UNESCO, Weltkulturerbe, Biosphärenreservat – diesen Worten wohnt in diesen Tagen einmal mehr ein Zauber inne. Die Kultur- und Naturgüter stehen für Begegnung und Austausch, für einen universellen Wert über Landesgrenzen hinaus. Tschechien ist in den renommierten Listen der UNESCO bereits zahlreich vertreten und gehört, gemessen am Verhältnis der Fläche zur Einwohnerzahl, zu den Ländern mit den meisten Welterbestätten. Aktueller Anwärter für die Aufnahme in die Welterbeliste ist die Stadt Žatec und die Landschaft des Saazer Hopfens. 

Wie die Tschechische Zentrale für Tourismus – CzechTourism informierte, reichte Kulturminister Lubomír Zaorálek kürzlich die Bewerbungsunterlagen zur Nominierung von Žatec (Saaz) und der Landschaft des Saazer Hopfens zum UNESCO-Weltkulturerbe ein, um voraussichtlich bis Sommer 2022 den Bescheid zu erhalten.

Dorf Stekník, Dorf Trnovany, Stadt Žatec

Blick in Bierbrauereien in Zatek, Foto by Jiří Strašek (c) CzechTourism

Das ohnehin für Bier und Braukunst bekannte Land zeigt mit der Stadt und seinen fruchtbaren Hopfengärten der Umgebung eine jahrhundertelange Geschichte des Hopfenanbaus und seiner Verarbeitung. Die Nominierung umfasst auch das denkmalgeschützte Dorf Stekník mit seinem Rokoko- Schloss und das Dorf Trnovany mit gut erhaltenen Anlagen zur Hopfentrocknung. Die ländliche Komponente wird durch den historischen Kern der Stadt Žatec und die „Prager Vorstadt“ ergänzt.

Žatec, Foto by UPVISION (c) CzechTourism

Einzigartig ist hier die Anzahl an technischen Denkmälern, insbesondere aus dem 19. Jahrhundert, die im Zusammenspiel den gesamten Zyklus von Anbau, Verarbeitung und Handel mit Hopfen von früher bis heute dokumentieren. Besonders anschaulich wird der Prozess im Hopfenmuseum. Die Schornsteine der ehemaligen Hopfen- Trocknungshäuser und die historischen Hopfenlager, die teilweise auch heute noch für diesen Zweck genutzt werden, prägen das Stadtbild. Diese außergewöhnliche Silhouette sorgte bereits in mehreren Filmen für ein besonderes Ambiente, zuletzt im Oscar prämierten US-Drama Jojo Rabbit. 

Kandidaten in den Startlöchern 

Weiterer Anwärter für eine der bedeutenden UNESCO-Auszeichnungen in den nächsten Jahren ist der 100 Meter hohe Fernsehturm auf dem Berg Ještěd (Jeschken) in Nordböhmen, der ein futuristisches Hotel beherbergt. Auch das westböhmische Bäderdreieck Karlsbad, Marienbad und Franzensbad stehen auf der nationalen Indikativliste. Allesamt verfügen sie über mehrere Heilwasserquellen, eine einmalige Architektur aus Klassizismus und Jugendstil sowie bezaubernde Park- und Gartenanlagen. Insgesamt sind derzeit 17 tschechische Denkmäler um eine UNESCO-Auszeichnung bemüht. 

Karlovy Vary (Karlsbad), Foto by Ladislav Renner (c) CzechTourism

Weihnachtstradition aus Poniklá als letzter Neuzugang 

Im Dezember 2020 ist der Glasperlenschmuck aus Poniklá als immaterielles Kulturerbe neu dazugekommen. In der Gemeinde am Fuße des Riesengebirges wird diese Tradition bis heute praktiziert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in Poniklá und Umgebung mehr als 400 Familien von der Glasperlen- und Bijouterie-Herstellung. Mehrere tausend Glasperlen wurden täglich in unterschiedlichsten Formen und Farben per Hand hergestellt, um zu Halsketten, Broschen, Hutnadeln oder Ohrringen verarbeitet zu werden. Mitte des 20. Jahrhunderts richtete sich die Herstellung auch auf Festtagsschmuck aus. Zu den beliebtesten gehören Weihnachtssterne und Schneeflocken. 

Reiche Republik – Tschechiens Kultur- und Naturschätze 

Aktuell befinden sich vierzehn der insgesamt über 1.000 Sehenswürdigkeiten der Kulturerbeliste in der Tschechischen Republik. Neben dem historischen Kern von Prag, Český Krumlov (Böhmisch Krumau), Kutná Hora (Kuttenberg) und Telč (Teltsch) sind das zum Beispiel die funktionalistische Villa Tugendhat vom Architekten Ludwig Mies van der Rohe in Brünn, historische Gärten und das Schloss in Kroměříž (Kremsier) oder die durch Symbolik beseelte Wallfahrtskirche des hl. Johannes von Nepomuk in Žďár nad Sázavou (Saar). 

Immaterielles Kulturerbe mit sieben Traditionen

Als immaterielle Kulturerbe finden sich sieben verschiedene Traditionen wieder: Neben dem Glasperlenschmuck gehören beispielsweise die bunten Faschingsumzüge von Hlinecko dazu.

Fasching-Umzug in Hlinecko, Foto by Lukáš Žentel. (c) CzechTourism

Das Treiben, das dieses Jahr pandemiebedingt ausfällt, beginnt normalerweise immer zum Dreikönigstag. Traditionelle Masken und farbenfrohe Kostüme sind genauso Teil des Geschehens wie kulinarische Köstlichkeiten, angefangen bei süßen Kuchen und Kolatschen über Bratwürste und Grützwürste bis hin zu Griebenschmalz – fast genau wie vor 200 Jahren. Unter den sechs tschechischen Biosphärenreservaten, die vor allem für ein vorbildliches Zusammenwirken von Natur und Mensch stehen, finden sich die weißen Karpaten mit ihren 30 verschiedenen Orchideenarten oder die einmalige arktisch-alpine Tundra des Riesengebirges. Auch unter den Geoparks, die sich vor allem durch besondere Bildungsangebote für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur auszeichnen, ist die tschechische Republik gelistet: das Böhmische Paradies mit seinen spektakulären Felsenstädten und erloschenen Vulkanen. 

Mehr Infos: www.visitczechrepublic.com/de-DE/

Pressemeldung: Tschechische Zentrale für Tourismus — CzechTourism Deutschland, Wilhelmstr. 44, 10117 Berlin 0049-30 204 47 70 berlin@czechtourism.com