Cutrofiano, 30 Kilometer von unserem Hotel Barone di Mare entfernt, kann man guten Gewissens als Keramikstadt desw Salento bezeichnen. Es gibt dort mehrere traditionell arbeitende Fabriken, in denen Tonwaren, wie Majolika für den Hausgebrauch sowie Gebrauchskeramik für den Außenbereich hergestellt werden. Dazu kommen Werkstätten und das Keramikmuseum. Bürgermeister Luigi Melissano berichteet tsolz über seine „Keramikstadt“: „Die Kunsthandwerker, von denen einige internationales Niveau erreicht haben, zeigen gern ihre Arbeit. Der Name cutrofiano leitet sich vom griechischen Cutro – fio ab, was „ich forme den Ton“ bedeutet. Es ist eine alte Kunst die uns charakterisiert und auszeichnet. Zentrum erzählt.“ Der Besuch mehrerer Manufakturen und kleiner Keramikwerkstätten, meist familiär geführt, in der Stadt Cutrofiano sind ein besonderes Highlight auf unserer Reise durch Apulien.
Keramikproduktion
Wer heute nach Cutrofiano kommt, begegnet der Keramik auf Schritt und Tritt. Große Terrakotta-Amphoren stehen vor Hauseingängen, bunt glasierte Teller schmücken Restaurants und entlang der „Viale della Ceramica“ reihen sich Werkstätten, Lagerhallen und Verkaufsräume aneinander. Die kleine Stadt im Salento gilt bis heute als eines der wichtigsten Zentren der Keramikproduktion in Süditalien. Es gibt eine regelrechte „Keramikallee“, Wo sich die einzelnjen Firmen aufreihen. Da werden Erinnerungen an die Thüringer Porzellanstraße wach. Der unterschied: in Franken und in Thüringen gibt es kaum noch solche Manufakturen, in denen man das jahrhundertelange Handwerk bestaunen kann.
Die Geschichte der von uns besuchten Keramikstadt Cutrofianio reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Der rote, eisenhaltige Lehm der Region eignete sich ideal für die Herstellung von Terrakotta. Schon im 17. Jahrhundert arbeiteten in Cutrofiano zahlreiche Töpferfamilien. Holz aus den umliegenden Wäldern diente als Brennmaterial für die Öfen, während Händler die Waren bis nach Lecce und an die Küsten von Ionischen Meer und Adria transportierten. Noch heute erinnert der Ortsname an diese Tradition: Sprachhistoriker führen „Cutrofiano“ auf das griechische Wort „kutra“ zurück – ein Tongefäß.
Trotz Industrialisierung und globaler Konkurrenz existiert in Cutrofiano weiterhin ein bemerkenswert lebendiger Keramiksektor. Zu den bekanntesten Betrieben gehört die Firma Fratelli Colì. Das Familienunternehmen beruft sich auf eine Tradition seit 1650 und zählt heute zu den bedeutendsten Herstellern von Majolika und Terrakotta im Salento. Produziert werden handbemalte Teller, Schalen, Vasen und Kochgeschirr, aber auch moderne Designobjekte für Innen- und Außeneinrichtungen. Charakteristisch ist die Verbindung traditioneller Formen mit zeitgenössischem italienischem Design. Die Werkstätten arbeiten weiterhin stark handwerklich, nutzen jedoch moderne Brennöfen und industrielle Fertigungstechniken, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Besonders erfolgreich sind die bleifreien Terrakotta-Kochgefäße, die sich an der mediterranen Küche orientieren. Kooperationen mit Designmarken wie Kiasmo oder Casa Marras zeigen zudem, wie stark sich die traditionelle Keramik inzwischen dem Lifestyle- und Interior-Markt geöffnet hat.

ein Töpfer bei der Arbeit.
Cutrofiano zeigt damit beispielhaft, wie ein traditioneller Handwerksort in Süditalien überleben kann: nicht durch reine Nostalgie, sondern durch die Verbindung von regionaler Identität, handwerklicher Qualität und moderner Vermarktung.
Ebenfalls bedeutend ist Benegiamo Arte e Terracotta. Der Betrieb produziert vor allem dekorative Terrakottaobjekte, Gartenkeramik und Einrichtungsgegenstände. Anders als Colì konzentriert sich Benegiamo stärker auf großformatige Produkte für Außenbereiche: Pflanzgefäße, Amphoren, rustikale Brunnen oder dekorative Architekturkeramik. Die Arbeiten verbinden traditionelle apulische Formen mit mediterranem Landhausstil und richten sich stark an Hotels, Ferienanlagen und internationale Kundschaft.
Daneben existieren kleinere Werkstätten wie Salvino De Donatis Ceramiche Artistiche, die stärker auf Einzelstücke und kunsthandwerkliche Produktion setzen. Hier entstehen handgedrehte Vasen, religiöse Figuren und traditionelle Gebrauchsgegenstände, oft mit regionaltypischen Dekoren des Salento. Viele dieser Familienbetriebe arbeiten seit Generationen mit denselben Techniken: Tonaufbereitung von Hand, langsames Trocknen und mehrfache Brennvorgänge bleiben zentrale Bestandteile der Produktion.

Mehrere ortsansässige Töpfereien führen die alte Tradition fort und bieten solide Gebrauchskeramik und Tonpfeifen, die sogenannten fischietti, zum Verkauf an

ein Besuch lohnt auch in der Werkstatt von Valentina Andriani und ihrem Vater.

Werkstatt von Valentina Andriani, deren Katalog viele Dekoartikel umfasst, wobei sie sich besonders durch die verschiedenen Größen ihrer Schalen auszeichnet. r Schalen auszeichnet.
Die Keramik von Cutrofiano lebt heute von einem Spannungsverhältnis zwischen Tradition und Moderne. Einerseits werden weiterhin klassische „pignate“ hergestellt – dickwandige Tongefäße für das langsame Garen von Speisen. Andererseits entstehen Designserien für internationale Einrichtungshäuser. Der Werkstoff Ton wird damit zum kulturellen Bindeglied zwischen ländlicher Vergangenheit und globalem Markt. (Info von KI)
Keramikmuseum
Um in die jahrhundertelange Geschichte der Keramik in Cutrofiano einzutauchen, haben wir uns das Kremikmuseum, das Museo Comunale della Ceramica. Es ist zusammen mit der Bibliothek ein Begegnungszentrum am zentralen Platz der Stadt. Die Ausstellung zeigt neben örtlicher Kunst- und Gebrauchskeramik einige interessante archäologische Keramikfunde aus der Umgebung von Cutrofiano.Das Museum versteht Keramik nicht nur als Kunsthandwerk, sondern als Teil der sozialen Identität des Salento. 
Mitten im historischen Zentrum von Cutrofiano liegt das Museo della Ceramica — ein vergleichsweise kleines Museum, das jedoch zu den wichtigsten Einrichtungen zur Keramikkultur in der Region Apulia zählt. Gegründet wurde es 1985, ursprünglich als Sammlung traditioneller Terrakottaobjekte aus dem Alltag der lokalen Bevölkerung. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich daraus ein Dokumentationszentrum zur Geschichte der Keramikproduktion im Salento. Bemerkenswert ist der Ansatz des Museums: Es versteht Keramik nicht nur als Kunsthandwerk, sondern als sozialen und wirtschaftlichen Spiegel der Region. Die Ausstellung zeigt daher nicht allein dekorative Stücke, sondern vor allem Gebrauchsgegenstände — Krüge, Vorratsgefäße, Kochgeschirr oder religiöse Objekte — die bis weit ins 20. Jahrhundert hinein in den Häusern des Salento verwendet wurden.

Karte mit heutigen und einstigen Stätten der Keramikproduktion
Die Sammlung reicht chronologisch vom Neolithikum bis in die Moderne. Archäologische Funde aus der Umgebung dokumentieren, dass die Tonverarbeitung in der Gegend bereits in der Antike eine bedeutende Rolle spielte. Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung zwischen den historischen Exponaten und den noch heute aktiven Werkstätten in Cutrofiano: Das Museum zeigt nicht nur fertige Objekte, sondern auch Werkzeuge, Glasuren, historische Fotografien und Informationen zu den alten Familienbetrieben der Stadt.

Ehrenpräsident Salvatore Matteo präsentiert uns Raritäten der Sammlung.
Heute fungiert das Museum zugleich als Forschungs- und Kulturzentrum. Es arbeitet mit Universitäten zusammen, organisiert Workshops, Vorträge und Publikationen zur Keramikgeschichte des Salento. In Verbindung mit den weiterhin aktiven Werkstätten entsteht dadurch ein seltenes Zusammenspiel von Museum, Handwerk und lebendiger Produktionskultur.
Weitere Informationen erhaltet ihr hier: Museo della Ceramica di Cutrofiano
Pumo – beliebtes Souvenir aus dem Salento
In allen Werkstätten werden Pumi hergestellt. Und für uns endlich eine Gelegenheit, uns ein ganz besonderes Souvenir aus Apulien mitzubringen. Warum? Der Pumo ist eines der bekanntesten Symbole des Salento und gehört bis heute fest zur Kultur und Handwerkskunst dieser Region im Süden Italiens. Dabei handelt es sich um ein dekoratives Keramikobjekt, das meist die Form einer geschlossenen Blüte oder einer Knospe besitzt. Der Name stammt vom lateinischen Wort pomum, das „Frucht“ bedeutet. Der Pumo symbolisiert Wachstum, Wohlstand, Fruchtbarkeit und einen Neubeginn. Deshalb wird er traditionell an Hauseingänge, auf Balkonen oder Mauern angebracht, um Glück und Schutz für die Bewohner zu bringen. Selbst als Mittelpunkt im Kreisverkehr fanden wir in Cutrofiano einen kunstvoll gefertigten „Pumo-Baum“. Er soll wohl Glück bringen für alle, die in den Kreisverkehr ein- oder ausfahren.

Die kunstvoll geformten Pumi werden seit Jahrhunderten hergestellt, sind handbemalt in vielen Farben und Größen. Typisch sind kräftige Farbtöne wie Grün, Blau, Rot oder Weiß, oft kombiniert mit glänzenden Glasuren. Viele Familien schenken ihn zur Hochzeit, zum Einzug in ein neues Haus oder zu besonderen Festen – als Omen für eine glückliche Zukunft. Gleichzeitig verbindet er Tradition und modernes Design, denn heute wird das Symbol auch in zeitgenössischer Kunst, Schmuckstücken oder Souvenirs verwendet.

Die Piazza von Cutrofiano. Der historisch bedeutsame Ort ist geprägt von kleinen Plätzen und barocken Gebäuden. Foto: Carmen Mancarella
Für uns ist der Pumo ein typisches Erinnerungsstück. Es steht für Sonne, mediterrane Lebensfreude und die tiefe Verbundenheit der Menschen mit ihrer Heimat.
Kulinarischer Zwischenstopp : Restaurant „Sirgole orto e cucina“ in Cutrofiano. Chefkoch Marco Speccia ist bekannt für seine Auswahl an saisonalen Rohstoffen und die Zubereitung traditioneller Gerichte mit einem Hauch von Innovation.

In der Mittagspause waren wir zu Gast bei dem Inhaber und Küchenchef Marco Specchia im Restaurant Sirgole,
Tipp für weinkenner mit Kellerbesichtigung: Weingut Cantina Palamá mit Umtrunk und Kellerbesichtigung.
Gut essen: Ein Abendessen im Restaurant der Gebrüder Negro in Supersano, „A Kilometrozero“ – eines der ersten Häuser, das Nachhaltigkeit mit neu interpretierten traditionellen Rezepten verbindet.











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