100 Jahre Bauhaus in Dessau: ein geeigneter Anlass, in der Stadt in Sachsen-Anhalt die wichtigsten Zeugnisse des Bauhauses aufzusuchen und auch einen Blick auf weitere bedeutende Denkmale zu werfen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) stellt in ihrem aktuellen Magazin „Monumente“ Sehenswürdigkeiten Dessaus vor, die u.a. auch mit Mitteln des DSD gefördert und unterstützt wurden. einm sehr lohnenswerter Rundgang zu den Bauhaustätten, einige sind kaum bekannt.

Dessau.Kornhaus Bauhaus UNESCO Weltkulturerbe

Das Kornhaus ist eine Ausflugsgaststätte an der Elbe im Dessau-Roßlauer Stadtteil Ziebigk. Es gehört zu den Bauhausbauten. Foto: Weirauch

Julia Greipl, Autorin des Beitrags „Kleine Route, große Geschichte: Dessau“: „Nicht einmal eineinhalb Jahrzehnte war es aktiv und wurde doch zu einem der folgenreichsten Reformprojekte in der Kunst- und Baugeschichte: das Bauhaus, eigentlich nur eine Hochschule für Architektur, Gestaltung, Kunst und Kunstgewerbe. Und gleichzeitig so viel mehr als das, denn das Bauhaus und seine berühmten Meisterinnen und Meister wollten nicht einfach lehren, sondern alles unter ein (meist flaches) Dach bringen: Lehre und Leben, Handwerk und Kunst. Gegründet von Walter Gropius 1919 in Weimar, zog des Bauhaus 1926 nach Dessau um.“

Hier weitere Informationen und Termine zum Bauhausjubiläum 2026

Anlass für uns, das 100-jährige Jubiläum Bauhaus in Dessau mit einem Spaziergang zu den bedeutenden Zeugnissen zu begehen: das bekannte Bauhausgebäude selbst, die Meisterhäuser, das ehemalige Arbeitsamt, aber auch Kirchen, Villen, Siedlungen und die unvergleichliche Parklandschaft, die das kulturelle Erbe der Stadt prägen, dürfen auf dieser Route nicht fehlen.

Viele dieser Sehenswürdigkeiten konnten mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) erhalten werden. Das Magazin „Monumente“ der DSD stellt einige dieser geförderten Objekte in Heft 1/2026 vor.

Meisterhäuser

Im Auftrag der Stadt Dessau baute der Begründer des Bauhauses Walter Gropius drei Doppelhäuser für die Bauhausmeister sowie in Einzelhaus für den Direktor. Bis heute heißen die Häuser nach ihren Erstbewohnern: Gropius, Moholy-Nagy/Feininger, Muche/Schlemmer, Kandinsky/Klee. Für Greipl ist dieses Objekt der geeignete Ort, sich einer der zentralen Fragestellungen in der Denkmalpflege zu widmen. Rekonstruktion der ursprünglichen Bebauung oder Erhaltung überkommener Ersatzbauten. Hier wurden die Überformungen der Nazi- und DDR-Zeit zurückgebaut sowie das Gesamtensemble, da, wo es gänzlich verloren war, repariert. Im Doppelhaus Kandinsky/Klee, das nicht zerstört, aber durch spätere Um- und Einbauten durchaus beschädigt worden war, hat die DSD die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbigkeit im Inneren gefördert.

Das wieder aufgebaute Direktorenhaus in Dessau, Foto: Weirauch

Das wieder aufgebaute Direktorenhaus in Dessau, Foto: Weirauch

Bauhausgebäude

Dieses Gebäude ist im Wesentlichen ein Stahlbetonskelett, das Selbstbewusstsein ausstrahlt. Die gläsernen Fassaden lassen die Konstruktion sichtbar werden. Für Walter Gropius bilden „Kunst und Technik – eine Einheit“ an diesem Gebäude. Am 4. Dezember 1926 wurde es eingeweiht, 1945 stark zerstört, den Umständen entsprechend instand gesetzt und 1964 unter Denkmalschutz gestellt. Dessau Bauhaus Dessau Sachsen - Anhalt Gartenreich

Altes Arbeitsamt

Es befindet sich im Stadtzentrum. Auch dieser Bau ist ein Auftragswerk der Stadt an Walter Gropius. 1927 entstand der auffällige halbkreisförmige und eingeschossige Flachbau mit mehreren Eingängen, durch die Arbeitssuchende gezielt die für sie zuständigen Vermittler aufsuchen konnten. Konstruktiv ebenfalls ein Stahlskelettbau, erhielt der ursprünglich fensterlose Rundbau nur von oben durch das Glasdach sowie das Oberlichtband Tageslicht.

in -Sachsen-Anhalt Bauhaus Dessau

Das historische Arbeitsamt in Dessau wurde von der Bundesanstalt für Arbeit übernommen, hier soll ein Seminarzentrum entstehen. Foto: Jörg Berghoff

Ebenfalls UNESCO-Welterbe:  Schloss und Park Georgium

Dieser Park ist Teil des Gartenreichs Dessau-Wörlitz, ein klassizistisches Landhaut und mehrere romatisierende Kleinarchitekturen. Für Greipl ist es ungewiss, dass sich die Bauhäusler beim Parkspaziergang und Betrachten der Bauten hier umgesehen haben. Ebenfalls kaum vorstellbar sind die immensen Zerstörungen die Das Elb- und Muldehochwasser im August 2002. An deren Beseitigung war die DSD beteiligt.

Gartenreich Dessau Wörlitz Welterbe

Schloss Georgium in Dessau ist Sitz der Anhaltischen Gemäldegalerie Foto: Weirauch

Der Georgengarten ist Teil des Gartenreichs Dessau-Wörlitz; ein klassizistisches Landhaus und mehrere romantisierende Kleinarchitekturen prägen ihn. Bereits ab dem 19. Jahrhundert wurde der Park nicht mehr richtig gepflegt, im beginnenden 20. Jahrhundert schuf man hier sogar Wohnraum. Man bleibt also im Ungewissen, wenn man sich die Bauhäusler beim Parkspaziergang und Betrachten der Bauten vorzustellen versucht. 

Kommt mit auf unsere Reise durch die UNESCO-Welterbestätten in Sachsen-Anhalt.

Kaum bekannt: Flussbadeanstalt

„Den verheerenden Hochwasserereignissen zum Opfer gefallen wäre beinahe auch die Flussbadeanstalt im Rehsumpf, etwa zwei Kilometer stadtauswärts, in der Auenlandschaft der Mulde gelegen. Ab 1907 wurde diese Anlage erricht; 1928 waren es 197 hözerne Kabinen, in denen man sich zum Baden im Fluss umkleidete und seine Kleidung verwahren konnte. Die auch mit Hilfe der DSD instand gesetzten, weißblau angestrichenen Badezellen fallen inmitten der grünen Umgebung ins Auge. Etwas genauer hinsehen muss man, um den sogenannten Schweinekasten auszumachen, in dem unzählige Dessauer hundert Jahre lang gefahrlos schwimmen gelernt haben. Der Ingenieur und Unternehmer Hugo Junkers war einer der prominentesten Schwimmer.“

Ehemalige Schloss- und Stadtpfarrkirche St. Marien

Auch die Marienkirche – ein bedeutendes Bauwerk der Spätgotik und beginnenden Renaissance – im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und zunächst nicht wieder aufgebaut, wurde ab 1990 mit Unterstützung der DSD instand gesetzt. Heute dient sie als Veranstaltungsort, seit 2022 als Spielstätte für das „Mitteldeutsche Theater“ des gebürtigen Dessauers Dieter Hallervorden.

Tourvorschläge für Dessau im Bauhaus-Jubliläumsjahr 2026

Greipl schlägt zwei Tourvorschläge in Dessau vor: „Routenvorschlag auf den Spuren der DSD“ und „Gebrochene Verheißung“. Sie empfiehlt, dass man die zweite Tour in den ersten Monaten des Jubiläumsjahres machen sollte. Denn im zentral gelegenen alten Kaufhaus Zeeck von 1908, aus der DDR-Zeit noch als Magnet-Kaufhaus bekannt, sind zahlreiche Aktivitäten und Ausstellungen geplant. 

Mehr Informationen unter: www.monumente-online.de

Monumente Nr. 1/Februar 2026, Magazin Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Julia Greipl: Kleine Route, große Geschichte: Dessau, Form, Funktion und fürstlicher Glanz, S. 42 ff.

Fazit von Julia Geipl: „Bauhaus, Gartenreich, Residenz- und Industriestandort: Dessau mit seinen Stadtteilen und dem umfangreichen kulturellen Erbe lohnt einen Besuch. Nicht nur, aber besonders zum Bauhausjubiläum 2026.“

hier erfahrt ihr mehr über das UNESCO Weltkulturerbe Dessau-Wörlitzer-Gartenreich in Sachsen-Anhalt.