große Kutterklasse (1929), Deep, Sonnenuntergang (1930), West-Deep (1931), Dünen am Strand (1936), Schwarze Welle (1937), Dunes (Küste von Deep, 1945), The Baltic (Die Ostsee, 1947).“

Treptowander Rega.Polen Treptowander Rega.Polen

Auch die öffentliche Bibliothek ist im Schloss untergebracht. Und auch hier waren eifrige Leser bei der Sache. Es machte uns einfach Spaß durch das Schloss zu gehen. Und am Ende unseres Rundganges gab es einen sehr gut schmeckenden Kaffee im Entree des Schlosses.

MuseumTreptowander Rega

MuseumTreptowander RegaIn der Ausstellung gab es übrigens auch einen kleinen Elefanten in einer Vitrine zu entdecken. Und als kleine Erinnerung an den erlebnisreichen Ausflug in die hübsche Stadt kauften wir uns ein Souvenir: ein Magnet mit der Abbildung des Sgraffitos von 1639 an der Häuserwand ziert jetzt unsere Kühlschranktür.

Treptowander Rega.Polen

Kunstobjekt mit dem Elefanten

Eine freundliche Mitarbeiterin gab uns dann noch den Hinweis auf den „letzten und jüngsten Elefanten“ der Stadt. Nur wenige Schritte vom Schloss entfernt gelangt man rechterhand über eine Brücke zu einem Wasserkraftwerkgebäude, an dem das jüngste Wandgemälde mit einem Elefant die Gäste eingangs der Stadt begrüßt. Im Gegensatz zum ältesten ist es sehr farbig, sehr grün, mit einigen Visionen gestaltet. Eine mit Sitzgelegenheiten gestaltete Grünfläche gleich nebenan lädt bei gutem Wetter zum Verweilen ein. Schaut und vertieft man sich in das Gemälde, ist der spätnachmittagliche Autoverkehr kaum zu spüren.

 

Elöefant Polen Trzebiatów

Perfekt gestalteter Mural an einem Hausgiebel Foto: Weirauch

Treptow an der Rega Elefant Mural

Hier hat sich der Künstler des neuen Elefanten-Wandbildes verewigt

Marienkirche von Treptow an der Rega_/ Trzebiatów

Zurück geht es über die Marienkirche mit der größten Glocke „Maria“ (1515) und der ältesten Glocke aus dem aus dem Jahr 1399. Neben der Kirche ist ein kleiner Markt. Hier werden regionale Produkte wie Honig und Eier angeboten. Wir kaufen bei einem freundlichen älteren Herrn zwei Gläser Honig (Raps und Buche). Erzählen ihm, dass wir gerade aus dem Schloss und der Kirche kommen. Er freut sich und drückt uns einige kleine „Glückssteine“ – so seine Bezeichnung – in die Hand. Wünscht uns alles Gute. Wir sind freudig überrascht und überwältigt über soviel Güte, die aus seinen Augen spricht. Es sind die menschlichen Begegnungen, die unsere Seele bereichern, die unsere Touren so intensiv und liebenswert machen. Seine Glückssteine waren Bernsteinstücke – sie werden uns fortan auf unseren Reisen begleiten.

Treptow an der Rega Elefant Mural Polen

Der Kirche sollte man auch einen Besuch im Innern abstatten

TreptowRega.Elefant Polen Auf dem Elefanten-Wander Weg in Treptow an der Rega

Blick in die Kirche von Trzebiatów

Und nun geht es wirklich auf schnellstem Wege zum Parkplatz zurück. Dabei hilft uns der auf dem Bürgersteig rot markierte Streifen mit einem kleinen roten Elefanten. Er müsste bis zur Hauptsaison etwas aufgehellt werden – aber dennoch bleibt es eine tolle Werbeidee.

Einen farbigen Plan vom „Elefanten-Wanderweg“ gibt es im

  • Trzebiatówski Ośrodek Kultury/Treptower Kulturzentrum
  • ul. Wojska Polskiego 6, Tel. +48 913872614
    geöffnet: Mo-Fr 8-16 Uhr, in den Sommermonaten Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-15 Uhr, Parkplätze auf dem Hof

Auf dem Plan sind rückseitig mehrere Wanderungen und Radwege sowie der Pommersche Jakobsweg rund um Trzebiatów abgebildet. Das freundliche Museums-/Bibliothekspersonal gibt auch gern Auskünfte.

Tipp für eine Stadtführung: (Treffpunkt vor dem Rathaus in Trzebiatów). Vom 1.6. bis 30.9. gibt es um 15 Uhr jeden Sonntag einen Ausflug entlang des Elefantenpfades.

visit pomerania schreibt: Trzebiatów (Treptow an der Rega) ist eine historische Kleinstadt in Westpommern (Zachodniopomorskie), gelegen am Rega Fluss und unweit der Ostseebadeorte Kolobrzeg und Rewal. Die eindrucksvolle Marienkirche und Reste der mittelalterlichen Stadtmauer stammen aus dem 14. Jahrhundert als Trzebiatów der Hanseatischen Liga beitrat. Hier begann in der kleinen Heilig-Geist-Kapelle im 16. Jahrhundert die Pommersche Reformation. Die Stadt hat einen grossen Marktplatz (Rynek), umgeben von farbenreichen Bürgerhäusern. Im Zentrum des Platzes ist das schöne Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. Auch sehenswert ist das kleine Trzebiatów Schloss, nur ein kleiner Spaziergang vom Marktplatz entfernt.

weitere Informationen gibt es hier www.trzebiatow.pl

Die Recherche in Westpommern wurde von Polnischen Fremdenverkehrsamt: www.polen.travel unterstützt.

Hier besuchten wir die normobarische Kammer im nahen Wydma Spa
WydmaSpa.Resort

Foto: WydmaSpa.Resort