Der Klimawandel macht auch vor historischen Parks nicht halt. Im Schlosspark Baruth suchen Wissenschaftler jetzt nach Antworten, wie Brandenburgs grüne Denkmäler gerettet werden können.

Schlosspark Baruth: Modellprojekt gegen die Folgen des Klimawandels

Der von Preußens Gartendirektor Peter Joseph Lenne`gestaltetet Schlosspark Baruth (Teltow-Fläming), südlich von Berlin, gehört zu den bedeutenden historischen Gartenanlagen Brandenburgs. Die weitläufige Anlage mit ihren alten Eichen, Buchen und Linden ist ein lebendiges Gartendenkmal – zugleich aber auch ein Ort, an dem die Folgen des Klimawandels besonders deutlich sichtbar werden. Dürrejahre, sinkende Grundwasserstände, Hitzewellen und Starkregen setzen den oft mehr als hundert Jahre alten Bäumen erheblich zu. Geschwächte Gehölze werden anfälliger für Pilzkrankheiten und Schädlinge, Kronen lichten sich, einzelne Bäume müssen aus Sicherheitsgründen gefällt werden. Genau hier setzt ein neues Forschungsprojekt des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums (BLDAM) an. Der Schlosspark Baruth dient als eine der Modellanlagen einer landesweiten Studie, in der ein fünfköpfiges Wissenschaftsteam die Auswirkungen des Klimawandels auf historische Parks systematisch untersucht. Dabei werden sämtliche sichtbaren Schäden an Bäumen und Vegetation erfasst und mit Klimadaten sowie den naturräumlichen Standortbedingungen verknüpft. So lassen sich Ursachen besser verstehen, Risiken frühzeitig erkennen und gezielte Maßnahmen für den langfristigen Erhalt der Anlagen entwickeln. Das Projekt läuft bis Ende 2027 und wird vom Land Brandenburg sowie aus EFRE-Mitteln der Europäischen Union gefördert.

Parallel dazu werden im Schlosspark Restaurierungs- und Pflegemaßnahmen vorbereitet. Dazu gehören die Sicherung historischer Sichtachsen, die sorgfältige Nachpflanzung klimaresilienter Baumarten beziehungsweise geeigneter Herkünfte sowie ein verbessertes Wassermanagement. Regenwasser soll möglichst lange in der Anlage gehalten werden, um die Vegetation auch in trockenen Sommern zu versorgen. Dabei gilt stets der Grundsatz der Gartendenkmalpflege: So viel wie nötig verändern, aber so viel historische Substanz wie möglich bewahren.

Der Schlosspark Baruth steht damit beispielhaft für mehr als 400 denkmalgeschützte Gärten und Parks in Brandenburg. Sie sind nicht nur grüne Oasen und bedeutende Kulturdenkmale, sondern auch empfindliche Ökosysteme. Die Erkenntnisse aus Baruth sollen künftig Kommunen und Eigentümern helfen, ihre historischen Parkanlagen besser auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten und dieses einzigartige gartenkulturelle Erbe für kommende Generationen zu sichern.

Schlosspark Altdöbern: Junge Menschen retten ein Gartendenkmal im Klimawandel

Der Schlosspark Altdöbern in der Niederlausitz gehört zu den eindrucksvollsten historischen Landschaftsparks Brandenburgs. Auf rund 60 Hektar vereinen sich barocke Gartenkunst und ein Landschaftspark des berühmten Gartenarchitekten Eduard Petzold. Doch Trockenheit, Hitzewellen und Starkregen hinterlassen auch hier immer deutlichere Spuren. Der Klimawandel verändert den historischen Baumbestand und stellt die Gartendenkmalpflege vor neue Herausforderungen.

Der Schlosspark Altdöbern in der Niederlausitz gehört zu den eindrucksvollsten historischen Landschaftsparks Brandenburgs. Auf rund 60 Hektar vereinen sich barocke Gartenkunst und ein Landschaftspark des berühmten Gartenarchitekten Eduard Petzold. Doch Trockenheit, Hitzewellen und Starkregen hinterlassen auch hier immer deutlichere Spuren. Der Klimawandel verändert den historischen Baumbestand und stellt die Gartendenkmalpflege vor neue Herausforderungen.

Der Schlosspark Altdöbern in der Niederlausitz gehört zu den eindrucksvollsten historischen Landschaftsparks Brandenburgs.

Ein entscheidender Baustein für den Erhalt der Anlage ist die Internationale Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege. Seit 2009 engagieren sich jedes Jahr junge Freiwillige aus Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern im Schlosspark. Gemeinsam mit Fachleuten pflegen sie den denkmalgeschützten Park, stellen historische Sichtachsen wieder her, pflanzen Bäume nach, sanieren Wege und rekonstruieren Brücken und Parkarchitekturen. Die Jugendbauhütte gilt bundesweit als einzigartig, weil sie sich ausschließlich der Gartendenkmalpflege widmet.

Dabei hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahren verändert. Ging es anfangs vor allem um die Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes, rückt heute die Klimaanpassung immer stärker in den Mittelpunkt. Längere Dürreperioden und extreme Wetterereignisse machen es notwendig, den Park widerstandsfähiger zu gestalten. So werden beispielsweise klimaresiliente Baumarten nachgepflanzt, geschädigte Bestände schrittweise ersetzt und Pflegemaßnahmen an die neuen klimatischen Bedingungen angepasst. Für diese Aufgaben wurde das denkmalpflegerische Entwicklungskonzept inzwischen gezielt weiterentwickelt und um Strategien zur Klimaanpassung ergänzt.

Die jungen Freiwilligen leisten dabei weit mehr als praktische Gartenarbeit. Sie lernen traditionelle Handwerkstechniken, erwerben Fachwissen in der Gartendenkmalpflege und tragen dazu bei, ein bedeutendes Kulturerbe für kommende Generationen zu bewahren. Gleichzeitig wird der Schlosspark Altdöbern zu einem Modell dafür, wie historische Gärten auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet werden können. Die Verbindung aus Denkmalpflege, Naturschutz und internationalem Engagement macht den Park heute zu einem der spannendsten Beispiele moderner Gartendenkmalpflege in Brandenburg.

Das Projekt im Schlosspark Altdöbern ist ein gelungenes Zusammenspiel von Bergbausanierung und „grüner“ Jugendbauhütte. Das Freiwillige Soziale Jahr im Rahmen der Jugendbauhütte dient der Denkmalpflege, sensibilisiert die Jugendlichen für diese Themenfelder und fördert gleichzeitig die Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenz. Seit Beginn der Jugendbauhütte hatten insgesamt 153 Jugendliche aus 15 Ländern die Chance, Klarheit über ihre eigenen Fähigkeiten und beruflichen Neigungen zu gewinnen. Die gemeinsame Zeit bietet aber auch die Möglichkeit, etwas über andere Länder und Kulturen zu erfahren. Im aktuellen Jahrgang kommen die acht Freiwilligen aus fünf Ländern (Algerien, Argentinien, Georgien, Weißrussland und Deutschland). Die Gemeinsame Landesplanungsabteilung im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung fördert das Projekt anteilig aus § 4 des Bund-Länder-Verwaltungsabkommens Braunkohlensanierung. Das Land Brandenburg hat dafür im Zeitraum von 2009 bis 2022 insgesamt 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Im aktuellen Förderzeitraum von 2022 bis 2027 sind insgesamt Mittel in Höhe von rund 470.000 Euro für fünf Durchgänge mit jeweils acht Freiwilligen aus dem In- und Ausland bewilligt.

Schlosspark Mückenberg: Historisches Erbe im Wandel des Klimas

Der Schlosspark Mückenberg im heutigen Lauchhammer-West erzählt von der glanzvollen Vergangenheit einer barocken Schlossanlage und zugleich von den Herausforderungen der Zukunft. Die rund 14 Hektar große Parkanlage entstand im 18. Jahrhundert unter der Oberhofmarschallin Benedicta Margareta Freifrau von Löwendal.

Vom einstigen Schloss blieb nach dem Brand von 1945 nichts erhalten. Hecken markieren heute seinen Grundriss. Erhalten geblieben sind jedoch der historische Park, die Orangerie, das Kavaliershaus, das Forsthaus und die eindrucksvolle Schlosskirche – ein Ensemble von herausragender denkmalpflegerischer Bedeutung.

Wie viele historische Parks leidet auch Mückenberg unter den Folgen des Klimawandels. Wiederkehrende Trockenperioden, Hitzesommer und zunehmende Starkregenereignisse setzen dem alten Baumbestand zu. Bereits der Orkan „Kyrill“ richtete 2007 erhebliche Schäden an und machte deutlich, wie verletzlich historische Gartenanlagen sind. Seither wird der Park Schritt für Schritt restauriert und an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst. Dabei geht es nicht nur um die Pflanzung neuer Bäume, sondern auch um den Erhalt historischer Sichtachsen und die Entwicklung eines langfristig widerstandsfähigen Gartendenkmals.

Verein sanierte Schlosskirche

Ein besonderes Schmuckstück des Ensembles ist die barocke Schlosskirche von 1746. Ihr heller Rokoko-Innenraum zählt zu den schönsten historischen Kirchenräumen der Niederlausitz. Noch vor wenigen Jahrzehnten war ihr Bestand gefährdet. Dank des Engagements des Fördervereins, der Kirchengemeinde, der Stadt Lauchhammer und zahlreicher Spender konnte die Kirche umfassend saniert werden. Mit der Restaurierung des Bauwerks und dem Einbau einer neuen Orgel erhielt das Gotteshaus wieder seine kulturelle Bedeutung zurück und dient heute als Veranstaltungsort für Konzerte und Gottesdienste.

Ein besonderes Schmuckstück des Ensembles ist die barocke Schlosskirche von 1746. Ihr heller Rokoko-Innenraum zählt zu den schönsten historischen Kirchenräumen der Niederlausitz. Noch vor wenigen Jahrzehnten war ihr Bestand gefährdet. Dank des Engagements des Fördervereins, der Kirchengemeinde, der Stadt Lauchhammer und zahlreicher Spender konnte die Kirche umfassend saniert werden.

Ein besonderes Schmuckstück des Schlossensembles Mückenberg ist die barocke Schlosskirche von 1746. Ihr heller Rokoko-Innenraum zählt zu den schönsten historischen Kirchenräumen der Niederlausitz.

Auch das übrige Schlossensemble blickt in die Zukunft. Die Stadt Lauchhammer, Denkmalbehörden und der Verein Schlossensemble Mückenberg arbeiten an der Wiederbelebung von Orangerie und Kavaliershaus. Gemeinsam mit dem historischen Park entsteht so Schritt für Schritt ein Kulturensemble, das Geschichte bewahrt und zugleich Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels gibt – ein beispielhaftes Projekt für die Denkmalpflege in Brandenburg.

Brandenburgs Kulturministerin Dr. Manja Schüle: „Historische Gärten und Parks sind lebendige Zeugnisse unserer Kulturgeschichte. Sie prägen Landschaften und Orte, erzählen von vergangenen Zeiten und bieten zugleich wichtige Räume für Begegnung, Erholung und Naturerleben. Gleichzeitig stehen viele Gartendenkmale angesichts des Klimawandels vor großen Herausforderungen: Trockenheit, Extremwetterereignisse und veränderte Vegetationsbedingungen erfordern neue Strategien für ihren Erhalt. Mit unserer EFRE-Förderung und mit Projekten wie der Anpassung von Gartendenkmalen an den Klimawandel und der Förderung der Gartendenkmalpflege unterstützen wir Trägerinnen und Träger historischer Parks und Gärten gezielt dabei, ihre Anlagen widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen. Und dieses wertvolle Kulturerbe für kommende Generationen zu bewahren.“

Mitglieder der internationalen Jugendbauhütte, die Minister Schüler und crumbach pflanzen symbolisch einen Baum.

Infrastrukturminister und Schirmherr der Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege im Schlosspark Altdöbern Robert Crumbach: Das Land Brandenburg unterstützt unter anderem die Wiederherstellung der bergbaubedingt stark beeinträchtigten historischen Parkanlage des Schlossparks Altdöbern seit 2009 aus Mitteln der Braunkohlesanierung. Der städtebauliche Denkmalschutz gehört zu den wesentlichen Aufgaben der Stadtentwicklung und wird im Rahmen aller Programme der Städtebauförderung unterstützt.“

Landeskonservator Prof. Dr. Thomas Drachenberg: „Die meisten der rund 400 denkmalgeschützten Gärten und Parks Brandenburgs sind Gesamtkunstwerke, deren Wert sich aus dem sensiblen Zusammenspiel von Vegetation, Wasser, Topografie, Wege und Bauwerken ergibt. Ihr Erhalt setzt eine kontinuierliche fachgerechte Pflege voraus, denn verlorene historische Substanz und Gestaltungsstrukturen sind meist unwiederbringlich. Deshalb müssen wir den Schutz dieser einzigartigen Zeugnisse der Gartenkunst vor den Folgen des beschleunigten Klimawandels ebenso entschlossen vorantreiben und zugleich die Voraussetzungen für ihre dauerhaft fachgerechte Pflege sichern.“

 

Demnächst über eine Entdeckung am Rande:

Mit Herzblut auf schmaler Spur: Die Parkeisenbahn Lauchhammer lebt vom Ehrenamt

Wer an den Wochenenden das Pfeifen einer kleinen Lokomotive durch den Schlosspark Mückenberg in Lauchhammer hört, erlebt weit mehr als eine nostalgische Bahnfahrt. Die Parkeisenbahn ist ein lebendiges Denkmal – und vor allem ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was bürgerschaftliches Engagement bewirken kann.

Die Bahn entstand 1955 als Pioniereisenbahn im Schlosspark und gehörte damals zu den wenigen Anlagen dieser Art in einer kleineren Industriestadt. Bergbaubetriebe errichteten Gleise, Signale und Fahrzeuge, während Kinder und Jugendliche den Bahnbetrieb mitgestalteten. Nach der politischen Wende geriet die Anlage jedoch in eine schwere Krise. Verschleiß, fehlende finanzielle Mittel und technische Mängel führten 1999 zur Stilllegung. Viele glaubten, die kleine Bahn würde nie wieder fahren.

Doch engagierte Bürger wollten dieses Stück Heimatgeschichte nicht aufgeben. Mitglieder des Traditionsvereins Braunkohle Lauchhammer gründeten die „Freunde der Parkeisenbahn“, warben Sponsoren ein, restaurierten Fahrzeuge, erneuerten Gleise und bereiteten den gesamten Bahnbetrieb ehrenamtlich vor. Bereits 2003 konnte die Parkeisenbahn wieder eröffnet werden. Seitdem investieren die Vereinsmitglieder unzählige Arbeitsstunden in Wartung, Ausbildung und Betrieb. Die Eisenbahn unterliegt dabei denselben strengen eisenbahnrechtlichen Vorschriften wie andere Bahnen und wird regelmäßig von der Landeseisenbahnaufsicht überprüft.

Heute ist die rund 950 Meter lange Strecke eine der beliebtesten Attraktionen des Schlossparks. Mit den liebevoll gepflegten Diesellokomotiven „Amanda“, „Luzi“ und „Rosi“ begeistert sie Familien ebenso wie Eisenbahnfreunde. Zum Bergmannstag, am Tag des offenen Denkmals oder bei Sonderfahrten füllen sich die Züge regelmäßig bis auf den letzten Platz. In der Saison 2026 stehen wieder zahlreiche Fahrtage und Sonderveranstaltungen auf dem Programm.

Die Parkeisenbahn zeigt eindrucksvoll, dass Denkmalschutz nicht allein Aufgabe von Behörden ist. Ohne die Leidenschaft der Ehrenamtlichen gäbe es diese Bahn längst nicht mehr. Ihr Engagement bewahrt nicht nur historische Lokomotiven und Gleise, sondern auch ein wichtiges Stück Identität der ehemaligen Bergbaustadt Lauchhammer. Mit jeder Fahrt wird Geschichte erfahrbar – getragen von Menschen, die ihre Freizeit dafür einsetzen, ein einzigartiges technisches Denkmal für kommende Generationen zu erhalten.

Die heutige Parkeisenbahn im Schlosspark Mückenberg wurde 1954 errichtet und am 3. Juli 1955 zum Bergmannstag als Pioniereisenbahn eröffnet. Ihre Wurzeln reichen jedoch bis 1952 zurück, als im damaligen Puschkinpark von Lauchhammer die erste Pioniereisenbahn der Stadt ihren Betrieb aufnahm. Nach deren Stilllegung 1959 gingen Fahrzeuge und Ausrüstung an die Bahn im Schlosspark über, die bis heute erhalten geblieben ist.“