Es ist Hochsommer. Die Sehnsucht nach der Ostsee ist groß. Einfach mal wieder raus. Die Weite des Meeres spüren, wo der Horizont das Meer berührt … Aber im Hochsommer, bisher waren die Vor- und Nachsaison für uns die besten Reisezeiten an die Ostsee. Nun also ein Besuch der Baltic Sea im Hochsommer, auch wenn uns einige unserer Bekannten vor zu vielen Gästen an der Ostsee warnten. Auch eine ziemlich kurzfristige Buchung im Wydma Resort & Spa in Mrzeżyno  (20 km von Kolobrzeg/Kolberg entfernt) ließ uns schließlich starten.  Wie auf all unseren Reisen ging es nicht direkt nach Mrzeżyno. „Lerne zu reisen, ohne zu rasen!“ – Leitsatz des Heftes 29 der Mitteilungen des Kulturhistorischen Vereins Friedrichshagen e.V. – nehmen wir uns seit langem zu Herzen. Und so gibt es schon auf der Hinfahrt einen Kurzaufenthalt in Stettin. Von Stettin geht es mit der Bahn nach Swinemünde. Hier erwartete uns DS STETTIN, ein Dampf-Eisbrecher aus dem Jahr 1933 zu einer erlebnisreichen Fahrt zurück nach Stettin. Hier erfahrt ihr mehr. Nach zwei Tage Stettin-Aufenthalt ging es weiter nach Mrzeżyno, in  das Wydma Resort. Es ist ein kleines behagliches Hotel, 50 Zimmer laden zum Verweilen ein. Komfortable Zimmer mit Balkon oder Terrasse, ein modernes Bad mit Duschkabine, alles sehr sauber und einladend. Ausgestattet sind die Zimmer mit TV, Wi-Fi, Kühlschrank, Haartrockner, Strandstühlen und einem Windflüchter. Und für die nassen Badesachen gibt es auf dem Balkon einen Wäscheaufsteller.

Eines von 40 Zimmern im Wydma Resort & Spoa Mrzezyno

Eines von 40 Zimmern im Wydma Resort & Spa Mrzezyno

Wer einen Wasserkocher vermisst, kann ihn an der Rezeption gegen eine Gebühr ausleihen. Es gibt auch behindertengerechte Zimmer und einen Fahrstuhl im vieretagigen Hotel. Wir vermissten nichts. Die Mitarbeitenden an der Rezeption und im Service waren sehr freundlich, hilfsbereit, einige sprachen auch Deutsch. Die An- und Abmeldung liefen entspannt ab, Terminvereinbarungen für eine breite Palette von Spa-Behandlungen wie Massagen, Kosmetikbehandlungen, Sitzungen in der Norobarischen Kammer (vergleichbar der Sauerstoiff-Mehrschritt-Therapie nach von Ardenne) usw. sollten möglichst gleich am ersten Tag der Hotelbuchung vorgenommen werden. Der Bedarf ist groß und die Termine schnell vergeben.Wydma Resort

Die Nähe zur Ostsee ist natürlich ein weiteres Plus für das Hotel Wydma Resort. 

Während unseres Besuches im Hotel Wydma Spa erkunden wir auch die nächste Umgebung. Es windet zwar stark, aber die Hafenpromenade des einstigen Fischerortes müssen wir uns dennoch anschauen. Quasi „um die Ecke“ des Hotels können wir uns vorstellen, dass im Sommer hier viele Gäste den Hafen besuchen. Fischerboote liegen im Hafen, Verkaufsstand an Verkaufsstand bieten hier in der Saison ihre Ware feil. Übrigens weilt Lyonel feininger meherere Jahre im Ssommer in Treptow an der Rega. Daran erinnert das Museum im nahen Trebiatow.

Schon der Weg zum Strand ist Teil des Urlaubserlebnisses. Vom Hotel führt ein kurzer Weg (ca. 60 Meter) durch den grünen Küstenpark hinunter zum feinen Sand. Morgens liegt noch Ruhe über dem Strand, nur das Rauschen der Ostsee und der Wind in den Kiefern begleiten den Spaziergang. Wer weiterläuft, findet lange Abschnitte, an denen kaum ein Haus zu sehen ist. Die Küste lässt sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden; auch Kajaktouren auf der Rega gehören zu den Freizeitmöglichkeiten der Umgebung.

Die ungewöhnlichste Attraktion: die Normobaria

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Wydma ist jedoch die Normobaria. Der Begriff bezeichnet eine spezielle Kammer, in der ein leicht veränderter Luftdruck und eine besondere Gaszusammensetzung erzeugt werden. Im Wydma wird sie als Wasserstoff-Sauerstoff-Kammer angeboten. Das Resort wirbt mit Sitzungen zur Regeneration und besseren Sauerstoffversorgung des Körpers.

Jakub Jasinski erläutert die Funktionsweise der Normobarischen Kammer.

Die Kammer ist nicht mit einer klassischen Druckkammer der Intensiv- oder Tauchmedizin gleichzusetzen. Auch handelt es sich nicht um die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie nach Manfred von Ardenne. Die Normobaria arbeitet vielmehr mit einer Kombination aus verändertem Druck und einer speziell zusammengesetzten Atemluft. Das Wydma beschreibt die Kammer als aus mehreren komfortablen Räumen und einer Schleuse bestehend, über die der gewünschte Druck aufgebaut wird.

Für Hotelgäste ist das Angebot bemerkenswert niedrigschwellig. Je nach gebuchtem Arrangement sind Sitzungen bereits enthalten; aktuell bewirbt das Resort beispielsweise eine kostenlose Normobaria-Sitzung bei Buchungen ab zwei Übernachtungen. Andere Pakete enthalten mehrere Sitzungen oder einen Gutschein für die Kammer.

Hier erfahrt ihr mehr über die Wirkweise der Normobarischen Kammer.

 

 

Und so entsteht im Wydma eine ungewöhnliche Verbindung: Draußen die frische Ostseeluft, drinnen die kontrollierte Atmosphäre der Normobaria. Nach einem Spaziergang am Strand, bei dem Wind und Wellen die Sinne anregen, folgt eine ruhige Sitzung in der Kammer. Anschließend warten Schwimmbad, Sauna oder einfach ein Balkon mit Blick auf den Küstenwald.

Blick auf den Hafen und das im Sommer aufgebaute Riesenrad.

 

Mrzeżyno lebt dabei nicht vom großen Trubel. Der Reiz liegt gerade in der Mischung aus Meer, Wald und dem kleinen Hafen an der Rega. Wer Ruhe sucht, kann kilometerweit am Wasser laufen. Wer Aktivität möchte, kann Rad fahren, wandern, paddeln oder einen Ausflug nach Kołobrzeg unternehmen. Und wer seinem Aufenthalt eine ungewöhnliche Wellnessnote geben möchte, findet im Wydma mit der Normobaria eine Einrichtung, die man an der polnischen Ostseeküste nicht überall findet.

Das Wydma ist damit weniger ein Hotel für den schnellen Strandurlaub als ein Ort zum Durchatmen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Ostsee liegt vor der Tür, der Küstenwald beginnt praktisch am Haus, und im Inneren wartet eine ungewöhnliche Wellnesswelt. Wer morgens barfuß durch den Sand läuft und am Nachmittag in der Normobaria sitzt, erlebt zwei sehr unterschiedliche Seiten derselben Idee: Ruhe, Regeneration und eine bewusste Auszeit vom Alltag.

Anreise Unser Tipp: Anfahrt mit dem Auto, im Hotel kann man auch Fahrräder ausleihen (Info an der Rezeption).

Weitere Infos, auch über jahreszeitlich im Preis unterschiedliche Angebote, gibt es auf der Homepage des Hotels.

Fazit: Das Wydma ist kein riesiger Ferienkomplex, sondern ein vergleichsweise intimes, ganzjährig geöffnetes Wellnesshotel. Die Zimmer verfügen teilweise über Balkon oder Terrasse, viele blicken auf den Küstenpark. Zum Hafen und zur Mündung der Rega sind es nur wenige Minuten. Im Restaurant werden Frühstück und Abendessen als Buffet angeboten. Gerade nach einem langen Strandspaziergang ist der Wellnessbereich mit Hallenbad, Whirlpool, Sauna und Salzgrotte eine angenehme Ergänzung.

Ausflugstipp Trzebiatów – ein pommersches Kleinod an der Rega

Nur rund zehn Kilometer vom Resort Wydma Spa entfernt liegt Trzebiatów, das frühere Treptow an der Rega. Wer im Wydma Resort seinen Urlaub verbringt, sollte unbedingt einen Abstecher in die bezaubernde Kleinstadt machen. Denn während an der Ostsee Strand, Dünen und Badeleben dominieren, begegnet man in Trzebiatów auf Schritt und Tritt der jahrhundertealten Geschichte Pommerns.TrebiatowTreptowanderRegaPolenPommern

Das Zentrum hat sich seinen mittelalterlichen Stadtgrundriss weitgehend bewahrt. Mittelpunkt ist der große rechteckige Marktplatz, umgeben von historischen Bürgerhäusern. Besonders sehenswert ist das Rathaus. Der heutige Bau entstand 1701, nachdem der Vorgänger 1696 einem Brand zum Opfer gefallen war. Gotische Arkaden erinnern noch an das ältere Rathaus.

Über der Stadt thront der Turm der mächtigen Marienkirche – Die Kirche zur Mutterschaft der Heiligen Jungfrau Maria. Der Backsteinbau entstand zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert und besitzt einen rund 90 Meter hohen Turm. Er war einst sogar über größere Entfernung ein Orientierungspunkt für die Schifffahrt. Im Inneren finden sich historische Grabplatten, Epitaphien, Gestühl, Glasfenster und eine wertvolle Orgel.

Ein Spaziergang führt anschließend zur mittelalterlichen Stadtbefestigung. Besonders auffällig ist der Grütz- oder Pulverturm, ein erhalten gebliebener Wehrturm. Zusammen mit Teilen der Stadtmauer vermittelt er einen Eindruck davon, wie befestigt Treptow einst war.

Auch das ehemalige Herzogsschloss lohnt den Besuch. Der Pałac Książęcy w Trzebiatowie geht in seinen Ursprüngen bis ins Mittelalter zurück und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Heute ist der Palast ein kultureller Ort der Stadt.Polen.Trebiatow.Hansken

Doch Trzebiatów besitzt auch eine ungewöhnliche Geschichte, die man beim Rundgang kaum übersehen kann: die Elefantin Hansken. 1639 kam das exotische Tier auf einer europäischen Reise nach Treptow und wurde zur Sensation. Noch heute erinnern ein Sgraffito und mehrere Darstellungen an die Elefantin. Die Stadt hat Hansken sogar zu einem Symbol ihrer touristischen Vermarktung gemacht; seit 2020 gibt es ein großes Hansken-Mural.

Polen.Trebiatow.Hansken

Eine Infotafel erklärt alle Stationen der „Elefantentour“, hier das jahrhundertealte Sgrafitti.

Besonders schön ist es, sich einfach treiben zu lassen: durch die engen Straßen, vorbei an Backstein, alten Bürgerhäusern und Resten der Stadtmauer. Trzebiatów wirkt nicht wie ein herausgeputztes Freilichtmuseum, sondern wie eine gewachsene pommersche Stadt, in der Vergangenheit und Gegenwart nebeneinander existieren.

Und dann ist da die Rega. Der Fluss, der Trzebiatów seinen Beinamen gab, verbindet die Stadt mit dem nahe gelegenen Ostseebad Mrzeżyno. So lässt sich ein Besuch wunderbar mit dem Aufenthalt an der Küste verbinden: morgens Ostseeluft und Strand, nachmittags mittelalterliches Pommern in Trzebiatów. Und Abends dann ein Konzert in der Kirche von Treptow an der Rega (es liegt in Sichtnähe des Hotels).

Im sommer erlebten wir in Mrzenyo Konzerte am Strand und fuhren mit dem Riesenrad. der kleine Ort mit dem Resort Wydma Spa lohnt zu jeder Jahreszeit.