Erdbeeren sind steinalt. Erheblich jünger, aber auch Jahrtausende alt, ist der Spargel. Dank der Globalisierung gibt es beides das ganze Jahr über, aber wirklich schmackhaft ist beides erst so recht, wenn es aus heimischen Gefilden kommt – wie jetzt, als Frühlingsboten, die auch schon den Sommer verkünden.

Und welche Geschichte verbindet sich damit – „Geschichte“ im Sinne von „Historie“? 

Erdbeeren, so haben Botaniker und Archäologen ermittelt, gab es schon in der Steinzeit. Und die ging schließlich 2200 v. Chr. zu Ende. Diese Ur-Erdbeere erhielt die botanische Bezeichnung fragaria vesca, und sie war eine Walderdbeere, klein also, die offensichtlich die Dunkelheit – auch unter dichtem Gesträuch – bevorzugte. Die Wissenschaft jedenfalls ist davon überzeugt, dass diese Beeren auch zur Nahrung der Steinzeitmenschen gehörte. Diese waren ja  gar nicht so rückständig, wie ihre  teils komplizierten Werkzeuge – eben aus Stein – und auch Kunstwerke beweisen. Erdbeeren sind , wissenschaftlich eingeordnet, keine Beeren, denn sie gehören zu den rosoideae, also den Rosengewächsen. Heimisch waren sie vor allem in Asien, aber auch in Nordafrika, und erst im 17. Jahrhundert kamen sie durch Siedler nach Europa. Durch viele Kreuzungen entstand schließlich unsere heutige Erdbeere, von der etwa 20 verschiedene Arten existieren.

Heilkräfte der Erdbeeren

Im Mittelalter wurden der Erdbeere auch Heilkräfte zugeschrieben. Dabei besteht sie vorwiegend aus Wasser, aber ihr Vitamin-C-Gehalt ist durchaus vergleichbar mit dem der Zitrusfrüchte. 100 Gramm haben nur 32 Kalorien. Während die Erdbeere eine „gemeine“ Frucht war, also jedermann zugänglich, galt der Spargel lange Zeit als Delikatesse nur der Hochwohlgeborenen. Zuvor galt er den Griechen sowohl als Heilmittel als auch Aphrodisiakum, Sex anregend. Seine Ursprungsheimat ist unbekannt. Vermutet wird Vorderasien. Und dort besonders Regionen mit sandigen Böden. Die ja für den Anbau auch bei uns bevorzugt werden.

Spargel als „göttliche Speise“

Die Römer entdeckten den kulinarischen Wert des Spargel und kultivierten seinen Anbau zumindest in Gärten. Das berichtet etwa der römische Konsul Markus Portius Cato (234 – 149 v. Chr.) in einem Buch. Er widmete dem Spargel ein ganzen Kapitel. Gaius Plinius der Ältere (23 – 79 n. Chr.) rühmt sogar die Anbaukunst seiner Landsleute. So sei Spargel in ungewöhnlicher Größe geerntet worden – drei Stangen zu einem Pfund. Kaiser Augustus (63 v. Ch.  14 n. Chr.) lobt Spargel als „göttliche Speise“.

In Europa wird Spargel erstmals urkundlich 900 n. Chr. erwähnt. Er wurde damals im Benediktinerkloster St. Gallen als Heilmittel angebaut. Den ersten „öffentlichen“ Anbau gab es 1565 im Stuttgarter Lustgarten. Bis etwa 1760 kannte man nur den grünen Spargel, der aus der Erde heraus wächst. Dann kam der „bleiche“ hinzu, der innerhalb der Erde reift. Aber im 16. wie auch 17. Jahrhundert war Spargel für die allgemeine Bevölkerung viel zu teuer – erst allmählich wurde er für die Allgemeinheit zugänglich.

Dem Spargel werden unendlich viele Heilkräfte nachgesagt. Darüber können Mediziner trefflich streiten. Etwa ein halbes Dutzend Spargelmuseen, darunter im niedersächsischen Nienburg oder in Beelitz bei Berlin, sind dem Spargel ebenso gewidmet wie Tausende von Veröffentlichungen.

Havelland

Den Wünschen der Verbraucher folgend nach immer früheren Spargel werden Plastikfolien über die Felder gezogen – zum Bedauern der Naturfreunde

Unwidersprochen ist dies: Spargel und Erdbeere gelten als „Dünnmacher“,  weil beide besonders kalorienarm sind.

Fotos des Spargelevents 2018 bei Buschmann & Winkelmann: D.Horn

und hier ein weiterer Beitrag von Wolfgang Will

 

Hier ein Tipp für einen Osterspaziergang im Havelland