Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom öffnete nach umfassender Restaurierung Die Sanierung ist das größte Bauvorhaben am Berliner Dom seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Gruft auf der Museumsinsel ist die zentrale Begräbnisstätte des früheren Kaiserhauses. Hier ruhen Angehörige des Hauses Hohenzollern, eso der erste Preußenkönig Friedrich I. und seine Frau Sophie Charlotte. Mit 91 Särgen aus fünf Jahrhunderten gilt das jetzt auch klimatisch ertüchtigte Gruftanlage als eine der größten Grablegen in Europa. Die Grablege unter dem 1905 eröffneten Belriner Dom ist erst seit 1999 für die Öffentlichkeit zugänglich. Wegen Kriegszerstörungen war sie aufgrund der massiven Schäden am Gebäude und an den Särgen vollständig geschlossen, so berichtete Dombaumeisterin Sonja Tubbesing. Die rund 1.400 Quadratmeter große Gruft wurde umfassend saniert werden, weil steigende Besucherzahlen (750.00 im Jahr 2019) dem Klima zusetzten. Feuchtigkeit und Wärme machten den Särgen zu schaffen und es entwickelten sich Schimmelpilze. 2014 begann die Planung zur Umgestaltung der Gruft, im April 2020 wurde die Gruft dann geschlossen.
Beginn im Vermittlungsraum an Toucscreens-Tisch

Dombaumeisterin und Dompfarrer in der Hohenzollerngruft.
Neben einem neuen Rundgang und einer Klimaanlage gibt es nun zum Beispiel für die Barrierefreiheit einen Aufzug runter zur Gruft. Das hat nicht nur historische, sondern auch liturgische Gründe, erklärt der geschäftsführende Domprediger Stefan Scholpp: „Der Berliner Dom ist seit seinen Anfängen auf die Gemeinschaft von Lebenden und Toten gegründet. Im wörtlichen Sinn: Wer aus der Predigtkirche in die Gruft hinabsteigt, kommt unweigerlich mit seiner eigenen Sterblichkeit in Berührung – aber eben auch mit dem Glauben der christlichen Kirche an die Auferstehung der Toten. Damit gewinnt der Rundgang durch den Dom eine existenzielle Tiefe, die ich als unschätzbar wertvoll erlebe.“ Dort können sich Besucher zunächst in einem neu konzipierten Vermittlungsraum etwa über die Geschichte der Hohenzollern oder das Thema Kindersterblichkeit informieren. Außerdem steht dort ein großer runder Tisch mit einem interaktiven Modell der Gruft und Touchpads, über die Interessierte Informationen zu den einzelnen Särgen und den Menschen, die darin liegen, bekommen können. Im Anschluss können die Besucher zwischen den 91 Särgen frei bewegen. Diese wurden im Zuge der Arbeiten neu positioniert.
In der Hohenzollerngruft betreten die Gäste nun zuerst einen Vermittlungsraum: wertvolle Grabbeigaben, kurze Animationsfilme und ein interaktives Gruftmodell laden zum Verweilen ein. Hier gibt es Wissenswertes zur Geschichte der Grablege, zur Hohenzollern-Familie und Geschichten über die Menschen, die in der Gruft bestattet sind, zu erfahren.

Danach kann der Rundgang fortgesetzt werden, etwa zur Kuppel des Doms. Bis ganz nach oben gibt es jedoch keinen Aufzug, das wäre laut Architektin Claudia Kruschel zu komplex geworden. Während der Bauarbeiten wurde demnach auch die Infrastruktur modernisiert, etwa mit neuen Schließfächern oder einem aktuellen Sicherheits- und Brandschutzsystem.

Sophie Charlotte Herzogin von Braunschweig und Lüneburg war die erste preußische Königin. 1684 heiratete sie den Kurprinzen Friedrich von Brandenburg, der ab 1688 als Kurfürst Friedrich III. regierte und sich 1701 zum König in Preußen krönte. Ihr Sohn war der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. Foto: Weirauch

das Kleidchen der nach einem kurzen Lebensjahr verstorbenen Charlotte Albertine Prinzessin zu Preußen, die prachtvoll ausgestattet in goldener Seide bestattet wurde.

Was für ein toller Titel „Himmel unter Berlin“

Dompfarrer Stefan Scholpp und Architektin Claudia Kruschel. Foto: Weirauch

Hohenzollerngruft und Dom sind nun barrierefrei zugänglich. Zudem bietet die Gruft jetzt für Besucher in einem gesonderten „Vermittlungsbereich“ ein interaktives Gruftmodell mit Informationen etwa zur Sargaufstellung. In der Gruft befinden sich teils schlicht, teils reich gestaltete Särge aus Stein, Metall und Holz. Am Samstag von 10 bis 18 Uhr können Interessierte umsonst die neugestaltete Gruft besuchen. Zudem wird für die Gäste Erbsensuppe serviert – in Anlehnung an die Einweihung des Doms 1905, erzählte Domprediger Stefan Scholpp. Denn damals habe Kaiser Wilhelm II. im Lustgarten vor dem Dom eben jene Suppe servieren lassen. Am Sonntag findet zudem ein Festgottesdienst statt.


Blick vom Kuppelumgang auf Berlin Foto: Weirauch

Der Berliner Dom war einst repräsentative Bühne der Hohenzollern, welche im Stadtschloss auf der anderen Seite der Spree residierten. Heute spielt die größte Kirche Berlins als Oberpfarr- und Domkirche der evangelischen Kirchengemeinde (heute 1400 Mitglieder) eine wichtige Rolle über die Stadtgrenzen hinaus.
Ab Montag kostet der Eintritt inkl. Dombesichtigung 15 Euro.
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