Manchmal fällt noch ein Getreidekorn von der Decke im Restaurant des Speichers Barth herab und erinnert recht lebendig an die fast 100-jährige Nutzung des Gemäuers als Getreidespeicher. So nah ist man der Geschichte des zu einem Hotel umgestalteten Gebäudes am Hafen von Barth (Mecklenburg-Vorpommern), nur ein paar Kilometer von der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst entfernt.

Sorgfältiger restaurierter Speicher Barth

Die aus gewaltigen Stahlträgern und mächtigen Balken zusammenfügte Decke im heutigen Restaurant, auf denen sich einst die rund zwölf Meter hohen schachtartigen Getreidelager befanden, wurden vom österreichischen Architektenbüro Prof. Giencke & Company gekonnt in die Gestaltung einbezogen. So „verstecken“ sich in den Öffnungen der einstigen Schüttrohe, aus denen früher das Getreide zur Verladung nach unten gelangte, heute die Halogenstrahler.

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Hafen in Barth, im Hintergrund das Hotel Speicher Barth

Blickt man nach unten auf die um schwere Stahlsäulen herum gruppierte Glasplatte, so sieht man neben Teilen von freigelegten Fundamenten Getreidesorten, die einst hier lagerten. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass beim Umbau bewusst die Historie einbezogen wurde.

Frühstück im Wintergarten

Ein Aufenthalt im Speicher Barth kann sehr lebendig sein, ein bisschen Fantasie genügt schon. Schaut man beim opulenten Frühstück dann aus dem Wintergarten, so meint man die Dampflok der einstigen Hafenbahn vorbeifahren zu hören. Der 1897 errichtete Speicher war einst Teil der Barther Aktien-Dampfmühle und Getreidevermahlung. Von hier aus gingen die Getreideernten des Küstenlands per Schiff weiter nach Stralsund oder nach Dänemark. Die Speisekarte ziert eine Kopie des Originalbauplans von 1895. Schon diese Zeichnung ist eine Rarität, erzählt Eigentümer Hans Hermann Johnson.

Es sind die Kleinigkeiten, die den 1995 von der Familie Johnson für damals 18,5 Millionen DM zu einem Hotel ausgebauten Seicher so besonders machen. Heute ist das Haus Teil der „Speicherroute“, zu der mehrere Speicherhotels in Schwerin und Wismar gehören. Zu den Besuchern gehören aber auch Touristen, die auf der Backsteinroute von Lübeck über Wismar, Rostock, Greifswald und Stralsund unterwegs sind.

Stilvolle Suiten und Zimmer

Eindrucksvoll ist die Fassade aus hartgebrannten Backsteinen am Speicher Barth. Die Architekten respektierten die vorhandene Substanz und nutzten die vorhandenen Öffnungen, komplett aus Glas kam dann noch ein Stockwerk hinzu.

Im Inneren sind die 44 Zimmer und Suiten stilvoll eingerichtet. Große Fensterflächen, vor allem in den Maisonette-Suiten, geben einen weiten Blick über die Boddenlandschaft sowie über Barth frei.

Das Hotel verzichtet bewusst auf ein repräsentatives Foyer. Man ist gleich drin im Speicher und sieht als erstes eine schwarze Stahltür mit altem Kastenschloss. Darauf steht: „Lieber Gast, hinter dieser Tür finden Sie das Wichtigste in diesem Haus“. Öffnet man die Tür, und das macht wohl jeder Gast, so steht dahinter auf einem Spiegel: „ … und das sind Sie!“ Solch eine Begrüßung macht Spaß. Während unseres kurzen Aufenthaltes wurden wir dann auch nicht enttäuscht. Der Service ist stets freundlich und kompetent.

Charakter als Speicher noch spürbar

Der ursprüngliche Speicher-Charakter ist auch in den Zimmern spürbar. Unverputzte Wände, Verankerungen im Mauerwerk oder große Schrauben, an denen sich einst die Lager für Transmissionsriemen befanden, sind beispielsweise einbezogen. Naturbelassene Holzwände, die für Speicher typischen Fensterluken und immer wieder massive Säulen aus Gusseisen erinnern an die vergangene Zeit als Speicher. Mit Größen von 40 bis 60 Quadratmetern bieten die Maisonette-Suiten ein ganz besonderes Wohnerlebnis auf zwei Etagen. Die Zimmer umfassen einen großzügigen, voneinander getrennten Wohn- und Schlafbereich.

Für Sonnenstunden hat jede Maisonette ihre eigene Terrasse. Die großen, offenen Badezimmer sind mit Badewanne, Dusche und WC sowie separatem Gäste-WC ausgestattet. Einige Suiten haben sogar eine eigene Sauna. Je nach Saison haben die noblen Unterkünfte ihren Preis.

Pommersche Speisen im Restaurant

Nach einem Durchhänger in den letzten Jahren sorgt die regionale Küche unter der Leitung von Küchenchef Christian Oehlckers wieder für Zufriedenheit. Ohne Anmeldung bekommt man keinen Platz im Restaurant. Gäste aus dem 60 Kilometer entfernten Rostock kommen ebenso wie Gourmets aus dem eine halbe Stunde Autofahrt entfernten Stralsund.Speicher Barth Ostsee Greifen

Der „Feinschmecker“ bewertete die Leistung der Küchencrew und des zuvorkommenden Services mit Bestnoten. Gelobt wird vor allem die Hinwendung zu alten pommerschen Rezepten. So erfreuen im Winter ein deftiges Steckrübensüppchen mit krossem Bauchfleisch und als Fischgericht der raffiniert zubereitete Boddenzander auf Steckrübenragout. Je nach Saison bietet die wechselnde Speisekarte auch Wildschweinrücken oder Lammkoteletts aus dem Nachbarort Daskow.

Sauna im Kellergewölbe

Der behutsame, unter den strengen Augen der Denkmalpfleger erfolgte Umbau des alten Speichers zum Hotel ist auch im Erdgeschoss erlebbar. Dort befinden sich mehrere Saunen und Whirlpools (gegen Aufpreis) sowie einige Fitnessgeräte. Der Wellnessbereich soll erweitert werden.

Kammermusiktage im Speicher Barth

Für die Stadt Barth gehören die im Jahr 2015 bereits zum 14. Mal veranstalteten Kammermusiktage im 100 Plätze fassenden Festsaal des Speichers Barth zu den kulturellen Highlights. (Infos: art-club-marin-panteleev.de). 2016 finden die Kammermusiktage im Februar statt.

Auch der alljährlich veranstaltete „Speicherball“, dessen Erlös einem sozialen Zweck zugute kommt, verankert den wie ein Schiff im Boddenhafen vertäuten Speicher Barth in der Region. Für Nachtschwärmer empfehle ich die direkt neben dem Speicher befindliche afrikanische Cocktailbar „Jambolaya“. 

Vinetastadt Barth

Barth ist ein beschauliches Städtchen mit überschaubarer Innenstadt, das die alten Grenzen der mittelalterlichen Ringstruktur nie verlassen Hat. „Farbenfroh präsentieren sich die Fassaden rund um den Markplatz und die Marienkirche. Weitläufig zeigt sich der Hafen.“ So beschreiben Sven Talaron und Sabine Becht in ihrem an Tipps reichhaltigen Reisführer „Ostseeküste“ die Vinetastadt Barth in wenigen Sätzen: „Barth glaubt sich als Heimat der legendären Stadt Vineta und hat sich  dies sogar amtlich verbriefen lassen und nennt sich offiziell „Vinetastadt“. In einem ehemaligen Kaufmannshaus in der Langen Straße ist das Vineta-Museum untergebracht.

Adresse
Hotel Speicher Barth, Am Osthafen 2, 18356 Barth
www.speicher-barth.de

Buchtipp
Sven Taleron, Sabine Becht, Reiseführer Ostseeküste (Michael Müller Verlag)

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Blick auf das Hotel Speicher Barth