Die Biervielfalt unseres Nachbarlandes ist Tschechien bekanntermaßen sehr groß. Seit Jahrhunderten fest in der tschechischen Kultur verwurzelt, zählt der dortige Gerstensaft unter Fachleuten und Genießern gleichermaßen zu den besten der Welt. Die fast 500 Sorten werden von rund 50 industriellen Brauereien wie Pilsner Urquell, Budweiser Budvar, Starobrno oder Krušovice produziert. Zur Vielfalt tragen aber auch über 400 Klein- und Minibrauereien bei, die oft ganz eigene Wege gehen. Drei Beispiele unter Tschechiens Minibrauereien, die jede für sich mit einer persönlichen Note glänzen. 

Řemeslný Pivovar Clock in Ostböhmen

In Potštejn, einer kleinen Gemeinde am Fuße des Adlergebirges in Ostböhmen, braut sich allerhand Wort- und vor allem Geschmacksstarkes zusammen: Obergäriges Clock 12° APA, Schwarzbier Exorcist 14° Foreign Extra Stout, Goldie 11° Weizenbier, helles Bier vom Fass Hector 10° oder das untergärige halbdunkle Maid 12°. Dahinter steckt der Handwerksbetrieb Clock, gegründet von Jakub Sychra. Der 34-Jährige schätzt vor allem erstklassige Zutaten und immer wieder neue Wege in der Produktion, beispielsweise mit dem neuen Fenetra – ein wildes Bier, gereift im Eichenfass. Zur Inspiration unternahm er schon früh Reisen in alle Welt nur der Biere wegen. Mit viel Wissen und Erfahrung im Gepäck begann er in der eigenen Garage mit den ersten Versuchen, um heute, neun Jahre später, 8.000 Hektoliter Bier über das ganze Jahr hinweg zu produzieren. Am Beruf des Braumeisters schätzt er die vielen Facetten: „Vom Erfinden neuer Rezepturen, über den Einkauf der Zutaten, Organisieren der Arbeit bis zur gestalterischen Arbeit, Bierlieferung oder Kundenbetreuung. Jeder Tag ist anders, ich langweile mich nie.“ Vor allem die graphische Gestaltung macht ihm neben der Produktion Spaß: Die kunstvoll gestalteten Etiketten wären es allein schon Wert, die Zuhausegebliebenen mit ein paar Flaschen zu beglücken. Jakub möchte sich auf keinen Favoriten festlegen und entscheidet immer neu: „Mal bevorzuge ich ein leichtes 10-Grad-Bier zum Durstlöschen, ein anderes Mal ein kompliziertes Bourbon Barrel Aged Imperial Stout. 

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Lyer aus Modrava

Jaroslav Kouba, in der Bierhochburg Budweis geboren, wusste schon früh, was er werden wollte. Mit 14 Jahren nahm ihn ein Kumpel mit ins Sudhaus der Budweiser Brauerei – da war ihm sein Traumberuf klar. Nach der Lehre zum Braumeister machte er noch eine Ausbildung zum Gärtechniker, um heute in der Lyer Brauerei in Modrava im Böhmerwald sein Wissen mit allerhand Herzblut einzubringen. Seine Expertise in Verbindung mit sehr gutem Wasser und hochwertigen Zutaten lassen ihn jährlich 1000 Hektoliter erstklassiges tschechisches Lagerbier brauen – was nicht zuletzt zahlreiche Auszeichnungen bei renommierten Wettbewerben belegen. Die Brauerei wurde gerade vergrössert und man rechnet mit 2.500Hektolitern im nächsten Jahr. Der heute 37-Jährige liebt an seinem Beruf den Bezug zu allerhand weiterenFachgebieten, die Verbindung von Tradition und Innovation und die enge Verbundenheit der Zunft. Unter den Braumeistern herrsche ein unheimlich freundlicher Umgang, schwärmt Jaroslav. Eine Besonderheit des Maschinenparks der Minibrauerei, die 2014 gegründet wurde, ist der innovative Einsatz einer Wärmepumpe zur Kühlung von Würze sowie Gär- und Lagertanks bei der gleichzeitigen Warmwasserbereitung. Dadurch reduziert sich der Energieverbrauch des Betriebs erheblich. Im Herzen des Böhmerwaldes gelegen, verkauft sich Lyer Bier in vielen verschiedenen Regionen Tschechiens. Jaroslavs persönlicher Favorit ist das 12° helles Lagerbier mit einem extrem ausgewogenen Verhältnis zwischen Vollmundigkeit und Alkoholgehalt, dadurch kann man es fast zu jeder Zeit trinken. Im zugehörigen Restaurant lohnt sich zum kühlen Hellen ein schmackhaftes Rindergericht – das Fleisch stammt direkt vom eigenen Biobauernhof. Weitere Informationen

Matuška – Craftbier aus dem Familienbetrieb 

Am Ostermontag 2009 nahm alles seinen Anfang: Inmitten der wunderschönen Natur von Krivoklatsko gelegen, 30 Minuten westlich von Prag, startete der Familienbetrieb Matuška in der eigenen Garage mit dunklem Lagerbier. Schon bald zog man in ein neues Gebäude um und konnte damit die Produktion erheblich steigern. Heute beschäftigt die Brauerei mehr als zehn Mitarbeiter und braut etwa 30 Biersorten, hauptsächlich Lagerbiere und Ale, mit einer Jahresproduktion von 5.000 Hektolitern. Ein Meilenstein in der Geschichte der Brauerei war die Kreation des ersten India Pale Ales (IPA) im ganzen Land – ein helles, obergäriges, stark hopfenbetontes Bier, das ursprünglich der US- amerikanischen Craft-Bier-Bewegung entstammt. Bis heute wird es sehr erfolgreich als Raptor verkauft. Darauf folgten Biere wie California, Apollo Galaxy oder Tropical Rocket. Verantwortlich heute für den Betrieb ist Executive Director Matěj Šůcha, der nach seinem Abschluss an der Lebensmittelfachmittelschule in Fermentationstechnologie mit Homebrewing anfing. Davon war er so begeistert, dass er sich beim Forschungsinstitut fürBierbrauen und Mälzerei bewarb. Dass er das Produkt seiner Arbeit direkt in den Händen halten, es kosten und die Reaktionen der Menschen, die das Bier trinken, direkt beobachten kann, schätzt er an seinem Beruf am meisten. Im Unterschied zu vielen anderen braut man bei Matuška obergärige Biere im Gegensatz zur gängigen Infusionsmethode nach der Dekoktionsmethode. Damit werden die Biere vollmundiger, trinkgenüsslicher und haben einen unverwechselbaren Charakter. 

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Die kleinen Unterschiede – eine Einführung in den tschechischen Biergenuss

  1. „Bier“ heißt auf Tschechisch „pivo“, mit kurzem i gesprochen. Man unterscheidet zwischen einem kleinen (0,3 Liter) und einem großen Bier (0,5 Liter). Auf der Karte liest sich das als „malé“ bzw. „velké“ pivo. Wenn man ein „pivo“ bestellt, bekommt man dann selbstverständlich ein 0,5er-Glas serviert – im Nachbarland geht man davon aus, dass der Gast wirklich Durst hat.
  2. In der Getränkekarte findet man häufig die Angaben zur Stammwürze. Die Gradzahl Plato gibt die Stammwürze des Bieres an, also die Zusammensetzung von Malzzucker, Eiweiß und Mineralien. Je höher die Gradzahl, desto kräftiger schmeckt das Bier. Und auch der Alkoholgehalt steigt, je höher die Stammwürze ist: So enthalt das bei 10° Plato gebraute Bier oder auch schlicht „das Zehner“ zwischen 3,5 und 4,5 Prozent Alkohol. Wer sich ein „Zwölfer“ gönnt, wird die darin enthaltenen 4,5 bis 5 Prozent Alkohol schon früher in Kopf und Füßen spüren. Darüber hinaus gibt es spezielle Editionen mit 11 Grad oder 13 Grad zu besonderen Anlässen wie Bierfestivals.
  3. Auf tschechischen Getränkekarten findet man bisweilen Bier in drei Farben: helles, dunkles und „geschnittenes“ Bier. Letzteres ist ein Verschnitt aus hellem und Dunkelbier zu gleichen Teilen – bei uns weniger bekannt, bei unseren Nachbarn jedoch geläufig.
  4. In Tschechien unterscheidet man auch gern nach dem Zapfstil. Die Menge des Schaumes ist hier das Maß aller Dinge. Bekommt man ein großes „hladinka“, wörtlich: Wasserspiegel, so ist das Glas voll, und die nur kleine Schaumkrone reicht exakt bis an den Rand. Bei einem „šnyt“, also einem Schnitt, hat man ein kleines Bier in einem großen Glas vor sich, wenig Bier und viel Schaum – eine Option für alle, denen ein ganzes Glas zu viel ist, oder als Schlummertrunk, bevor man sich auf den Heimweg macht. Wer eine Milch an der Bar bestellt, ein „mlíko“, bekommt ein großes Glas voller Schaum vorgesetzt. Dem Baarkeeper hier schlechte Zapffertigkeiten zu unterstellen wäre unfair, denn die schaumige Spezialität wird wegen ihres feinen, leicht süßen Geschmacks geschätzt. Mehr dazu mit Bildern unter: https://bit.ly/34b3kQ7
  5. Ein beliebter Trinkspruch ist das „Anstoßen à la Stromkreis“. Man prostet sich mit den Worten zu: „Katoda – Anoda – Chladič – Spotřebič!“. Dabei stößt man zuerst mit dem oberen Glasrand an, dann mit dem Glasboden, dann mit dem Glasboden auf den Tisch. Und auf „Spotřebič“ nimmt man schließlich einen großen Schluck. Bei der verkürzte Variante zu den Worten „Na zdraví“ stößt man einfach an, klopft mit dem Glasboden auf den Tisch und trinkt ganz unzeremoniell.

Budweis ist Kulturhauptstadt 2028

(Berlin/Prag im Juli 2023) Bereits seit 1985 wird der Titel „Kulturhauptstadt Europa“ jährlich von der Europäischen Union vergeben, um den Reichtum, die Vielfalt und die Gemeinsamkeiten des kulturellen Erbes in Europa herauszustellen und ein besseres Verständnis der Bürger*innen Europas füreinander zu ermöglichen. Ein Jahr lang haben Städte die Möglichkeit, ganz Europa ihre kulturelle Vielfalt zu präsentieren. Neben Budweis wird der Titel 2028 auch von einer französischen und einer Stadt aus einem Land außerhalb der EU getragen.

Die südböhmische Metropole Budweis (České Budějovice) wurde zur Kulturhauptstadt 2028 ernannt und setzte sich zuletzt gegenüber dem Konkurrenten, der ostböhmischen Kleinstadt Braunau (Broumov), durch. „Nach 13 Jahren wird der Titel nun wieder von einer tschechischen Stadt getragen – im Jahr 2000 war Prag und 2015 die Stadt Pilsen Träger des prestigeträchtigen Titels“, berichtet Jan Herget, Direktor der Tschechischen Zentrale für Tourismus – CzechTourism, stolz. Nun haben die Stadt Budweis, die in erster Linie weltweit durch ihr Bier bekannt ist, sowie die Region Südböhmen die einzigartige Chance, kulturell neue Impulse zu setzen. Neben Braunau hatten sich ebenfalls Brünn (Brno) und Reichenberg (Liberec) um die Ernennung beworben.

Die Budweiser Bürgermeisterin Dagmar Škodová Parmová bedankte sich bei ihrem Team für den Einsatz in der mehr als zweijährigen Vorbereitungsphase: „Im Rahmen der Aktivitäten und mit unserem Projekt PERMA(KULTUR) legen wir ein besonderes Augenmerk auf das Thema Nachhaltigkeit und die Lebensqualität der Einwohner*innen. Der Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ bestärkt unsere Stadt und ihre Umgebung in der kulturellen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung.“

 

Das gesamte touristische Gebiet České Budějovice erstreckt sich zwischen České Budějovice, Hluboká nad Vltavou und Lišov. Durch die Region fließt die Moldau. Hier finden sich historische Stadtgebilde, moderne Infrastrukturen, ebene Radwanderwege, Jahrhunderte alte Teichkaskaden, Waldgehege sowie Felsschluchten. Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten gehören die Altstadt der Stadt České Budějovice, das Staatliche Schloss Hluboká, der Südböhmische Zoologische Garten Hluboká nad Vltavou und das Besucherzentrum der Brauerei Budweiser Budvar.

Weitere Informationen zu Tschechien allgemein unter www.visitczechia.com

Über Tschechien

Ein Reiseziel in der Mitte Europas, vertraut und unbekannt zugleich, reich an Geschichte, Natur und Kreativgeist – willkommen in Tschechien. Zu Prag gehört die Karlsbrücke genauso wie das Goldene Gässchen; abseits der Altstadt locken jedoch Kreativzentren, Theater und Concept Stores im Künstlerviertel Holešovice. Die zweitgrößte Stadt Brno ist die Kapitale der Region Südmähren, in der sich dank des milden Klimas das größte tschechische Weinbaugebiet befindet. Brno selbst ist die heimliche Gastronomie-Hauptstadt und mit seiner Fülle an funktionalistischen Gebäuden ein Anziehungspunkt für Architekturfans. Die Villa Tugendhat ist eine von 14 tschechischen UNESCO Welterbestätten. In den Regionen prägen rund 2.000 Burgen und Schlösser die sprichwörtlich märchenhafte Landschaft – tatsächlich wurden zahlreiche Filme in Tschechien gedreht. Outdoor- und Natur-Begeisterte erkunden das Böhmische Paradies per Rad und beim Wandern, fahren im Winter Ski im Riesengebirge oder erkunden die vier Nationalparks.

Weitere Infos unter unter www.visitczechrepublic.com 

Presseinformation: czechtourism

Hier geht es zu Tschechiens  Anwärter auf UNESCO – Weihen: Hopfen aus Zatec