Von Jörg Berghoff
Der Naturpark Dübener Heide ist ein Kleinod für Naturfreunde und Großstädter zugleich. Eingebettet in den natürlichen Flusslandschaften von Elbe und Mulde, verströmt der größte Mischwald Mitteldeutschlands die Frische einer eiszeitlich geprägten Hügellandschaft. Hier kann man Naturerlebnis und Vitalurlaub bestens kombinieren.

Über das Gelände des Museumsdorfes Obermühle wacht der Hans. Foto: Berghoff
„Achtung, bitte nicht auf das Geländer klettern, da unten fließt der Schleifbach durch den Obermühlenteich. Immer wieder muss ich die jüngeren Besucher davon abhalten, Unfug zu machen. Dabei haben wir hier im Museumsdorf Obermühle auch einen großen Klettergarten, in dem sie sich austoben können. Wer gar nicht hören will, bekommt von mir einen Kirschkern zugeworfen, von hier oben ist das ein Kinderspiel. Meistens sitze ich hier unterm Dach im Gebälk, so habe ich alles im Blick. Ich bin übrigens der Hans aus Bad Düben. Viele halten mich für eine schnöde Holzfigur, wenn die wüssten … Schon mein Namensvetter hat hier in der Gegend im Oktober 1532 für Furore gesorgt, als er bei Düben mit zwei Pferden die Mulde überquerte. Des Pferdediebstahls bezichtigt, bekam der angesehene Kaufmann dann im Laufe der Zeit so richtig viel Ärger mit den Mächtigen in Brandenburg und Sachsen. Seine rebellische Ader gegen die Ungerechtigkeit, sein Fehdebrief gegen das ganze Land Sachsen und seine Unnachgiebigkeit führten am Ende zu seinem Tode. Kommt euch bekannt vor? Heinrich von Kleist hat das mit seiner Novelle „Michael Kohlhaas“ weltberühmt gemacht. Also denkt dran, nicht zu viel Unfug treiben und nach dem Mühlenbesuch auch den Turm der Burg Düben besuchen, denn dort könnt eine Menge über diese berühmte Erzählung und ihren Ursprung lernen. Und denkt dran, benehmt euch beim Besuch Bad Dübens und des schönen Naturparks Dübener Heide, denn im Turmdurchgang befindet sich noch heute ein Verlies, in dem 1669 die der Hexerei verdächtigte Elisabeth Mann ihr Leben ließ. Und die Ohren und Augen auf, der Naturpark Dübener Heide ist etwas ganz Besonderes. Denn Heide ist nicht gleich Heide. Ja, es gibt in einigen Lichtungen auch blühende Erika, das Heidekraut, aber vor allem ist der Naturpark eine Wald- und Moorheide. Seine Attraktivität gründet sich vor allem auf einer abwechslungsreichen Kombination aus Fauna und Flora. Damit genug vom Hans aus der Obermühle, der euch einen spannenden und lehrreichen Aufenthalt hier in Nordsachsen wünscht.“
Attraktiver Heidesonntag
Im 75.000 Hektar großen Naturpark Dübener Heide kreisen Kranich und Seeadler über romantischen Teichen und Seen. An ihren Ufern liegen zahlreiche Biberburgen unter mächtigen Buchen und Eichen, glänzt das Moos an sprudelnden Quellen und an feuchten Wiesen. In der reinen Luft kann man richtig durchatmen und am Wochenende lockt die Heidezeit zu Ausflügen in die Natur. Die Vielfalt der Dübener Heide lässt sich am besten an einem Heidesonntag erleben. Jeweils am ersten Sonntag eines Monats haben die „Heidemagneten“ geöffnet, das sind über ein Dutzend Ausflugsziele mit besonderem Charakter und Erlebnisangeboten. Ein verträumtes Wasserschloss, ein Fürstenhof der Renaissance und eine Stadt aus Eisen sind nur drei Ausflugsziele, die Besucher im Naturpark Dübener Heide im Herzen Mitteldeutschlands entdecken können. Die Dübener Heide ist somit eine klassische Ausflugs- und Naherholungsregion für Naturinteressierte, Wanderer und Radfahrer.

Reinharzer Weg Heidekraut: Zwischen Tornau uns Söllichau findet man diese schöne Heidelichtung. Foto: Jörg Berghoff
Lehrreiche Mühlen-Tour
In der Stadt Bad Düben gab es vor über 100 Jahren mehr als zwölf Mühlen. Heute sind noch fünf dieser Zeitzeugen zu bestaunen. Diese technischen Denkmale ziehen jedes Jahr zum Deutschen Mühlentag interessierte Besucher an. In der Saison von April bis Oktober kommt Leben in die alten Mühlen. Mühlenführungen, Brotbacktage und andere kulturelle Veranstaltungen erfreuen die Besucher.
Einzigartig: die Bergschiffmühle
Die Schiffmühle, unterhalb der Dübener Burg gelegen, wird gerade umfassend renoviert. Sie arbeitete als Getreidemühle viele Jahre etwa drei Kilometer stromabwärts auf der Mulde. Da sie später zum Alaunbergwerk gehörte, erhielt sie den Namen Bergschiffmühle, eine Abkürzung von Bergwerksschiffmühle. Nach Zerstörungen durch Hochwasser Eisgang oder Brände, wurde sie immer wieder repariert oder auch neu aufgebaut. 1905 wurde sie zu einem kleinen Kraftwerk umgebaut und seitdem mahlte man mit ihr an Land. Ein weiterer Umbau erfolgte 1922/1923. Nachdem in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts alle deutschen Schiffmühlen ihre Arbeit auf dem Wasser eingestellt hatten, war sie als einzige Schiffmühle Deutschlands noch bis 1956 in Betrieb. Nach Sicherung und Umsetzung befindet sich die Bergschiffmühle seit 1967 als technisches Denkmal im Wallgraben der Burg Düben und ist von außen zu besichtigen.

BadDuebenerObermuehle-PRB.JPG: Auch das Museumsdorf Obermühle mit dem Moorlehrpfad ist einen Besuch wert, auch Mühlen haben hier eine große Tradition.
Auch die historische Wassermühle, unmittelbar am Kurpark gelegen, wurde 1434 erstmalig urkundlich erwähnt. Ihr Wasserrad hat einst nicht nur den Mahlgang, sondern auch eine Öl- und Walkmühle und den Schneidegang angetrieben. Über 500 Jahre konnte die einstige „obyrmol“ ihre Müller ernähren, bis sie Ende der 1940er Jahre stillgelegt wurde. Heute nutzt und betreibt der Verein Museumsdorf Dübener Heide e.V. die neu errichteten Schauwerkstätten und den attraktiv hergerichteten Mühlenhof. Und nicht zuletzt ist die Bockwindmühle ein technisches Denkmal höchster Güte. Sie stammt ursprünglich aus dem Jahre 1840 und wurde in Glesien nördlich von Leipzig errichtet. Bis 1962 wurde mit ihr gemahlen und geschrotet. durch die Erweiterung des Flughafens Leipzig-Halle wurde für sie ein neuer Standort gesucht und hier in Bad Düben gefunden. Im Auftrag des Vereins Museumsdorf Dübener Heide e. V. restaurierte der Mühlenbauer John de Jong aus Veldhoven in den Niederlanden die Mühle in den Jahren 2005 und 2006. dabei wurden 80 Prozent der alten Mühle und der Balkenkonstruktion wieder verwendet und die über 150 Hahre alte Mühlentechnik fast ganz ohne Neuerungen wieder eingebaut. Die ersten vertikalen Windmühlen mit Segeltuchbespannung wurden in Persien und Afghanistan bereits im 8. Jahrhundert erbaut, nach Europa kamen die ersten im 10. und 11. Jahrhundert. im Jahre 1180 wurde erstmals eine Bockwindmühle erwähnt. Diese Erfindung stammte aus der Normandie und breitete sich schnell in West- und Südeuropa aus.
Im Jahre 1222 stand die erste Bockwindmühle Deutschlands an der Stadtmauer in Köln. Namensgeber dieser Mühlenart ist der große und stabile Bock, der den Hausbaum stützt, auf dessen oberem Zapfen über eine mächtige Balkenkonstruktion der gesamte Mühlenkasten drehbar gelagert ist. An dem herausragenden Sterz wird die Mühle dann in den Wind gedreht.

DuebenerBockwindmuehle-PRB.JPG: Die Dübener Bockwindmühle ist Teil einer 12 Kilometer langen Mühlen-Radtour.
Am häufigsten wurde die Bockwindmühle als Getreidemühle genutzt. Die meisten dieser Windmühlen stehen noch in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Mit den fünf und zwölf Kilometer langen Mühlen-Radtouren kann man die große Mühlentradition bestens erkunden.
WEITERE INFORMATIONEN
Reiseland Sachsen, www.sachsen-tourismus.de
Leipzig Region, www.regionleipzig.de
Naturpark Dübener Heide, www.naturpark-duebener-heide.com
Museumsdorf Dübener Heide, www.museumsdorf-duebener-heide.de
Verein Mühlenregion Nordsachsen, www.muehlen-nordsachsen.de
Übernachten: Heide Spa Bad Düben, www.heidespa-hotel.de
Text/Fotos: Jörg Berghoff
Anreise nach Bad Düben
Wenn Sie Bad Düben als Ausflugsziel besuchen möchten, würde ich das Auto empfehlen. Bad Düben hat keinen regulären Eisenbahnverkehr mehr. Der nächste Bahnhof ist Eilenburg, rund 20 Kilometer entfernt. Von dort fahren Busse der Linien 232 bzw. 233 nach Bad Düben; die Fahrt dauert etwa 35 Minuten.
Mit der Bahn ist die Kombination aber durchaus machbar:
Leipzig/Halle → Eilenburg → Bus nach Bad Düben.
Die Stadt selbst empfiehlt von Leipzig aus auch die PlusBus-Linie 196, die direkt nach Bad Düben fährt.
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