Von Jörg Berghoff
In der niederländischen Provinz Drenthe liegt mit der Proefkolonie in Frederiksoord der Ursprung des niederländischen Sozialstaates. Ein Museum und eine großer Außenbereich kann besichtigt werden.
Was macht die UNESCO-Welterbestätten so besonders? Als weltweit agierende Organisation verbindet die UNESCO nicht nur Einzelorte, sondern auch Nationen, Kulturen und Menschen miteinander. So liegt zum Beispiel das Wattenmeer in den Niederlanden, in Deutschland und in Dänemark. Das Gleiche gilt für Teile der „Kolonien der Barmherzigkeit“, die sowohl in den Niederlanden als auch in Belgien liegen. Die 1818 zur Armutsbekämpfung errichteten Siedlungen Frederiksoord, Wilhelminaoord und Veenhuizen im Norden der Niederlande sowie die Siedlung Wortel in Flandern gehören seit dem Jahr 2021 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Kolonien der Barmherzigkeit sind eng verknüpft mit der Entwicklung der modernen niederländischen Gesellschaft.

Die Häuser für die armen Familien waren einfach und pragmatisch gebaut.
Der Ursprung des niederländischen Sozialstaates
Im Jahr 1818 gründete General Johannes van den Bosch die Kolonien der Wohltätigkeit. Arme Familien, Bettler und Obdachlose konnten in eine der Kolonien ziehen, dort erhielten sie ein eigenes Haus, ein Stück Land zur Bewirtschaftung und Schulbildung für ihre Kinder. Damit wurde ihnen ein besseres Leben versprochen. Die meisten Kolonisten kamen nach Drenthe, insbesondere nach Frederiksoord, Wilhelminaoord und Veenhuizen. Es gibt jedoch auch Kolonien in Overijssel und in Flandern. Seit 2021 besitzen die Kolonien in Veenhuizen, Frederiksoord, Wilhelminaoord und Wortel (Belgien) den Status als UNESCO-Welterbe. Frederiksoord ist der Ort, an dem die besondere Geschichte der Kolonien der Wohltätigkeit begann. Hier wurden die ersten Koloniehäuser gebaut, in denen arme Familien aus den Großstädten die Chance auf ein besseres Leben erhielten. Das Versprechen eines eigenen Hauses, Arbeit und Schulbildung für die Kinder führte in den ersten Jahren zu zahlreichen freiwilligen Anmeldungen.
De Proefkolonie in Frederiksoord – 5 Jahre UNESCO-Welterbe
Im Museum De Proefkolonie entdeckt man während einer multimedialen Zeitreise die Ursprünge des niederländischen Sozialstaates. Auch ein Rundgang durch die historische Siedlung mit ihren Häusern, Schul- und Verwaltungsgebäuden ist hier lohnenswert, nicht zuletzt ein Aufenthalt in der Cafeteria und dem Restaurants in der Anlage, denn die lokale gesunde Küche wird hier groß geschrieben.

In der Proefkolonie bekamen die Kinder Unterricht in Rechnen, Lesen und Schreiben. Foto: Jörg Berghoff
Kulinarik in Havelte
Auch im nahen Havelte im Restaurant Ludiek wird mit hochwertigen Zutaten gearbeitet und im Einklang mit den Jahreszeiten gekocht. Alle Speisen entstehen in eigener Handarbeit direkt in der Küche. Nachhaltigkeit und ein respektvoller Umgang mit den Produkten stehen dabei im Mittelpunkt. Das Restaurant arbeitet eng mit regionalen Lieferanten zusammen, zudem werden Gemüse und Kräuter im hauseigenen Garten angebaut. Für seine kulinarische Qualität und sein besonderes Konzept wurde das Ludiek zudem in den renommierten Restaurantführer Gault & Millau aufgenommen – eine Auszeichnung, die die Leidenschaft für Gastronomie, Qualität und echte Gastfreundschaft unterstreicht.

Das moderne Museum De Proefkolonie besitzt einen großen Gartenbereich mit Außengastronomie.
Weitere Informationen: www.besuchdrenthe.de und https://proefkolonie.nl/de
Text/Fotos: ©Jörg Berghoff
Niederlande haben (als Königreich der Niederlande einschließlich Curaçao) haben 13 UNESCO-Welterbestätten. Davon liegen 12 in den Niederlanden selbst und eine auf Curaçao.
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