Von Dieter Weirauch
Hier nehme ich euch mit auf eine dreitägige Rundreise durch den Westharz. Ich bekenne freimütig: es gibt noch viel mehr zu sehen als ich erlebt habe. Deshalb einige Tipps und Anregungen für Eure nächsten Ferien oder einen Wochenendtripp in den niedersächsischen Teil des wunderschönen Harzes.
❏ Von Goslar aus den Westharz erkunden
In Goslars Gasthausbrauerei, dem Gose-Brauhaus Goslar, trifft traditionelle Handwerkskunst auf geschichtsträchtiges Ambiente und regionale Küche. In dem denkmalgeschützten Haus am Marktplatz aus dem Jahr 1720 konnten wir verschiedene Biere (hier Gose genannt) probieren. Die Küche ist regional orientiert und verwöhnt mit Spezialitäten aus und um den Harz. Regionalität wird großgeschrieben.

Adresse: Marktkirchhof 2, 38640 Goslar Im Internet; https://brauhaus-goslar.de/
Goslar ist gut mit der Deutschen Bahn aus Hannover oder Göttingen, Halle oder Halberstadt zu erreichen, auch über die Autobahn kommt man gut hin.
❏ Kloster Wöltingerode
Rund zehn Kilometer von Goslar besuchen wir Kloster Wöltingerode und besichtigen Sie nicht nur Kirche, Klostergang und Kräutergarten sondern auch die Brennerei, in der seit 1682 edle Spirituosen produziert werden.


Blick in die Kirche von Kloster Wöltingerode Foto: Weirauch

Übernachten im Klosterhotel Wöltingerode, hier kommt man auf die Homepage.

Auf dem Klostergelände unbedingt anschauen: Das im Jahr 2011 eröffnete Lachs-Infocenter befindet sich im alten Mühlengebäude. Foto: Weirauch
❏ Torfhaus mit Harztum
Weiter gehts zum Harztum (rund 20 Kilometer vom Kloster entfernt). Auf einem Hochplateau im Nationalpark Harz liegt Torfhaus, mit etwa 812 Metern die höchstgelegene Siedlung in Niedersachsen. Im Sommer 2024 erhielt dieser idyllische, naturreiche Ort eine markante Neuerung: den Harzturm – ein 65 Meter hoher Aussichtsturm, der schnell zu einer Attraktion der Region wurde.

Über eine Treppe oder einen Aufzug sind auf 45 Metern Turmhöhe zwei Panoramaplattformen, ein Skywalk mit gläsernem Boden und der Startpunkt einer 110 Meter langen Rutsche zu erreichen.
Der Turm wurde architektonisch von Dietmar Kaden gestaltet, bekannt für den Pyramidenkogel in Kärnten. Die äußere Form erinnert an einen drehwüchsigen, hohlen Baumstamm – eine Hommage an die bewaldete Umgebung. Der Turm besteht aus Holz und Stahl. Die Konstruktion symbolisiert die Verbindung von Natur und moderner Architektur. Aussichtsplattformen in 45 Metern Höhe bieten einen 360-Grad-Rundblick über den Harz, inklusive Blick zum Brocken und über dichte Wälder & Täler.

Skywalk: Ein Glaspodest, das dir das Gefühl vermittelt, über der Landschaft zu schweben – nicht nur ein Nervenkitzel, sondern auch ein fantastisches Fotomotiv.
Mehr Infos zum Harzturm gibt es hier unter harzspots.com

Blick richtung Brocken leider ährend meines Besuches ein regenverhangener Himmel.
Anreise: Der Turm liegt direkt an der Bundesstraße B4 in Torfhaus und ist über den Großparkplatz „Brockenblick“ leicht mit dem Auto erreichbar. Auch öffentliche Busse von Bad Harzburg, Altenau oder Braunlage fahren hierher.

❏ Kloster Walkenried – UNESCO Welterbe
Auf der Klosterroute fahren ir 30 Kilometer Richtung Walkenried. Die Spuren der Zisterzienser und ihre wirtschaftlichen Aktivitäten im Mittelalter werden im historischen Kloster Walkenried anschaulich inszeniert. Die Zisterzienserklostergründung 1127 war eine der ersten in Deutschland. Von der Kirche sind nur noch Reste übrig, doch die gotische Klosteranlage ist fast vollständig erhalten. Integriert in die historischen Anlagen wurde ein multimediales Zisterziensermuseum, das den „weißen Konzern“ darstellt. Seit 2010 ist das Kloster Walkenried Teil der UNESCO-Welterbes Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft.
Vom burgundischen Citeaux, wo 1098 das Stammkloster der Zisterzienser gegründet wurde, breitete sich der neue Orden in ungeheurem Tempo in Europa aus. 1127 stiftete Adelheid von Walkenried, Ehefrau von Volkmar von Thüringen, das dritte Kloster der „Weißen Mönche“ im deutschsprachigen Raum. Der erste Konvent des neuen Ordens traf 1129 in Walkenried ein, 1137 fand die Weihe der ersten, rund 50 Meter langen romanischen Klosterkirche statt. Großzügige Schenkungen und die Arbeit der Mönche machten das Kloster Walkenried bald zum Angesehendsten und reichsten Stützpunkt dieses Ordens in Norddeutschland. 1525 plünderten aufständische Bauern nach Predigten von Thomas Müntzer das Kloster und beschädigten die Kirche schwer. 1546 trat der Konvent zur Reformation über, zehn Jahre später wurde im Kloster eine Lateinschule gegründet. 1570 mussten die Gottesdienste aus der völlig baufälligen Kirche in den Kapitelsaal verlegt werden, 1648 wurde das Kloster aufgelöst, 1668 die Klosterschule geschlossen.

Blick in den imposanten Kreuzgang von Kloster Walkenried
Ab 1672 wurde dann die gotische Klosterkirche 150 Jahre lang als Steinbruch genutzt. Nach der „Wiederentdeckung“ der Kirchenruine und des Kreuzgangs durch zahlreiche Künstler der Romantik wurde 1817 der weitere Abbruch der Kirchenruine verboten. Ab 1876 kam es zu ersten Stützungs- und Renovierungsmaßnahmen.
2006 wurde das ZisterzienserMuseum Kloster Walkenried als Klostermuseum Europas eröffnet. Seit 2010 ist Kloster Walkenried Teil des UNESCO-Kulturerbes „Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft“. Stilgeschichtlich ist Walkenried ein hervorragendes Zeugnis der Gotik im thüringisch-sächsischen Gebiet, trotz der Zerstörungen sind die Reste heute noch von besonderem Interesse. Das ZisterzienserMuseum informiert multimedial über das Leben und Wirtschaften in mittelalterlichen Zisterzienserklöstern. Die Mönche waren nicht nur tiefgläubig, sondern erwiesen sich als begnadete Geschäftsleute. Führungsteams aus Abt, Prior und Cellerar lenkten ihre Klöster wie Unternehmen. Im Westharz befindet sich eine der größten ehemaligen Montanregionen in Europa, die die heutige UNESCO Welterbstätte Bergwerk Rammelsberg, die Altstadt von Goslar, die Oberharzer Wasserwirtschaft sowie die Kloster Walkenried umfasst. Die ungewöhnliche Einbeziehung eines mittelalterlichen Klosters in ein Industriedenkmal hat seinen Grund: Schon vor 800 Jahren haben die Walkenrieder Mönche den Wert des Wassers im Oberharz erkannt und für sich und als Kraftquelle der Berg- und Hüttenwerke genutzt. Sie waren diejenigen, die im 13. Jahrhundert erste Systeme zur Wasserversorgung entwickelt haben, die die Harzer Bergleute dann über Jahrhunderte weiter ausbauten. Damit gelten die Walkenrieder Zisterziensermönche als “die Väter der Oberharzer Wasserwirtschaft”.

Ausstellung im UNESCO-Welterbezentrum von Walkenried.
Man spricht heute von „Weißen Konzern“. Anhand eines fiktiven Jahresberichts der „Walkenried AG“ aus dem Jahr 1306 werden Parallelen zu heute deutlich, aber auch Unterschiede: So erhielten die Mönche keine Gewinnausschüttungen – sie hatten sich der Armut verpflichtet -, der Gewinn konnte konsequent reinvestiert werden. Auch an anderen Stellen wird ein Gegenwartsbezug hergestellt.
Mehr im Internet unter www.kloster-walkenried.de

Tipp zur Mittagseinkehr: Kniesteressen

Unser Tipp: Genießt nach einer Führung durch das Kloster Walkenried eine besondere Harzer Spezialität im ehemaligen Speiseraum der Mönche: Ein Kniesteressen – das Gericht besteht aus Ofenkartoffeln mit Speck und Rosmarin, Vorsuppe, Brot, hausgemachten Quark und Krautsalat, Gehacktes, Rotwurst, Leberwurst, Sülze und Harzer Käse. Auf Wunsch und nach Absprache mit dem KlosterCafé ist auch eine vegetarische Variante des Kniesteressens möglich.
❏ Bad Gandersheim – Kloster Brunshausen
Das „Portal zur Geschichte“ präsentiert an drei Orten die Geschichte des Gandersheimer Frauenstifts. In der Stiftskirche ist der lange verschollene Kirchenschatz zu sehen, u.a. das „Heilige Blut Christi“ in einem 1000 Jahre alten Flakon aus Bergkristall. Im Mittelpunkt der Ausstellung „Starke Frauen – Feine Striche“ in der Klosterkirche Brunshausen (ein Kilometer nördlich vom Stadtzentrum stehen die eindrucksvollen Frauen des Gandersheimer Frauenstifts.
Gemälde, Wandmalereien und Bücher im Sommerschloss Brunshausen spiegeln barock Sammelleidenschaft und fürstliches Selbstverständnis des 18. Jahrhunderts.

Sommerschloss Brunshausen mit eindrucksvoller Ausstellung und freigelegten Wandmalereien. Foto: Weirauch
Hier geht es zum Portal für Geschichte www.portal-zur-geschichte.de
Lesegarten “Brunshäuser Wunderkammer”
Nach soviel Geschichte kann man sich im benahcbarten Lesegarten emtspannen und auch Kaffee und Kuchen genießen. der Begriff Brunshäuser Wnderkammer knüpft an die Tradition der Wunderkammern an, die einst Objekte aus unterschiedlichen Welten vereinten und Orte des Staunens waren. Bereits 1726 richtete Ernestine Elisabeth Antonia von Sachsen-Meiningen im Kloster Brunshausen in ihrem Sommerschloss ein Naturalienkabinett, auch Wunderkammer genannt, ein. Diese Kabinette waren nicht in erster Linie als Orte des Wissens gedacht, sondern demonstrierten die Größe und Macht Gottes. Die Besucher wurden damals schlicht ins Staunen versetzt.

Von Mitte April bis Mitte Oktober ist der Lesegarten geöffnet, und der Eintritt ist frei. Besucher sind herzlich eingeladen, den “Brunshäuser Wunderkammer” Lesegarten zu erkunden und sich von der Schönheit und Vielfalt der Natur inspirieren zu lassen.

Blick in den benachbarten Haus- und Hofladen Brunshausen mit vcielen individuellen Geschenken und Werkzeugen Foto: Weirauch

Benno Löning betreibt mit seiner Familie Hamnderkerscheune Cafe und Skulpturenpark in Brunshausen. Foto: Weirauch
Ebenfalls sehenswert: Museum der Stadt Bad Gandersheim
Markt 10, 37581 Bad Gandersheim, Mehr im Internet unter www.museum-bad-gandersheim.de
Vorschau 2026: Stiftsdame Roswitha von Gandersheim
❏ Bad Lauterberg – Leckeres aus der Konditorei Mangold
Im Café – direkt an Bad Lauterbergs Flaniermeile und Haupteinkaufsstraße gelegen, gibt es eine riesige Auswahl vonslebst hergestellten Schokoladenspezialitäten. Besonders beliebt sind Fruchtaufstrich mit Schierker Feuerstein, Lauterberger Lehm, Harzer Blätter und Schierker Feuerstein Trüffel.
Cornelia und Florian Mangold, beide sind Konditormeister Foto: Weirauch

Konditormeister Florian Mangold fertigt im Winter auch Baumkuchen.

❏ Gut essen und trinken – SPA & Wellness Resort Romantischer Winkel
Das familiengeführte Hotel und Resort mit 73 Zimmer und vier Suiten, einer der Traditionsbetriebe im Harz, bietet seinen Gästen Urlaub auf höchstem Niveau mit großem Wohlfühl-Spa und exklusiver Küche. Mehr im Internet unter www.romantischer-winkel.de

JSpitzenköche Jonas Paul und Ralph Hollokoi Foto: Weirauch
Hier erlebten wir einen Abend in dem SPA & Wellness Resort Romantischer Winkel
Die Recherche im Harz erfolgte im Rahmen einer Pressereise von Tourismus-Marketing Niedersachsen.
Hier weitere Beiträge über den Westharz auf einfachraus.eu







❏ Kloster Walkenried – UNESCO Welterbe



















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