Im Jahr 1996 nahm das Welterbekomitee der UNESCO die Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg in die Welterbeliste auf. Es handelt sich nicht um ein einzelnes Gebäude, sondern um ein sogenanntes serielles Welterbe aus sechs authentischen Orten. Gemeinsam erzählen sie die Geschichte eines Mannes, dessen Wirken die religiöse, politische und gesellschaftliche Entwicklung Europas nachhaltig veränderte. Das Jubiläumsmotto 2026 bringt es treffend auf den Punkt: „30 Jahre. 6 Stätten. EIN Welterbe.“ Beide Städte feiern das Jubiläum mit Ausstellungen, Führungen, Veranstaltungen und besonderen Angeboten.

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren und starb hier am 18. Februar 1546. Seine Geburt und sein Tod liegen also in derselben Stadt, dazwischen liegen 62 Jahre eines bewegten Lebens. Die beiden Lutherhäuser gehören seit 1996 zum UNESCO-Welterbe. 2026 gibt es einen besonderen Grund für eine Reise: Das Welterbe-Jubiläum erinnert an 30 Jahre UNESCO-Auszeichnung.

Eisleben Luthers Sterbehaus

Blick in Luthers Taufkirche

Wer durch Lutherstadt Eisleben spaziert, begibt sich auf eine ungewöhnliche Zeitreise. Hier liegen die großen Themen der Stadtgeschichte dicht beieinander: Martin Luther, Reformation, Kupferschieferbergbau und die Geschichte der Mansfelder Grafen. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt hinter den bekannten Lutherstätten eine zweite, nicht weniger spannende Welt – die Welt der Bergleute. Und meist haben die einheimischen noch so manchen tipp parat. so gab uns Frau Deckert, die chefin von Deckerts Hotel den Tipp, doch mal „hoch zur St. Annenkirche zu gehen“. Dort trafen wir auf  Gert Möbius, den „guten Geist“ der St. Annenkirche, der sehr spannend über die Geschichte der Bergmannskirche und des einstigen Augustinerklosters berichtete.

St. Annen – die Kirche der BergleuteEisleben Luthers

Nun geht es hinauf in die Neustadt zur St.-Annen-Kirche, einer der eindrucksvollsten Kirchen Eislebens. Sie ist die historische Bergmannskirche der Eisleber Neustadt. Der Grundstein wurde 1514 gelegt, wenige Jahre später entstand unmittelbar daneben das Augustiner-Eremiten-Kloster.

Hier begegnen sich erneut Luther und Bergbaugeschichte. Luther war als Distriktsvikar mehrfach im Augustinerkloster St. Annen. Das Kloster spielte zudem eine Rolle beim Übergang von der spätmittelalterlichen Frömmigkeit zur Reformation. Bereits in den frühen 1520er Jahren setzte sich die reformatorische Bewegung durch; das Kloster wurde 1523 aufgelöst.

Besonders sehenswert ist die „Eisleber Steinbilderbibel“. 1585 schuf Hans Thon Uttendrup 29 Sandsteinreliefs mit biblischen Szenen. Hinzu kommen die Renaissance-Kassettendecke, die kunstvolle Kanzel und historische Glasmalereien. Neben der Kirche können Besucher die erhaltenen Mönchszellen des ehemaligen Klosters besichtigen.

Eisleben Luthers

Teile der Steinbilderbibel in der St. Annenkirche.

Wer hier oben steht, versteht, weshalb Eisleben ohne den Bergbau nicht zu erzählen ist.

Start am Geburtshaus

Eisleben Luthers SterbehausDer Spaziergang beginnt am besten dort, wo Luthers Lebensweg begann: am Geburtshaus in der Lutherstraße. Das Museum erzählt unter dem Titel „Von daher bin ich – Martin Luther und Eisleben“ nicht nur von Luther, sondern auch von seiner Familie und der Lebenswelt des Mansfelder Landes. Mehr als 250 Exponate zeigen, wie eng die Geschichte des späteren Reformators mit dem Bergbau verbunden war. Sein Vater Hans Luder arbeitete zunächst als Bergmann und stieg später zum Hüttenunternehmer auf.

In der Ausstellung „Von daher bin ich – Martin Luther und Eisleben“ erzählen Ihnen über 250 spannende Exponate und die liebevoll und authentisch nachempfundene Wohnung der Luders von der Familiengeschichte Martin Luthers und vom Bergbau des Mansfelder Landes. Hier erfahren Sie, wie eng die Bande waren, die zwischen Luther, seinen Eltern und der Region bestanden, in der er aufwuchs. Denn seiner Herkunft war sich Martin Luther stets bewusst.

Eisleben. Martin Luther Mansfeld Luther Museum
Schon im 17. Jahrhundert führte das Haus, in dem Martin Luther 1483 geboren wurde, Besucherinnen und Besucher sowie Lutherpilgerinnen und -pilger nach Eisleben. Bei einem Stadtbrand wurde das spätmittelalterliche Fachwerkhaus 1689 jedoch weitgehend zerstört. Durch die anschließenden Erneuerungsarbeiten erhielt das Haus, wiederaufgebaut als Luthergedenkstätte, seine heutige Optik. Das historische Gebäude wird seit 2007 durch einen modernen Neubau ergänzt.
Lutherstadt eisleben Sachsen anhalt

Das Brustbild Martin Luthers mit Wappen von 1693 ziert noch heute die Straßenfassade des Geburtshauses.

Schon hier wird klar: Luther ist in Eisleben nicht losgelöst von seiner Heimat zu verstehen.

Von der Lutherstraße führt der Weg weiter zur St.-Petri-Pauli-Kirche, Luthers Taufkirche. Am 11. November 1483, einen Tag nach seiner Geburt, wurde Martin Luther hier getauft. Heute setzt eine moderne Gestaltung der Kirche das Thema Taufe bewusst in Szene.

Eisleben Luthers Sterbehaus

Blick in Luthers Taufkirche

Eisleben. Martin Luther Mansfeld Luther Museum

Für die Neugestaltung von Luthers Taufkirche erhielt das Berliner Architekturbüro AFF den Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt. Dabei wurde im Fußboden des Mittelschiffs vor dem Altar ein kreisrunder Taufbrunnen geschaffen, der mit bewegtem Wasser gefüllt und mit dem Schriftzug des Taufbefehls Jesu (Mt 28,19 LUT) umgeben ist. Von ihm aus ziehen sich konzentrische Kreise wie ein Wellenmuster durch den gesamten Kirchenraum.

Rathaus, Lutherdenkmal und „Kamerad Martin“

Vom Taufzentrum geht es in Richtung Marktplatz. Das Lutherdenkmal erinnert seit 1883 an den berühmten Sohn der Stadt. Der Reformator steht hier mitten im historischen Zentrum – und doch sollte man den Blick nicht ausschließlich auf Luther richten.

Kamerad MartinDenn Eisleben ist auch eine Stadt des Bergbaus. Ein besonders schönes Symbol dafür ist der „Kamerad Martin“, der sogenannte Bergmannsroland. Die kniende Bergmannsfigur entstand um 1590 und stand ursprünglich vor dem Neustädter Rathaus. Sie symbolisierte die rechtliche Eigenständigkeit der Eisleber Neustadt und zugleich die Bedeutung des Bergbaus. Das Original befindet sich heute im Regionalgeschichtlichen Museum; am historischen Standort steht eine Nachbildung.

Wer vor der Figur steht, kann sich vorstellen, wie sehr der Kupferschiefer einst den Alltag, Wohlstand und das Selbstverständnis der Menschen in Eisleben bestimmte.

Und geht man heute durch die Lutherstadt eisleben, so spürt man die Folgen des wirtschaftlichen Niederganges nach 1990, wo zigtausende Arbeitsplätze in den Betrieben des Mansfeldkombinates wegfielen und zigtausende Menschen wegzogen. Viele Häuser stehen leer. Der Leerstand ist besonders in der eisleber Neustadt zu spüren.

St. Andreas und Luthers letzte Predigten

Zurück in Richtung Markt führt der Weg zur St.-Andreaskirche. Ihre drei Türme prägen das Stadtbild. Hier hielt Luther während seines letzten Aufenthalts in Eisleben 1546 seine letzten vier Predigten. Nach seinem Tod wurde sein Leichnam in der Kirche aufgebahrt. Die Kirche ist deshalb einer der emotionalsten Orte des Rundgangs. Luther kam nach Eisleben, um einen Streit innerhalb des Hauses Mansfeld zu schlichten. Er sollte die Stadt nicht mehr lebend verlassen.

Eisleben. Martin Luther Mansfeld

Mit ihren drei markanten Türmen gehört sie zu den prägenden Bauwerken der Lutherstadt. Vor allem aber ist sie ein Ort von großer historischer Bedeutung: Hier hielt Martin Luther während seines letzten Aufenthalts in Eisleben im Februar 1546 seine letzten vier Predigten.

Luther war in seine Geburtsstadt zurückgekehrt, um einen Streit im Hause der Grafen von Mansfeld zu schlichten. Die Verhandlungen waren erfolgreich, doch seine Kräfte ließen nach. Am 18. Februar 1546 starb der Reformator in Eisleben. Sein Leichnam wurde anschließend in der Andreaskirche aufgebahrt, bevor er nach Wittenberg überführt wurde. Auch unabhängig von Luther lohnt ein Blick in das Gotteshaus. Die spätgotische Hallenkirche entstand im 15. Jahrhundert und beeindruckt durch ihre Weite und die kunstvolle Ausstattung. Besonders sehenswert sind derspätgotische Flügelaltar sowie die Renaissance-Grabtumba des Grafen Hoyer VI. von Mansfeld. Wer hier steht, spürt etwas von der besonderen Atmosphäre dieses Ortes: In dieser Kirche endete der Lebensweg eines Mannes, dessen Ideen Europa veränderten. Die Andreaskirche verbindet damit auf eindrucksvolle Weise Kirchengeschichte, Reformation und die Geschichte des Mansfelder Landes.

Luthers Sterbehaus

Wenige Schritte entfernt liegt Luthers Sterbehaus. Eine historische Besonderheit macht den Besuch besonders interessant: Das heutige Gebäude gilt nicht mehr als der tatsächliche Sterbeort. Luther starb nach heutigem Forschungsstand im damaligen Haus Markt 56. Das heutige Museum bewahrt dennoch die jahrhundertelange Erinnerung an seinen Tod. Die Ausstellung „Luthers letzter Weg“ beschäftigt sich mit den letzten Tagen des Reformators und zugleich mit historischen und heutigen Vorstellungen von Tod und Trauer.

Blick in Luthers Sterbehaus in Eisleben

Blick in Luthers Sterbehaus in Eisleben

Eisleben Luther Sachsen-anhalt

historisches Bett in Luthers Sterbehaus

Damit schließt sich unser kurzer Rundgang: Geburt und Taufe, Reformation, Bergbau, letzte Predigten und Tod – kaum eine andere deutsche Stadt erzählt einen Lebensweg so konzentriert an authentischen Orten.

Hier nehme ich Euch mit auf eine kurzweilige Rundreise durch das Mansfelder Land. Es war nicht nur Luthers Heimat, auch der Schriftsteller Novalis stammt daher.  

Warum Eisleben 2026?

Eisleben lohnt sich gerade 2026 besonders. 30 Jahre UNESCO-Welterbe sind ein guter Anlass, die Lutherstätten neu zu entdecken. Gleichzeitig zeigt ein Spaziergang durch die Stadt, dass Eisleben nicht nur eine Lutherstadt ist. Der Kupferschieferbergbau hat Landschaft, Wirtschaft und Stadtbild über Jahrhunderte geprägt. Wer mehr Zeit hat, sollte deshalb nicht nur die beiden LutherMuseen besuchen, sondern auch St. Annen, St. Andreas, die Taufkirche, das Rathaus und den „Kamerad Martin“ miteinander verbinden.

Die St. Andreas Kirche ist die größte Kirche der Stadt und ein zentraler Ort der Reformation.

Die St. Andreas Kirche ist die größte Kirche der Stadt und ein zentraler Ort der Reformation.

Und damit beginnt eine größere Reise auf den Spuren der Reformation: Nach Eisleben führt der Weg weiter nach Wittenberg. Dort warten die nächsten großen Lutherstätten – allen voran Schlosskirche, Stadtkirche, Lutherhaus und Melanchthonhaus. So lassen sich die beiden Lutherstädte zu einer historischen Reise verbinden: Eisleben, die Stadt von Luthers Geburt und Tod – und Wittenberg, der Ort, an dem die Reformation Weltgeschichte schrieb.

Hier besuchten wir die Schlosskirche Wittenberg.

Blick auf Wittenbergs Schlosskirche, Foto: Weirauch

Blick auf Wittenbergs Schlosskirche, Foto: Weirauch

Und hier erfahrt ihr mehr zu Mansfeld, der Stadt, in der Martin Luther seine Kindheit verbrachte.

Luthermuseum in Mansfeld

Luthermuseum in Mansfeld, Foto: D. Weirauch

Die Recherche im Mansfelder Land wurde unterstützt von der IMG Sachsen-Anhalt.