Potsdam glänzt mit Superlativen. Dazu gehört auch das  Dampfmaschinenhaus an der Neustädter Havelbucht. Es gilt als eines der architektonisch reizvollsten und fremdartigsten Bauwerke in Potsdam. Ein bemerkenswertes Architekturbeispiel für Zweckbauten der frühen Industrie im 19. Jahrhundert.

Im neuesten Heft der Fachzeitschrift Journal Dampf Heißluft (Neckar-Verlag Villingen-Schwneningen) wird darüber ausführlich berichtet. Autor Gerhard Bavendick beschreibt nicht nur aus fachlicher sicht das Entstehen dieser einzigartigen Maschinenanlage, er würdigt auch ausführlich das Wirken des mit dem Bau vom König betrauten Hofbauinspektors Moritz Gottgetreu.

Das aktuelle Heft kann unter www.neckar-verlag.de bestellt werden.

Es ist das wohl einzige Pumpenhaus im maurischen Stil in der Bundesrepublik. 

Das zu seiner Erbauungszeit noch vom Schloss Sanssouci aus sichtbare Gebäude setzte einen malerischen architektonischen Akzent in die Potsdamer Kulturlandschaft. Immer wieder bleiben Touristen vor dem farbig in der Sonne glänzenden Bauwerk stehen, so Mancher reibt sich verdutzt die Augen. Bauherr Froiedrich Wilhelm IV.,  orientbegeisterter König, wollte als Hülle für die Anlage ein „Maschinenhaus … nach der Art türkischer Moscheen mit einem Minarett als Schornstein“ haben. Dampfmaschinenfabrikant und Ingenieur August Borsig entwarf aus technischen Gründen eine streng symmetrische Anlage . Preußens Starchitekt Ludwig Persius musste sich etwas einfallen lassen, rückte den Schornstein aus der Mitte des Gebäudes weg und fügte an einer Gebäudeseite die Wohnung des Maschinenmeisters an.

Moschee Potsdam Dampfmaschinenhaus

Von Aussen glänzt das Bauwerk leider derzeit nicht mehr so wie wohl zur Erbauungszeit. Umwelteinflüsse haben den pittoresken Gebäude zugesetzt.  Spannend wird es im Innern des kunstvoll als Moschee verkleideten Bauwerkes. Eine Vorführung der sechs Meter hohen Dampfmaschine in der „Moschee“ an der Neustädter Havelbucht ist nicht nur für Technikfreaks ein Erlebnis. Das 80 PS starke Wunderwerk der Technik in dem von 1841 bis 1843 errichteten Dampfmaschinenhaus präsentiert auf anschauliche Weise die Geschichte des Maschinenbaus in Preußen.

Das Dampfmaschinenhaus in Potsdam, oft auch als „Moschee“ bezeichnet, ist ein außergewöhnliches historisches Bauwerk, das auf den ersten Blick tatsächlich wie ein islamisches Gotteshaus wirkt. Dieser Eindruck täuscht jedoch, denn das Gebäude hatte nie eine religiöse Funktion. Es wurde in den Jahren 1841 bis 1843 im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. errichtet und von dem Architekten Ludwig Persius entworfen. Der Baustil orientiert sich bewusst an maurischer Architektur, die im 19. Jahrhundert in Europa als exotisch und ästhetisch reizvoll galt. Deshalb besitzt das Gebäude typische Merkmale wie ein Minarett, ornamental verzierte Fassaden und eine insgesamt „orientalisch“ anmutende Gestaltung.Moschee Potsdam Dampfmaschinenhaus

Tatsächlich diente das Dampfmaschinenhaus einem rein technischen Zweck. Es war Teil eines ausgeklügelten Systems zur Wasserversorgung der Parkanlagen von Sanssouci Park. Im Inneren befand sich eine Dampfmaschine, die Wasser aus der nahegelegenen Havel pumpte, um die Fontänen und Wasserspiele im Park zu betreiben. Besonders beeindruckend war die große Fontäne vor dem Schloss Sanssouci, deren Wasserstrahl eine Höhe von bis zu 38 Metern erreichen konnte. Damit verband das Bauwerk auf einzigartige Weise Technik und Kunst, da selbst ein funktionales Industriegebäude in eine repräsentative und dekorative Form gebracht wurde.

Moschee Potsdam Dampfmaschinenhaus

Die ungewöhnliche Gestaltung zeigt auch das Interesse der damaligen preußischen Monarchie an fremden Kulturen und Architekturstilen, wobei diese jedoch eher aus ästhetischen Gründen übernommen wurden als aus religiösem Verständnis. Heute gilt das Dampfmaschinenhaus als bedeutendes Kulturdenkmal und ist ein beliebtes Ziel für Besucherinnen und Besucher, die sich für Architektur, Technikgeschichte und die Geschichte Potsdams interessieren. Es steht symbolisch für die Verbindung von Ingenieurskunst und künstlerischem Anspruch im 19. Jahrhundert und veranschaulicht eindrucksvoll, wie selbst industrielle Infrastruktur in eine kunstvolle und repräsentative Form gebracht werden konnte.

Moschee Potsdam Dampfmaschinenhaus

Friedrich II. träumte von Wasserfontäne im Park

Eine kleine Ausstellung informiert über die Geschichte der Fontäneanlagen von Sanssouci. Bereits Friedrich der Große träumte vom Wasser für die große Fontäne im Parterre von des Parkes von  Sanssouci. Lediglich einmal, am Karfreitag 1754, sprudelte diese. Allerdings wurde das Wasser nicht mittels eines „Vier-Mühlen-Hebewerks“ von der Havel die zwei Kilometer bis zum Bassin auf dem Ruinenberg befördert: In den Hochbehälter transportierte Schneemengen führten zu dem Aha-Effekt.

Blick auf den Park Sanssouci Potsdam

Blick auf die Terrassen von Sanssouci , Schloss Sanssouci und dem Normannischen Turm auf dem Ruinenberg im Park Sanssouci.

Erst im Jahr 1840, nach Regierungsantritt Friedrich Wilhelm IV., wurde das Fontänenprojekt erneut aufgegriffen und vollendet. Das Wasserwerk mit der Dampfmaschine kostete rund 200.000 Taler. Es war „Das größte Bauunternehmen im Staate“, wie Baumeister Ludwig Persius am 23. Mai 1842 an den Maschinenbauer August Borsig schrieb. Mit dieser damals in Preußen stärksten Maschine, gebaut vom noch jungen Unternehmer August Borsig, wollte sich König Friedrich Wilhelm IV. gegenüber der technischen Vormachtstellung Englands behaupten.Moschee Potsdam Dampfmaschinenhaus

Funktionsfähig bei Vorführungen

Die Dampfmaschine wurde vor über 30 Jahren von der Kleinmachnower Firma Rudi Häusler  restauriert. Sie kann , von einem Elektromotor angetrieben, vorgeführt werden. Heute zählt das bedeutende technische Denkmal  zu den ältesten erhaltenen Dampfmaschinen in Deutschland. Für die Besucher der „Moschee“ ist das technische Wunderwerk von einst – ein Faszinosum für Jung und Alt.

Längst hat eine von einem 200 Kilowatt starken Elektromotor angetriebenen Kreiselpumpe den Technikveteranen abgelöst. Etwa 8 000 Kubikmeter Wasser werden an heißen Sommertagen täglich in das Bassin auf den 43 Meter hohen Ruinenberg befördert. Ein Großteil der vor rund 180 Jahren im Park Sanssouci verlegten Rohrleitungen, rund 85 Kilometer, werden noch heute benutzt. Eine kleine Ausstellung im Dampfmaschinenhaus informiert über die Baugeschichte.  Von 50 Fontänen im Park von Sanssouci sind heute noch 30 in Betrieb. 

Potsdam Blick auf die Neustädter Havelbucht mit der Wasserwerksmoschee

Potsdam Blick auf die Neustädter Havelbucht mit der Wasserwerksmoschee Foto: Weirauch

Der Preussenadler über dem Balancier

Moschee Potsdam Dampfmaschinenhaus

Wann geöffnet ?

von Mai bis Oktober jeden ersten Sonntag im Monat geöffnet
10–17:30 Uhr

zusätzliche Feiertagsöffnungen:
3. Oktober – Tag der deutschen Einheit
31. Oktober – Reformationstag

Besichtigung mit Führung.
Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließzeit.