Thematische Führungen der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, wie sie im Veranstaltungskalender zu finden sind, können in kleinen Gruppen stattfinden. Interessierte werden gebeten, sich telefonisch im entsprechenden Schloss anzumelden. Aktuelle Informationen finden Sie online im Veranstaltungskalender: www.gartenreich.de/de/aktuelles/veranstaltungen
Holland liegt inmitten des Gartenreiches
Schloss Oranienbaum wird aufgrund seiner dynastischen Verbindungen zu den Niederlanden und seiner Einrichtung gern und zurecht als „ein kleines Stück Holland“ bezeichnet. Seine Erbauerin ist die aus dem Haus Oranien-Nassau stammende Prinzessin Henriette Catharina. Sie ließ die Anlage ab 1682 als Sommersitz errichten und beauftragte damit den niederländischen Baumeister Cornelis Ryckwaert. Er verlieh dem Bau eine deutlich holländische Handschrift.
Die einst überreiche Innenausstattung mit kostbaren Ledertapeten, Fayencen und bedeutenden Gemälden und nicht zuletzt der vollständig mit holländischen Kacheln geflieste Sommerspeisesaal verliehen der Anlage einen Glanz, den Sie noch heute spüren können. Ein unbedingtes Muss bei einem Besuch: der Spiegelkristallsaal mit seinen ungewöhnlichen modernen Objekten des niederländischen Glaskünstlers Bernhard Heesen.
Tickets können unter https://www.gartenreich.de/de/schloesser-u-gaerten/oranienbaum reserviert werden.
Italien im Gartenreich
Das milde Klima, die landschaftlichen Schönheiten und besonders die kulturellen Schätze ziehen seit jeher Menschen aus ganz Europa nach Italien. Auch Fürst Franz von Anhalt-Dessau brach 1765 in den Süden auf. Nach seiner Rückkehr ließ er viele Reiseeindrücke dreidimensional entstehen und machte diese seinen Zeitgenossen zugänglich. Die Fassade des Wörlitzer Schlosses hat antike Vorbilder, im Innern gibt es eine Sammlung antiker Skulpturen und Gemälde italienischer Meister.
Eine Fassade des Gotischen Hauses ist der Kirche Madonna dell’Orto in Venedig nachgebildet, der Venustempel geht auf eine antike Ruine in Tivoli zurück. Auf dem Elbdeich ließ der Fürst ein kleines Pantheon errichten und stellte dort eine antike Skulpturengruppe auf. Es entstand im Ostteil des Wörlitzer Parks eine regelrechte italienische Partie, bis hin zu einer Nachbildung des Vesuvs. Und das Piemonteser Bauernhaus in der Nähe kann heute als Ferienhaus gemietet werden.
Südsee im Gartenreich Dessau-Wörlitz
Von Beginn an verband sich die Gestaltung des Wörlitzer Parks mit der Absicht zur Bildung – Hauptgrund dafür, die Anlagen jedermann zugänglich zu machen. So wurde Wörlitz ein „Spiegel der Weltkulturen“. Im Vordergrund des Interesses und der künstlerischen Reflexion stand die Antike. Doch auch China und die Südsee rückten gedanklich nahe, zumal Weltreisende wie James Cook und Georg Forster ihre gerade gewonnenen Erkenntnisse durch Sammlungen und Publikationen verbreiteten.
Georg Forster und die Wörlitzer Südseesammlung
Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz ist stolz, ihren Besucher*innen die erste Georg-Forster-Dauerausstellung der Bundesrepublik Deutschland präsentieren zu können. Sie birgt eine der ältesten Sammlungen an Gegenständen, die je von Polynesien nach Europa kamen – und bildet die Lebensart der Menschen auf den Südseeinseln vor und zu Beginn der Europäisierung ab.
Fürst Franz von Anhalt-Dessau und seine Gattin Louise hielten sich im Oktober 1775 während einer dreimonatigen Englandreise in London auf. Dort erfuhren sie von den Südsee-Abenteuern zweier Deutscher, die kurz zuvor von einer 1111 Tage langen Weltreise an Bord des Schiffs des berühmten James Cook zurückgekehrt waren: Johann Reinhold Forster und sein Sohn Georg.
Von ihnen erhielt das Fürstenpaar Geschenke der besonderen Art: eine Karte der Weltumsegelung sowie 42 Alltagsgegenstände aus der Südsee, welche die Forsters über den friedlichen Weg des Tausches auf ihrer Reise erhalten hatten. Georg Forster persönlich katalogisierte die Objekte für den Fürsten bei einem Besuch in Wörlitz 1779.
31 Stücke dieser Sammlung aus Schmuck, Taschen, Stoffen und Werkzeugen aus dem heutigen Tonga, Tahiti und Neuseeland haben sich in Wörlitz erhalten. Nach 25 Jahren im Depot und umfassender Restaurierung sind sie nun in der Dauerausstellung „Rückkehr ins Licht. Georg Forster und die Wörlitzer Südseesammlung“ wieder zu erleben und erzählen Geschichten einer über 250 Jahre zurückliegenden Kultur vom anderen Ende der Welt.
Die Wörlitzer Südseesammlung ist ein Schatz von großem ethnologischem Wert. Es sind Zeugnisse der polynesischen Lebenswelt um 1770, wie sie heute in den Ursprungsländern nicht mehr zu finden sind. Georg Forster war 17 Jahre alt, als sein Vater ihn mit an Bord der zweiten Expedition James Cooks nahm. Auf der Reise zur Vermessung des Pazifischen Ozeans war es an ihnen, „Gegenstände der Naturgeschichte zu sammeln, zu beschreiben und zu zeichnen“. Mit diesem wissenschaftlichen Auftrag betraut, brachten sie tausende Naturalien, Artefakte und Zeichnungen mit nach Europa.
In seinem Journal „Reise um die Welt“ bündelte Georg Forster seine Erlebnisse und kritischen Erkenntnisse dieser Reise. Bis heute gilt er als Begründer der modernen Reiseliteratur. Sein Reisebericht machte ihn berühmt: Kein Deutscher vor den Forsters hatte mehr von der Welt gesehen! Über 50 Inseln hatten sie besucht, ein Dutzend ozeanischer Kulturen kennengelernt, mehr als 600 bis dahin unbekannte Tier- und Pflanzenarten entdeckt. Ihre Aufzeichnungen klärten damals wie heute sowohl über die Herkunft der mitgebrachten Objekte, als auch über ihren Gebrauch auf
Um die Südsee zu entdecken, muss man also nicht weit fliegen. Ein Ausflug in die Ausstellung „Rückkehr ins Licht – Georg Forster und die Wörlitzer Südseesammlung“ im Mezzanin des Schlosses Wörlitz reicht vollkommen, um Zeugnissen aus dem pazifischen Inselreich zu begegnen.
(Geöffnet Do-So von 10-18 Uhr – Reservierung unter www.gartenreich.de empfohlen)




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