Die Orgel aus dem 18. Jahrhundert war das prachtvollste Musikinstrument in Schlesien zu damaliger Zeit – sowohl in Hinblick auf die musikalischen Vorzüge als auch auf das Aussehen. Am 9. Juni 1976 wurde sie bei einem Brand vollständig zerstört. Die Rekonstruktion ist fast abgeschlossen – am 27. Januar 2022 wird das Instrument nach 46 Jahren zum ersten Mal wieder erklingen. Die Orgel wird auch „Stimme Schlesiens“ genannt.

Der Bau der als „Stimme Schlesiens“ berühmten Orgel wurde 1750 von Michael Engler begonnen und 11 Jahre später von seinem Sohn Gottlieb Benjamin Engler und seinem Schwiegersohn Gottlieb Ziegler fertiggestellt.

Die rekonstruierte Englers Orgel erklingt wieder

fot. Tomasz Hołod/www.wroclaw.pl

Die „Königinder Instrumente“ war mit 54 klingenden Stimmen und einem Register aus Glocken und Naturpauken ausgestattet. Für Bewunderung sorgte ihre dekorative Front – der vergoldete und farblich gefasste Prospekt, der mit Holzfiguren von Engeln und Propheten des Alten Testaments geschmückt war. Bis in die 1970er Jahre verfügte das Instrument bereits über 91 Stimmen, nahm eine Fläche von etwa 115 Quadratmeter im hinteren Teil des Kirchenschiffs ein, ihre Spannweite den Pfeilern des Kirchenschiffs lag bei 9,6 Meter.

Die rekonstruierte Englers Orgel erklingt wieder

fot. Tomasz Hołod/www.wroclaw.pl

Wie Phönix aus der Asche

Die jahrhundertelange Geschichte der Engler-Orgel wurde durch einen Brand unterbrochen, der die Basilika St. Elisabeth am 9. Juni 1976 zerstörte. Von der Orgel blieben teilverbrannte Figuren und Ornamente übrig, die sich nach Jahren als nützlich erwiesen, um das Material und einige stilistische Merkmale der Dekoration zu identifizieren. Im Jahr 2011 wurde der Beschluss gefasst, die Orgel zu rekonstruieren. 2017 wurden die ersten Ausschreibungen veröffentlicht, 2018 wurde ein Konsortium ausgewählt, das mit der Rekonstruktion beauftragt wurde. Die Arbeiten begannen im Jahr 2020. Zuerst wurde anstelle des Fußbodens ein Sockel aus Eichenholz errichtet, anschließend die Tragkonstruktion montiert und die Leitungen (Brandschutz und Elektrizität) verlegt. Parallel dazu wurden das Orgelgehäuse farblich gefasst und die Ornamente und Skulpturen rekonstruiert.

An der Rekonstruktion beteiligt waren mehr als 200 Bildhauer, Maler und Zimmerleute. Maßgefertigt wurden außerdem die Spielelemente des Instruments wie z.B. die Pfeifen. Die größte Pfeife der rekonstruierten Orgel ist 12 Meter hoch, die kleinste 6 Millimeter. Maßgeblich an der Rekonstruktion beteiligt ist die Bonner Orgelbauer Klais. Die Firma kümmert sich um die Trakturen und Spieltische, um die Windanlage und das Pfeifenwerk und intoniert  das Instrument.  Hier geht es zur Homepage der Orgelbaufirma.

Orgel gilt als Wrocławs Schatz

Interessanterweise soll die Orgel in den ersten zehn Jahren Eigentum der Stadt bleiben. Warum eigentlich? Der Stadtrat Włodzimierz Patalas erklärt: – „Ursprünglich hatte die Stadt keine Grundlage, das Instrument zu rekonstruieren, da die Fläche der Kirche, in dem es sich befand, kein Eigentum der Gemeinde war. Sie musste zuerst gepachtet werden, um das Projekt durchführen zu können – die Pachtdauer beträgt 10 Jahre, so lange gilt auch die vom Konsortium gewährte Garantie. – „Es wird mit Sicherheit eines der besten Instrumente in Europa sein, eine echte Vertreterin der barocken Welt, es gibt nur wenige solche Orgeln, die bis heute erhalten geblieben sind“ – bemerkte Andrzej Lech Kriese, Orgelbauer und Vertreter des Konsortiums, das die Ausschreibung gewonnen hat und von der Stadt Breslau mit dem Wiederaufbau des Instruments beauftragt wurde.

Die rekonstruierte Englers Orgel erklingt wieder

fot. Instytut Herdera

Es handelt sich um das weltweit größte Vorhaben dieser Art in der Nachkriegszeit. Seine Kosten belaufen sich auf rund 20 Millionen PLN. Alle Interessierten können ihren Klang einen Tag später – am 28. Januar – hören. Die Rekonstruktion konnte sich u. a. auf eine Beschreibung stützen, die angefertigt worden war, als während der napoleonischen Belagerung Breslaus drei Artilleriegeschosse die Orgel getroffen hatten.  In der Folge war zusammen mit den entstandenen Verlusten auch der Bau des Instruments dokumentiert worden. Außerdem hatte man im Herder-Institut in Marburg die Fotos, die der schlesische Denkmalpfleger Günther Grundmann 1942 bei Konservierungsarbeiten angefertigt hatte, wieder aufgefunden. Grundmann hatte sie 1945 mit seiner Sammlung von Fotos schlesischer Baudenkmäler zunächst mit nach Hamburg genommen.

Breslau.Polen

Blick in das Innere der Elisabethkirche Foto: Weirauch

Von Mailand nach Wrocław

Auf der rekonstruierten Orgel in Wrocław wird Lorenzo Ghielmi spielen – italienischer Organist, Dirigent und Musikwissenschaftler. Er hat sich auf die Aufführung von Renaissance- und Barockmusik spezialisiert. Er ist Titularorganist an der Mailänder Basilika San Simpliciano.  Er wird Werke von Nicolaus Bruhns, Dieterich Buxtehude und Johann Sebastian Bach spielen.

Die rekonstruierte Englers Orgel erklingt wieder

fot. Janusz Krzeszowski/www.wroclaw.pl

Rekonstruierte Engler Orgel erklingt wieder

Am 27. (Donnerstag) und 28. Januar (Freitag) erklingt in der Basilika Minor St. Elisabeth (Garnisonkirche), in der ul. Świętej Elżbiety 1/2, zum ersten Mal seit 46 Jahren wieder die legendäre „Stimme Schlesiens“ – die Engler-Orgel.

Die rekonstruierte Englers Orgel erklingt wieder

fot. Marcin Wiktorski

online unter www.wroclaw.pl 

Hier der Link

Am 28. Januar gibt Lorenzo Ghielmi ein offenes Konzert für die Bürger von Wrocław. Das Konzert beginnt um 19.00 Uhr (Einlass nach der Messe ab 18.30 Uhr) und dauert ca. eine Stunde; es wird ebenfalls live auf der Internetseite der Stadt übertragen.

Tipp: Aufstieg auf den Turm und Blick über Breslau/Wroclaw

Die Aussichtsplattform ist einer der beliebtesten touristischen Objekte in der Nähe des Breslauer Ryneks. Enge, gewundene Treppen führen hinauf. Der mehr als 90 Meter hohe Kirchturm ist von April bis Oktober für Besucher geöffnet. Karten gibt es direkt am Turmeingang.

Aufgang zum 94 Meter hohen Kirchturm

Vor der Elisabethkirche halten Zwerge Feuerwache

Breslau Polen

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