Place d’Armes am Wochenende: Linden rauschen im Herbst über den gut besetzten Terrassen von Cafés und Restaurants. Keine drei Spazierminuten entfernt liegt die Place Guillaume II. Im Schatten des Reiterstandbildes von Großherzog Wilhelm sind die Stände des Flohmarktes aufgebaut. Nur Einheimische dürfen hier Trödel anbieten. Man kennt sich und scherzt miteinander. Wer Geduld hat, findet echte Schnäppchen.

Ablösung der Palastwache vor dem Palast, Foto: Weirauch
Nur ein paar Schritte weiter erhebt sich die elegante Fassade des Großherzoglichen Palais, vor der ein Soldat im Stechschritt Wache geht. Im „Bistrot de la Presse“ gegenüber gibt es ein täglich wechselnde Mittagsgericht zum bezahlbaren Preis. Der Großherzog und seine Familie schauen einem dabei auf den Teller – eine gesamte Wand des kleinen Restaurants ist nämlich mit den Fotografien ihrer Hoheiten dekoriert. Ab 2025 folgte Guiellaume dann seinem Vater Henri auf dem Thron des kleinen Landes. Den Espresso und eine süße Kleinigkeit als Dessert sollte man um die Ecke nehmen. „Léa Linster Delicatessen“ nennt sich das Schaufenster zur Stadt der bekannten Luxemburger Sterneköchin. Die frisch gebackenen Madeleines sind legendär. Ansonsten stehen die Lieblingsprodukte der Chefin zum Verkauf: Riesling vom eigenen Weinberg, Pasteten, Marmeladen, Essig und Öl sowie diverse Kochbücher.


Starkoechin Lea Linster freut sich immer ueber Gaeste.
Alles liegt in Luxemburg-Stadt ganz dicht beieinander. Die wohl kleinste Metropole der Welt mit nur rund 120.000 Einwohnern aus über 150 Ländern ist ein Bilderbuchort mit von der Unesco geadelter historischer Altstadt und einer Corniche, die als „schönster Balkon Europas“ gilt. Weltläufig ist man trotzdem, schon wegen der Vielsprachigkeit – man parliert außer im landestypischen Letzebuergsch auch fließend auf Deutsch und Französisch.
„Gibraltar des Nordens“ wurde es einst genannt – das stark befestigte Bollwerk auf felsigem Grund mit über 1.000-jähriger Geschichte. Heute stehen nur noch rund 10 Prozent der einst gigantischen Befestigungsanlagen, doch die in den Fels geschlagenen Verteidigungsgalerien der Kasematten sind noch heute eine der Top-Ziele.

Luxemburg ist eine Huldigung an die Vertikale. Steil ragt die Stadt aus den Tälern der beiden Wasserläufe Alzette und Petruss auf. Zum Glück gibt es den kostenlosen Aufzug vom Plateau de Saint-Esprit hinunter in den Stadtteil „Grund“, dem wohl gemütlichsten Viertel der Stadt.
Im Kulturzentrum der Abtei Neumünster trifft sich „tout Luxemburg“ am Sonntag zum Brunch. Der öffentliche Garten dahinter am Ufer der Alzette ist der wohl romantischste Flecken der Stadt. Im „Grund“ sind auch Nachtschwärmer gut aufgehoben. An vier Abenden in der Woche wird auf dem Piano im Café des Artistes in die Tasten gehauen und die ganze Bude singt bei Kerzenlicht mit – vom Luxemburger Volkslied bis zu Rock-Hymnen.

Ob in der Stadt oder auf dem Land, das Großherzogtum bietet erstaunliche Aussichten. Die Hauptstadt trumpft mit Ober- und Unterstadt sowie den alten Festungsanlagen. Wer die City erkundet, kommt nicht umhin auf der Corniche, dem „schönsten Balkon Europas“ zu flanieren und die Sicht auf den Grund zu genießen. Von der Place de la Constitution und der Passerelle unter der Adolphe-Brücke genießt man den Blick auf das romantische Petrusse-Tal und den Steilhängen mit den Festungsruinen.

Befestigungsanlagen mit Kasematten

Abstecher zum Viertel Kirchberg

Kirchberg Luxemburg, MUDAM, Museum Blick in das Museum für Moderne Kunst (MUDAM). Architekt des Musée d’art moderne Grand-Duc Jean ist Starchitekt Ieoh Ming Pei Foto: Weirauch
Sehenswert das Viertel Kirchberg mit den Europa-Verwaltungsgebäuden und spektakulären Kulturtempeln, wie dem „Mudam“, das inmitten von viel Raum und Licht moderne Kunst präsentiert. Zum Lunch ist man zurück auf dem einstigen Fischmarkt, der wie eine historische Puppenstube wirkt. Schon Goethe fand im kleinen Luxemburg „so viel Größe mit Anmut, soviel Ernst mit Lieblichkeit verbunden“. Wer mit dem Flusskreuzer anreist, etwa mit derMS „Edelweiss“ von Thurgautravel, der steigt in den Bus und fährt zum Anleger nach Recmich.
Weitere Infos gibt es beim Luxemburg City Tourist Office unter www.lcto.lu.
Tipp: Wandern in Luxemburg
Wer es lieber aktiv mag und fernab von Städten aber dennoch romantisch, fährt ins Müllerthal. Mit gutem Schuhwerk und sicherem Tritt erlebt man auf den „Mullerthal Trails“ die spektakulären Felsformationen, die keinen Fotografen kalt lassen. Sogar bei Regen und Nebel entsteht eine bildliche Mystik, die die Fantasie anregt.

Wandern im wildromantischen Mullerthal in Luxemburg Foto: Weirauch
Viele weitere lokale Wanderwege sind im kürzlich ernannten, Unesco Global Geopark, ganzjährig begehbar. Auch die Éislek-Region bietet sich zum Wandern mit höchsten Qualitätsansprüchen an. Die 18 Éislek-Pied-Wanderwege beruhen auf den strengen Kriterien der Europäischen Wandervereinigung und verlaufen meist auf naturbelassenem Untergrund.
Brasserie Nationale – Braukunst mit Geschichte
Auch im Großherzogtum hat die Braukultur Tradition. Bereits in der zehnten Generation steht die Brasserie Nationale für luxemburgische Bierkultur, Brauhandwerk und nationalen Stolz. Seit 250 Jahren entstehen hier mit den Marken Bofferding, Battin und Funck-Bircher traditionsreiche und qualitativ hochwertige Biere, die heute fester Bestandteil der luxemburgischen Brau- und Genussszene sind. Ein geführter Rundgang durch die familiengeführte Brauerei im Süden des Landes bietet Besuchern die Möglichkeit, mehr über den Herstellungsprozess der Traditionsbiere zu erfahren und das Geheimnis rund um Hopfen und Malz, Slow Brewing und Reinheitsgebot zu lüften. Durst sollte man mitbringen, den nach der Führung ist die Verkostung der verschiedenen Biere fast schon Pflicht. Noch anschaulicher wird es während des eintägigen Brau-Workshops, bei dem Teilnehmer ihr eigenes Rezept gemeinsam mit dem Braumeister im Brauatelier realisieren. Danach lockt nach Belieben der Besuch des hauseigenen Braulokals mit luxemburgischen Spezialitäten und falls man das Auto stehen lassen möchte, übernachtet man bequem im benachbarten Brauhotel.
Luxemburgs Weinregion – Terroir an der Mosel
Der luxemburgische Weinbau hat eine lange Geschichte, die bis in die Antike zurückreicht. Die Weinberge und Rebstöcke entlang der Mosel prägen bis heute das Landschaftsbild und bilden die Grundlage für Weine, Crémants und Spätlesen von internationalem Ruf. Mit Rebsorten wie Riesling, Pinot, Gewürztraminer, Auxerrois, Rivaner, Elbling und Chardonnay versteht sich Luxemburg als Weinregion, die Tradition, Nachhaltigkeit, Innovation und Savoir-Faire gekonnt verbindet. Eine junge Generation an Winzern hat längst die Weinproduktion übernommen und macht mit neuen, innovativen Weinbau-Methoden von sich reden. Drohnen zur Pflege der Reben oder tönerne Amphoren, in denen wie zur Zeit der Römer, der Wein eingegraben im Boden reift sind nur einige Beispiele. Für Besucher wird die Weinverkostung zwischen sanften Hügeln und weiten Rebstöcken zur kleinen Entdeckungstour: Das Weingut Molling etwa lädt mit dem Traktor zu geführten Fahrten durch seine Weinberge ein. Auf einem offenen Anhänger geht es gemächlich durch die steilen Lagen des Moseltals. Unterwegs macht der Traktor mehrfach Halt, der Winzer schenkt ein und erzählt von Böden, Rebsorten und dem Handwerk hinter dem Wein.
Farm-to-Table Restaurants – Moderne Küche mit regionalen Produkten
Luxemburgs wachsende Farm-to-Table-Szene stellt regionale und saisonale Zutaten und handwerkliche Küche klar in den Mittelpunkt. In Luxemburg-Stadt etwa setzt das Bistro17 auf eine Kombination aus französischem Bistro und Farm-To-Table-Konzept mit saisonal wechselnden Menüs und frischem Obst und Gemüse aus eigener Produktion sowie von ausgewählten regionalen Bio-Bauernhöfen. Dabei stehen die Qualität und die luxemburgische Herkunft der Lebensmittel im Vordergrund. Das Restaurant Farmacy in Munsbach zeigt, wie modern und zugleich bodenständig Farm-to-Table heute sein kann. Das Team setzt auf frische, saisonale und organische Zutaten sowie auf kurze Lieferketten und regionale Produzenten. Auf der Karte stehen abwechslungsreiche Tagesgerichte, vegetarische und vegane Optionen, Salate, Suppen und Desserts. Und auch in anderen Teilen des Landes finden sich Restaurants mit Fokus auf Regionalität und Bio-Produkten, etwa die Brasserie Aal Eechternoach in Luxemburgs ältester Stadt, die eine moderne Mischung aus klassischen Gerichten und Fusion-Küche serviert.
Mit seinen lokalen Produzenten zeigt Luxemburg wie sich Landschaft, Natur und regionale Traditionen zu einem stimmigen Reiseerlebnis verbinden. Denn wer das Land langsam und genussvoll entdeckt, erlebt hier eine gewachsene Kultur voller Geschmack, Handwerk und Charakter.
Weitere Informationen und Empfehlungen zu Reisen nach Luxemburg gibt es unter www.visitluxembourg.com.
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