Von Jörg Berghoff
Im Jubiläumsjahr öffnet Deutschlands älteste Stadt neue Blickachsen und Perspektiven auf das Welterbe.
Als die Treverer vor 2000 Jahren hörten, was der römische Kaiser Augustus an der Mosel vorhatte, waren sie wenig begeistert. Seit Jahrhunderten schon lebte der keltische Stamm im Moseltal, hatte die römische Invasion unter Caesar weitestgehend unbeschadet überstanden, und nun wollte dessen Sohn ihre Siedlungen abreißen und eine neue römische Stadt errichten? Augustus aber konnte die Treverer milde stimmen. Er schloss die neue Metropole an das römische Fernstraßen- und Handelsnetz an und benannte sie nicht nur nach sich selbst, sondern auch nach den Treverern: Augusta Treverorum, gegründet 16 vor Christus. Heute verleiht dieses Gründungsdatum Trier den Titel „Älteste Stadt Deutschlands“.

Die Porta Nigra wurde in der Zeit Marc Aurels um 170 nach Christus erbaut. Foto: Jörg Berghoff
40 Jahre UNESCO-Welterbe in Trier
Und auch die heutigen Treverer tragen den Römern nichts nach, im Gegenteil: Die Trierer sind stolz auf ihre „Pochta“, wie die Porta Nigra, das römische Stadttor, im moselfränkischen Dialekt heißt, ebenso wie auf die Basilika, das Amphitheater oder die Kaiserthermen.
Unverändert imposant wachen Triers Römerbauten über den Alltag der Moselstadt. Unzählige Spaziergänger schieben sich an der Porta entlang in die Innenstadt, die Türme der hohen Domkirche St. Peter spenden passionierten Boule-Spielenden Schatten und auf dem Vorplatz der ehemalige kaiserlichen Palastaula, der Konstantin-Basilika, trifft sich Triers nächste Generation zum Skaten. Die Harmonie zwischen jahrtausendealter Geschichte und lebendiger Gegenwart bestimmt Triers Charakter und steht 2026 im Fokus, wenn es an der Mosel heißt: 40 Jahre UNESCO-Welterbe Trier.
Neun auf einen Streich
Am 28. November 1986 nahm die UNESCO neun von Triers geschichtsträchtigen Bauten in die Welterbeliste auf: Porta Nigra, Konstantin-Basilika, Kaiserthermen, Barbarathermen, Amphitheater, Römerbrücke und Igeler Säule sowie Dom und Liebfrauenkirche, die auf römischen Fundamenten ruhen. Zum runden Geburtstag stellt sich Trier die Frage, wie Welterbe lebendig gehalten werden kann, ohne zur Kulisse zu werden. Antworten darauf gibt es über den Jahresverlauf hinweg viele mit Sonderformaten, Konzerten, neuen Führungen, die Einheimische und Gäste gleichermaßen ansprechen.

In der Konstantin-Basilika hielten im 4. Jahrhundert die römischen Herrscher ihre Audienzen. Foto: Jörg Berghoff
Einblicke in die römische Unterwelt liefert zum Beispiel die Führung „Auf kaiserlichen Spuren“, die noch bis Oktober angeboten wird und die den Kryptoportikus unter dem ehemaligen Kaiserviertel zugänglich macht. Im Stadtmuseum wird durch die interaktive Ausstellung „Achtung, Baustelle!“ der Prozess des Bauens erlebbar – von Entwurf bis Statik über römischen Sandstein bis bunter Lego-Baustein. Ergänzend setzt „Trier für Treverer“ auf neue Rundgänge zu Themen wie dem Gladiatoren-Training über die Flugexpertise der Porta-Fledermäuse bis hin zum florierenden Tuchhandel entlang der Mosel.

Renovierungsbedürftig: die Porta Nigra bleibt während der Restaurierung für Besucher geöffnet. Foto: Jörg Berghoff
Römische Wochenenden
Die römischen Monumente des Welterbes Trier strahlen eine Faszination aus, die Reisende aus aller Welt an die Mosel lockt. Neben klassischem Faktenwissen über Info-Tafeln und Baurekonstruktionen wünschen sich viele aber auch eine lebendige und unterhaltsame Vermittlung, die Einblicke in die historischen Lebenswelten ermöglicht. Sonderprogramme wie Kostümführungen und Familienworkshops leisten das eindrucksvoll.

Dr. Karl-Uwe Mahler, Wissenschaftlicher Referent Großbauten am Zentrum der Antike Trier, erklärt die Bautechniken der Römerzeit.
Exemplarisch hierzu steht die Veranstaltungsreihe „Römer-Leben. Römische Wochenenden im Welterbe Trier“, die noch bis September stattfindet. Die römische Vergangenheit hautnah erleben und dies an authentischen Orten der Römerzeit: In den Kaiserthermen und im Amphitheater Trier wird das möglich. Immer am ersten Wochenende des Monats lädt die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz in Zusammenarbeit mit zahlreichen Akteuren ein, am Leben in der Antike teilzuhaben und bei verschiedenen Aktionen mitzumachen – Staunen und Entdecken für Groß und Klein. Thematische Schwerpunkte Essen und Trinken im römischen Reich, Reiterei und Militär und zum Auftakt ein dreitägiges, römisches Handwerkerlager. Die Veranstaltungen richten sich an ein breites Publikum und bieten auch besondere Mitmachangebote für Kinder und Familien.

Im Stadtmuseum Simeonstift Trier kann man Teile der historischen Stadtmauer besichtigen. Foto: Jörg Berghoff
Weitere Informationen zur Stadt www.trier-info.de
Text und Fotos: prb

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