Kein anderer Ort ist so eng mit dem Wirken des Reformators Martin Luther verknüpft wie Wittenberg, das den Zusatz „Lutherstadt“ schließlich aus gutem Grund trägt. Viele von Wittenbergs Sehenswürdigkeiten haben deshalb auch mit Luther zu tun. Viele Menschen aus der ganzen Welt kommen nach Wittenberg, um auf den Spuren des Reformators zu wandeln und sich von dem überall in der mittelalterlich anmutenden Stadt an der Elbe spürbaren Geist jener Zeit inspirieren zu lassen. Wittenberg liegt rund 90 Kilometer von Berlin und 50 Kilometer von Leipzig entfernt. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten erinnern an das Wirken von bedeutenden Persönlichkeiten im Umfeld des Reformators.

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Wittenbergs Sehenswürdigkeiten

Mit dem Countdown zum 500-jährigen Jubiläum des Thesenanschlags – der Lutherdekade bis 2017 – rückten die Wittenberger Sehenswürdigkeiten in den Fokus der gesamten christlichen Welt. Wie das benachbarte Gartenreich Dessau-Wörlitz gehören auch die vier Luthergedenkstätten Schlosskirche, Stadtkirche, Lutherhaus und Melanchthonkirche zum Unesco-Weltkulturerbe.

Sehenswerte Schlosskirche

„Ein feste Burg ist unser Gott“ – diese Textzeile des bekannten Psalms und Kirchenlieds prangt in großen Lettern auf dem Kirchturm der Schlosskirche, eine der wichtigsten Attraktionen in Wittenberg. Martin Luther machte am 31. Oktober 1517 mit seinem Anschlag der 95 Thesen das 1506 auf den Grundsteinen des ursprünglichen Schlosses neu errichtete Bauwerk weltweit bekannt. In der Kirche befinden sich das Grab Luthers und die letzte Ruhestätte seines Vertrauten, des Reformators Philipp Melanchthon.

Wittenberg Sachsen - Anhalt

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Stadtkirche St. Marien

Die Stadt- und Pfarrkirche St. Marien ist das älteste Gebäude der Stadt. In dieser Kirche predigte einst Martin Luther. Sein Weggefährte Johannes Bugenhagen, dessen Wohnhaus sich gleich neben der Kirche befindet, erläuterte hier seine reformatorischen Erkenntnisse.

In die Kirche sollte man unbedingt hinein gehen. Der berühmte Maler Lucas Cranach der Ältere entwarf den Reformationsaltar. Außerdem gibt es wertvolle Tafelbilder von Cranachs Sohn sowie ein kunstvoll dekoriertes Taufbecken und die prunkvolle Orgel zu besichtigen.

Der von Lucas Cranach d. Ä. und seinem Sohn Lucas Cranach d. J. gemalte Altar, allgemein als „Reformations-Altar“ bezeichnet. Foto: D.Weirauch

Der von Lucas Cranach d. Ä. und seinem Sohn Lucas Cranach d. J. gemalte Altar, allgemein als „Reformations-Altar“ bezeichnet. Foto: D.Weirauch

Den Markt, ein einzigartiges Renaissanceensemble, zieren der 1617 gestaltete Marktbrunnen sowie die Bronzedenkmäler von Martin Luther (von Gottfried Schadow)  und Philipp Melanchthon (von Philipp Drake) unter Baldachinen von Karl Friedrich Schinkel.

Wittenberg Sachsen-Anhalt

Cranachs Wirkungsstätte

Sehenswert ist auch der Gebäudekomplex, in dem der Maler Lucas Cranach der Ältere (1472-1553) lebte und arbeitete. Dort gegenüber dem Wittenberger Rathaus werden heute künstlerische Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene angeboten. Eintreten sollte man auch in die Druckerwerkstatt, die sich im Hof befindet.

Wittenberg Sachsen Anhalt Luther

Wohnhaus Martin Luthers

Besichtigen sollte man die von Lucas Cranach d.Ä. geschaffene „Zehn-Gebote-Tafel“ von 1516 im Lutherhaus. Das Bauwerk in Wittenberg wurde ab 1504 als Kloster erbaut. Seit 1508 lebte hier Martin Luther, zunächst als Mönch, ab 1525 dann zusammen mit seiner Familie. 1883 folgte die Umgestaltung des Hauses zum Museum. Seit 1996 gehört das Lutherhaus zum Weltkulturerbe der Unesco. Heute befindet es sich zusammen mit den Luthermuseen in der Lutherstadt Eisleben, dem benachbarten Melanchthonhaus sowie dem Elternhaus Luthers in Mansfeld in der Obhut der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt. Das Lutherhaus ist das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt.

Blick von der Stadtkirche hinüber zur Schlosskirche von Wittenberg, Foto: D.Weirauch

Blick von der Stadtkirche hinüber zur Schlosskirche von Wittenberg

Größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt

Die Dauerausstellung im Lutherhaus erzählt mit rund 1.000 originalen Exponaten vom Leben und Werk des Reformators, aber auch von seinem familiären Alltag und der reichen Wirkungsgeschichte. Herausragende Exponate sind Luthers Kutte, seine Predigtkanzel aus der Stadtkirche und die Zehn-Gebote-Tafel von Lucas Cranach. Kern der Ausstellung ist der an der Biografie heraus entwickelte Rundgang, der die Besucher durch die bedeutendsten Räume des Hauses führt. Dazu gehören das Refektorium, der Große Hörsaal und die Lutherstube, der authentische Ort von Luthers Tischreden.

Wittenberg.Luther (6)Um diesen Rundgang herum gruppieren sich weitere thematische Ausstellungsbereiche. Sie stellen die Reformation als Medienrevolution vor und dokumentieren mit Grafiken, Gemälden und Kunsthandwerk die Wirkungsgeschichte. Der Ausstellungsteil im Keller ist der Alltagsgeschichte gewidmet. Dort zeigen Modelle Szenen aus dem Alltag der Familie Luther. Eine Schatzkammer mit Kostbarkeiten aus neun Jahrhunderten rundet das Angebot ab. 2017 werden zwei große Ausstellungen im dann restaurierten Augusteum Luther und die Reformation würdigen.

Besuch im Melanchthonhaus

Wenige Schritte vom Augusteum entfernt befindet sich das Philipp Melanchthon gewidmete Doppelhaus. Die auf 600 Quadratmetern präsentierte Ausstellung im Melanchthonhaus trägt den Titel „Philipp Melanchthon: Leben – Werk – Wirkung“. Hier kann man den Menschen und den Gelehrten Melanchthon kennenlernen. Das wichtigste Objekt ist das Melanchthonhaus selbst. Es wurde über die Jahrhunderte fast nie umgebaut. Es wird als Baudenkmal in Szene gesetzt. Mit Illustrationen und nachempfundenen Alltagsobjekten erhalten die Besucher einen Eindruck von der von der Lebenswelt und dem Alltag von Melanchthon und dessen Familie.

Neubau mit Ausstellung

Auf dem Nachbargrundstück ist ein moderner Neubau errichtet worden. Darin sind sämtliche Funktionen, die für den Museumsbetrieb notwendig sind, untergebracht. Der nicht unumstrittene Neubau ist ein dreigeschossiger Baukörper in zeitgemäßer Kubatur, der in seiner Formensprache Bezug zur vorhandenen Bausubstanz nimmt. So greift beispielsweise der verwendete Klinker historische Baustoffe auf. Die Ausstellung im Neubau widmet sich ganz dem Werk und der Wirkung Melanchthons. Hier sind Handschriften, Drucke, Gemälde und Büsten ausgestellt. Werke und Briefe Melanchthons, wie etwa die folgenreiche Schrift „Confessio Augustana“ – das Augsburger Bekenntnis von 1530 – erzählen von der Bedeutung Melanchthons für die Reformation und für die Entwicklung des Protestantismus. Zu  sehen sind eine originale Gehaltsquittung des Professors oder die erste Stadtgeschichte Wittenbergs, von Melanchthon handschriftlich verfasst. Ein weiteres zentrales Exponat ist ein überlebensgroßes Porträt Melanchthons.

Blick vom Turm der Stadtkirche auf die Lutherstadt Wittenberg, Foto: D.Weirauch

Blick vom Turm der Stadtkirche auf die Lutherstadt Wittenberg, Foto: D.Weirauch

Hundertwassers Schule

Eine weitere Wittenberger Sehenswürdigkeit ist das Luther-Melanchthon-Gymnasium am Rande der Stadt. Der Plattenbau in einem DDR-Wohngebiet wurde in den 1990er Jahren nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser umgestaltet und erhielt die  vergoldeten Kuppeln.

Wittenberg – Informationen

  • Adresse: Tourist-Information Lutherstadt Wittenberg, Schlossplatz 2, 06886 Lutherstadt Wittenberg,
  • kostenlose Hotline: 03491/498610, 0800/2020114
  • Wittenberg im Internet: www.lutherstadt-wittenberg.de
  • Lutherstätten – Informationen

  • Adresse: Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt,  Collegienstraße 54, 06886 Lutherstadt Wittenberg
  • Tel.. 034 91/- 4 20 31 27
  • Lutherstätten im Internet: www.martinluther.de, www.facebook.com/luthergedenkstaette
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  • Wittenberg Information und Hotel Alte Canzley, Foto: Weirauch

    Wittenberg Information und Hotel Alte Canzley, Foto: Weirauch

    Schlosskirche in Lutherstadt Wittenberg, Foto: D.Weirauch

     

Sachsen-Anhalt Der Rote Luther

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