Edles Ambiente für eine wichtige Initiative zur Verkehrswende im Land Brandenburg. Der Rahmen war perfekt gewählt. Im Kaiserbahnhof (Bahnhof Park Sanssouci) gründeten am Freitag (13.Februar) 13 Institutionen und Verbände aus dem Bereich Mobilität des Landes Brandenburg das „Bündnis für Mobilität Brandenburg“. Was für ein Omen ! Hoffentlich ein gutes ! Das Bündnis soll die Umsetzung des Brandenburger Mobilitätsgesetzes begleiten, so der Wunsch. In Sitzungen und Werkstätten solle man Fachwissen einbringen und Planungs- und Entscheidungsprozesse der Politik unterstützten. Im Verkehrsministerium gibt es eine Schnittstelle zwischen den Verkehrsträgern, Verbänden und Institutionen.
Bündnis für Mobilität will Verkehrswende gestalten

Mitglieder des Bündnis für Mobilität Brandenburg in der einstigen Gleishalle des historischen Kaiserbahnhofes Foot: Weirauch
Nach den Worten von Detlef Tabbert, Minister für Infrastruktur und Landesplanung, gehe es darum, das vomLandtag beschlossene Mobilitätsgesetz mit Leben zu erfüllen, um die Ziele der Verkehrswende und der Klimaneutralität zu erreichen. „Dazu ist es erforderlich, ein möglichst breites Fachwissen zu konsultieren und das Thema Mobilität aus vielen Blickwinkeln zu betrachten. Ich denke dabei auch an jene Expertinnen und Experten, die jeden Tag beruflich oder ehrenamtlich im Bereich Mobilität engagiert sind.“
Zu den Mitgliedern im Bündnis für Mobilität Brandenburg gehören neben dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL): ADAC BE-BB, Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Landesverband Brandenburg e. V., Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Landesgruppe Ost (VDV Ost) , Verkehrsclub Deutschland e.V., Städte- und Gemeindebund Brandenburg (StGB BB), Landkreistag Brandenburg e.V. (LKT BB), Volksinitiative „Verkehrswende Brandenburg jetzt!“ (VI), Landesverkehrswacht Brandenburg e.V. (LVW BB), Bündnis Schiene Berlin-Brandenburg (BSBB), Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Berlin-Brandenburg e.V. (LVKM BB) sowie Fuss e.V. Brandenburg (FUSS BB),
Weitere Informationen hier auf der Homepage: https://mil.brandenburg.de/mil/de/themen/mobilitaet-verkehr/buendnis-fuer-mobilitaet-brandenburg/
Hier drei Stimmen von Teilnehmern:
Bündnis Schiene Berlin-Brandenburg
Für das Bündnis Schiene äußert sich Hans Leister wie folgt: „Das Bündnis Schiene Berlin-Brandenburg als breiter Zusammenschluss von Verbänden und Gebietskörperschaften hat sich gegründet, um eine bessere Schienenanbindung als elementare Voraussetzung für die Entwicklung der Region voranzubringen. Natürlich arbeiten wir mit beim Bündnis für Mobilität des Brandenburger Infrastruktur-Ministeriums und freuen uns auf die Zusammenarbeit!“
Landesverband für Menschen mit körper- und mehrfachen Behinderungen
Anja Binder vom Landesverband für Menschen mit körper- und mehrfachen Behinderungen Berlin Brandenburg e.V.: „Wir vertreten als Landesverband die Interessen von Menschen mit Behinderungen. Wer Wege, Verkehrsmittel oder Räume unzugänglich lässt, schließt Menschen aus. Barrierefreiheit ist kein Gefallen, sondern Gerechtigkeit. Mobilität bedeutet Selbstbestimmung, Teilhabe und Freiheit im Alltag – dafür setzen wir uns im Bündnis für Mobilität ein!“

Nadja Bahro vom Landesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen Berlin-Brandenburg e.V. Foto: Weirauch
Iinitiative „Verkehrswende Brandenburg jetzt!“ (VI)
Anja Hänel, Koordinatorin des Bündnis Verkehrswende Brandenburg: „Das Mobilitätsgesetz, für das wir gekämpft haben, ist eine gute Rechtsgrundlage für eine klima- und sozialverträgliche Mobilität in Brandenburg. Jetzt müssen konkrete Maßnahmen zur Förderung von Bus, Bahn und Radverkehr folgen. Im Bündnis für Mobilität werden wir uns dafür einsetzen, die Ressourcen entsprechend zu priorisieren, damit die Menschen überall in Brandenburg attraktive Alternativen zum Auto bekommen.“
Es bleibt noch viel zu tun: Beispiel Bahnhof Marquardt
Zum Thema fehlender Barrierefreiheit der in den letzten Jahren mit viel Aufwand errichteten Mobilitätsdrehscheibe am Bahnhof Potsdam-Marquardt, sagte Hartwig Rolf , Abteilungsleiter Verkehr des Brandenburger Minsteriums für Infrastruktur und Landesplanung, dass man mit der Stadt, der DB und anderen Beteiligten im Gespräch sei, um im Rahmen der für 2028 dort vorgesehenen Höherlegung der Bahnsteige erste Ergebnisse der Planungen für Lösung für eine Unter- oder Überführung zu präsentieren. Mit der schrittweisen Fertigstellung des Wohngebietes Krampnitz sollen künfig immer mehr Passagiere in Marquardt die Züge Richtung Potsdam-Stadt, Berlin-Gesundbrunnen (RB21) sowie Griebnitzsee und Hennigsdorf (RB20) als Umsteigepunkt nutzen können. Derzeit sind die Bahnsteige nur über einen in die Jahre gekommenden verrosteten Übergang erreichbar, für Kinderwagen, Fahrräder oder Rollatoren sowie Rollstühle gibt es keine Chanche des barrierefreien Überquerens. Unlängst habe es wieder einen Vor-Ort-Termin mit dem Beigeordneten der Stadt Potsdam, Ortsbürgermeister und Vertretern der Bürgerinitiative gegeben, sagte er. Weitere Gespräche sollen folgen.

Der arg lädierte Übergang über die stark befahrene Strecke Berlin-Gesundbrunnen und Potsdam, zu den mehrmals hier haltenden Regios kommen viele Güter- und Umleiterzüge.. Foto: Weirauch

Seit Jahren kämpft eine Initiative unter Leitung von Josef Grütter und Wolf-Peter Fritsche für einen barrierefreien Übergang. Foto: Weirauch
Das mit Fördermitteln und gemeinsamen Anstrengung von Land und Gemeinde am Freitag eröffnete Fahrradparkhaus am Bahnhof Wustermark ist ein Baustein für die Verknüpfung von Radverkehr und ÖPNV im Land. Darauf müssen die Marquardter aber noch warten. Für den lange geplanten Radweg zwischen den nördlichen Ortsteilen (Fahrland – zur Mobilitätsdrehscheibe) sei die Stadt Potsdam zuständig, wurde am Rande der Veranstaltung mitgeteilt.
Fahrradparkhaus Wustermark
In Wustermark gibt es seit kurzem eine Fahrradabstellanlage in Holzbauweise. Mit 174 neuen, komfortablen Stellplätzen, Abstellmöglichkeiten für Lastenräder und Kinderanhänger und modernen Doppelstockparkern bietet die Anlage Pendlerinnen und Pendlern einen attraktiven Service für den Alltag und erleichtert den Umstieg vom Fahrrad auf den ÖPNV und umgekehrt. Das Fahrradparkhaus Wustermark setzt in mehrfacher Hinsicht neue Maßstäbe, lobte Verkehrsminister Tabbert. Es verbindet den modularen Ansatz und eine Holzbauweise mit Photovoltaikmodulen, LED-Beleuchtung, Videoüberwachung, digitalem Zugangssystem und begrüntem Umfeld. Das Vorhaben ist Teil des Pilotprojekts „Modulares Fahrradparken“ im Land Brandenburg, an dem 12 Kommunen mit 13 Bahnstationen beteiligt sind und in dessen Folge landesweit mehr als 2450 neue Fahrradabstellplätze entstehen. Es wurde gemeinsam von Bund, Land, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), infraVelo und der Gemeinde Wustermark umgesetzt. Die Förderung des Fahrradparkhauses erfolgte durch das Sonderprogramm „Stadt und Land“ des Bundes, die Richtlinie ÖPNV-Invest des Landes Brandenburg, gesonderten Projektmitteln des Landes Brandenburg für das Pilotprojekt sowie das Land Berlin.Insgesamt konnten so 90 Prozent der zuwendungsfähigen Baukosten in Höhe von rund 954.000 Euro gefördert werden. Die darüberhinausgehenden Kosten trägt die Gemeinde Wustermark mit Eigenmitteln.
Historie zum Kaiserbahnhof
Der Kaiserbahnhof wurde 1909 für Kaiser Wilhelm II. als Hofstation an der Bahnstrecke Potsdam–Magdeburg eröffnet. Das im englischen Cottage-Stil aus Sandstein (Architekt Eberhard von Ihne) von 1906 bis 1909 erbaute Gebäude diente für Reisen der kaiserlichen Familie und für den Empfang hochrangiger Gäste. Mit der parkartigen Gestaltung der unmittelbaren Umgebung des „Kaiserbahnhofes“ band der Architekt die Anlage in die Parklandschaft des benachbarten Neuen Palais ein, in dem Wilhelm II. samt Hofstaat während der Sommermonate residierte. Die unter Denkmalschutz stehende Anlage besteht aus einem repräsentativen Empfangsgebäude und einer Bahnsteighalle.

Blick in die Gleishalle, die für Tagungen genutzt wird. Foto: Weirauch
Nach jahrzehntelangem Verfall wurde das Gebäude 2005 nach aufwendiger Restaurierung wieder eröffnet. Das historische Gebäude wird als Akademie für Führungskräfte der Deutschen Bahn genutzt. In der ehemaligen Empfangshalle für den „Reisekaiser“ stehen zwei restaurierte Waggons, ein 1901 gebauter Salonwagen gehörte einst zum kaiserlichen Hofzug des Kaisers. Insgesamt umfasst die DB-Führungsakademie 6000 Quadratmeter, ein großer Teil davon in einem unterirdischen Neubau. Von oben sind lediglich gläserne Ein- und Ausgänge unter den alten Bäumen zu sehen. Das auch mit Fördermitteln restaurierte Denkmal ist leider nicht öffentlich zugänglich. 
Hinterlasse einen Kommentar