Von Jörg Berghoff

Repro: Jörg Berghoff
Eine Reise auf den Spuren von Frans Hals und Rembrandt van Rijn führt zurück in die Welt der Meistermaler des 17. Jahrhunderts. Spuren ihres Lebens lassen sich noch heute in Leiden, Haarlem und Amsterdam entdecken, die man zu Fuß und in Museen erkunden kann. Diese beiden Welten begegnen einander in der Ausstellung „Hals–Rembrandt“ in Haarlem, die erstmals diese großen Meister direkt gegenüberstellt. Und in Amsterdam bietet das Museum Het Rembrandthuis einen Einblick in das Leben und Schaffen des niederländischen Meisters während seiner produktivsten Jahre. In dem Amsterdamer Haus, in dem Rembrandt von 1639 bis 1658 lebte, arbeitete und seinen Kunsthandel betrieb, kann man die Welt erleben, in der viele seiner berühmtesten Meisterwerke entstanden. Es ist weltweit das einzige Museum, das sich nur diesem Künstler widmet und das Amsterdam des 17. Jahrhunderts auf lebendige Weise wiederaufleben lässt.
Zwei niederländische Meister
Vom 6. November 2026 bis zum 28. Februar 2027 zeigt das Frans Hals Museum in Haarlem die Ausstellung „Hals-Rembrandt“, die Werke der beiden bedeutenden Künstler des 17. Jahrhunderts, Frans Hals und Rembrandt van Rijn, vereint. Erstmals werden Gemälde dieser beiden Großmeister direkt nebeneinander gezeigt. „Hals-Rembrandt“ umfasst neunzehn Meisterwerke und lädt die Besucher dazu ein, zu vergleichen, zu staunen und vor allem: Ganz genau hinzusehen. Denn Frans Hals und Rembrandt van Rijn zählen zu den berühmtesten Porträtisten des 17. Jahrhunderts. Beide besaßen die außergewöhnliche Fähigkeit, ihre Modelle mit einer beeindruckenden Lebendigkeit einzufangen. Ob Regenten und Regentinnen, Kinder, Musiker oder fröhliche Zecher, ihre Gemälde scheinen die Grenze zwischen Leinwand und Realität aufzuheben. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich jedoch, wie unterschiedlich ihre jeweiligen künstlerischen Wege waren.
Zwei Meister, zwei Sichtweisen
Sowohl Frans Hals als auch Rembrandt van Rijn sind für ihren charakteristischen, lockeren Malstil und ihre Gabe bekannt, Menschen mit lebendigem Realismus darzustellen. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen ihnen. Rembrandt van Rijn näherte sich seinen Motiven suchend, er trug Schicht um Schicht auf, um zum Wesenskern der porträtierten Personen vorzudringen. Frans Hals hingegen arbeitete offenbar schneller und präziser, seine Gemälde wirken fast wie Momentaufnahmen der Wirklichkeit. Die Ausstellung „Hals-Rembrandt“ beleuchtet diese beiden Ansätze. Durch die Präsentation der Werke beider Künstler in neuartigen Kombinationen wird deutlich, was sie verbindet und was sie voneinander unterscheidet. Dies betrifft nicht nur Stil und Technik, sondern auch die Art und Weise, wie sie die Menschen wahrnahmen, die sie porträtierten. Hals und Rembrandt lebten in derselben Epoche, waren jedoch in unterschiedlichen Städten tätig. Ob sie sich gegenseitig direkt beeinflusst haben, ist nicht bekannt. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass sie die Arbeiten des jeweils anderen kannten, da beide bereits zu Lebzeiten berühmte Maler waren.

Es gibt mehrere Rembrandt-Denkmäler in Amsterdam, jenes an der Riekermolen ist ein beliebtes Fotomotiv.
Neunzehn Meisterwerke
Die Ausstellung ist überschaubar gestaltet. Anstatt einer überwältigenden Fülle an Gemälden bietet sie Raum für konzentrierte Aufmerksamkeit. Besucher sind dazu eingeladen, Details in Posen, Gesichtsausdrücken, Kleidung und Pinselstrichen zu entdecken, denn je länger man hinsieht, desto mehr erkennt man. Die Ausstellung umfasst elf Werke von Frans Hals und acht von Rembrandt, die aus verschiedenen nationalen und internationalen Sammlungen zusammengetragen wurden. In dieser Zusammenstellung waren die Werke noch nie zuvor zu sehen. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch eine großzügige Leihgabe von fünf Gemälden aus der Sammlung des Rijksmuseums. Ein besonderer Höhepunkt ist Rembrandts Werk „Die Vorsteher der Tuchmacherzunft“ (1662), das deutliche Parallelen zu den von Hals gemalten Gruppenporträts von Regenten aufweist. Rembrandts „Bildnis der Haesje Jacobsdr van Cleyburg“ (1634) wird neben dem stattlichen „Bildnis der Cornelia Vooght“ (1631) von Hals präsentiert, das zum eigenen Bestand des Frans Hals Museums gehört. Rembrandts „Johannes Wtenbogaert“ (1633) ist neben Hals’ „Bildnis eines Mannes“ (um 1635) platziert – ein Werk aus der Sammlung des Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam, das eigens für diese Ausstellung restauriert wurde.

Foto: Jörg Berghoff
Nationale und internationale Leihgaben
Auch andere Museen und Sammlungen steuerten herausragende Werke zu dieser Ausstellung bei. Rembrandts „Titus am Schreibtisch“ (1655) stammt aus der Sammlung des Museum Boijmans Van Beuningen. Dieses Gemälde wird gemeinsam mit zwei Darstellungen von Fischerkindern aus den Sammlungen der Phoebus Foundation und des Königlichen Museums der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) präsentiert. Das Mauritshuis in Den Haag stellt Rembrandts „Lachender Mann“ (ca. 1629-1630) als Leihgabe zur Verfügung. Dieses Werk ist neben Frans Hals’ „Lachender junger Mann mit Flöte“ (ca. 1630) zu sehen, das aus dem Bestand der Staatlichen Schlösser in Schwerin stammt. Zudem wird das Gemälde „Musizierende Kinder“ (ca. 1628) von Hals, das kürzlich gemeinsam vom Frans Hals Museum und dem Mauritshuis erworben wurde, zusammen mit Rembrandts „Musizierende Gesellschaft“ (1626) ausgestellt. Letzteres ist ein Frühwerk, das sich normalerweise als Dauerleihgabe des Rijksmuseums im Museum De Lakenhal in Leiden befindet.

Museum de Lakenhal an der Oude Singel 32 Foto: Weirauch
Um für die Ausstellung „Hals-Rembrandt“ im Frans Hals Museum in Haarlem einen optimalen Ausstellungsbesuch zu gewährleisten, werden Besucher und Gruppen gebeten, vorab online ein Zeitfenster zu buchen.
Kunst lebendig
Rembrandt machte aus Licht und Schatten eine eigene Bildsprache. Frans Hals schenkte dem flüchtigen Augenblick Dauer. Vielleicht ist das die schönste Erkenntnis dieser Reise: Kunst muss nicht immer feierlich sein. Sie darf lachen, zweifeln, überraschen und gelegentlich auch ein wenig frech sein. Sie zeigt uns nicht nur, wie Menschen früher aussahen, sondern auch, wie ähnlich wir ihnen geblieben sind. Eine Erkenntnis, die uns diese einzigartige Ausstellung in Haarlem eindrucksvoll vermittelt. https://franshalsmuseum.nl/en
Text/Fotos: ©Jörg Berghoff
Praktische Informationen und Anreise
Ausstellung: „Hals–Rembrandt“
Laufzeit: 6. November 2026 bis 28. Februar 2027
Museum: Frans Hals Museum, Groot Heiligland 62, 2011 ES Haarlem, Niederlande
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag. Während der Ausstellung öffnet das Museum bereits um 10 Uhr; die regulären Öffnungszeiten sind 11 bis 17 Uhr. Bitte die konkreten Besuchszeiten bei der Buchung beachten.
Eintritt: Erwachsene 18,50 Euro, Jugendliche bis 18 Jahre frei. Die Ausstellung ist im Museumseintritt enthalten.
Wichtig: Wegen des erwarteten Besucherandrangs ist eine Online-Reservierung mit festem Zeitfenster erforderlich.
Anreise mit der Bahn: Von Amsterdam Centraal fahren regelmäßig direkte Züge nach Haarlem. Die Fahrt dauert etwa 15 bis 20 Minuten. Vom Bahnhof Haarlem sind es rund 20 Minuten zu Fuß zum Frans Hals Museum.
Anreise mit dem Auto: Haarlem ist von Amsterdam aus gut erreichbar. Parkmöglichkeiten gibt es unter anderem in den Parkhäusern Houtplein und De Kamp. Von dort erreicht man das Museum in etwa fünf Minuten zu Fuß.

In diesem Haus in Leiden aus dem 17. Jahrhundert lernte der junge Rembrandt bei Jacob van Swanenburgh das Malen und Zeichnen. Foto: Jörg Berghoff
Informationen und Tickets: www.franshalsmuseum.nl
Die Ausstellung ist ein guter Grund, Haarlem zu besuchen. Sie bietet nicht nur Kunstgeschichte auf höchstem Niveau, sondern lädt dazu ein, zwei große Maler einmal ganz anders kennenzulernen: im direkten Dialog ihrer Bilder.
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