Einer der bekanntesten Kurorte in Deutschland ist Bad Wildungen im Waldecker. Der nordhessische Ort hat mehr Kurgäste als Einwohner.

Bad Wildungen hat mehr als 15 Kliniken

In der Tat gibt es in dem hessischen Stadtbad mit seinen Ortsteil Reinhardshausen mehr als 15 renommierte Kliniken und Sanatorien. Einige davon, wie die „Reinhardsquelle“ sowie die „Helenenquelle“, sind bereits seit 100 Jahren in Familienbesitz. Bad Wildungen gilt damit als der größte Reha-Standort in Deutschland.

Sonnenbeschienen präsentiert sich die Reha-Klinik „Reinhardsquelle“ im Ortsteil Reinhardshausen © - / D. Weirauch

Sonnenbeschienen präsentiert sich die Reha-Klinik „Reinhardsquelle“ im Ortsteil Reinhardshausen Foto: D. Weirauch

 Lange Tradition als Kurbad

Berühmt wurde Bad Wildungen einst vor allem durch die Therapie von urologischen Erkrankungen. Jahrzehntelang nutzten Ärzte europaweit die von Dr. Ludwig Zeiss im heutigen Ortsteil Reinhardshausen entwickelte „Zeiss`sche Schlinge“, mit der Harnleitersteine ohne Operation entfernt werden konnten. Medizin- und Kurgeschichte lässt sich anschaulich in dem im „Quellenmuseum“ in der Wandelhalle des Kurparkes von Bad Wildungen nacherleben.

Bad Wildungen und sein Reizklima

Die Wildunger-Badekur ist auch nach der Gesundheitsreform Mitte der 1990er Jahre neben Reha-Behandlungen eine anerkannte ganzheitliche Behandlungsform. In den letzten 30 Jahren hat sich das Spektrum erweitert. Berühmte Ärzte praktizieren in den verschiedenen Disziplinen. Neu hat sich die Komplementärmedizin, so im Juli-Institut, etabliert. Das Spektrum reicht von Orthopädie, Psychosomatik, Urologie,  Herz- und Kreislaufmedizin bis zur Behandlungen von rheumatischen Erkrankungen. Der angestrebte Heilerfolg wird durch das milde Reizklima inmitten der waldreichen Umgebung befördert.

In der schmucken Villa „Concordia“ an der Dr.Born-Straße ist das Juli-Institut für integrative Medizin beheimatet © - / D.Weirauch

In der schmucken Villa „Concordia“ an der Dr.Born-Straße ist das Juli-Institut für integrative Medizin beheimatet Foto: Weirauch

 Wanderungen in den Kellerwald

Eine famose Gegend lädt ein. Besucher nutzen die von Hügeln umgebene Stadt gern als Ausgangspunkt für Ausflüge zum Edersee oder in den nahen Nationalpark Kellerwald. Unternehmen kann man viel, von Wanderungen, Kanu- oder Radtouren über Besuche in Parks und Gärten bis zu Theaterveranstaltungen und Konzerten der Kurkapelle. Für jeden Geschmack ist etwas dabei.

Nationalpark Kellerwald - Edersee

Hunde müssen im Nationalpark angeleint sein, Foto: D. Weirauch

 Malerische Altstadt

Bad Wildungen wirbt mit einem Superlativ: Der Kurpark ist der größte in Europa. Auch sonst bezaubert das Heilbad mit vielen Reizen: Malerische Fachwerk-Altstadt, verspielter Jugendstil und prachtvoller Barock und zahlreiche heilende Quellen.Hotels- und Pensionen wie Maritim und Goebel`s betreiben Dependancen in Bad Wildungen und Reinhardshausen. Auffällig ist bei einem ersten Besuch der „Fürstenhof“, ein imposanter schlossartiger Bau im Stil des Neobarock. Um 1910 als Luxushotel erbaut, ist heute darin eine Klinik der Asklepios-Gruppe untergebracht. Gegenüber befindet sich ein Rundbunker, den man wie auch andere der einst 13 Bunkeranlagen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges, im Rahmen von regelmäßig angebotenen Führungen besichtigen kann. Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die Altstadt mit der von prächtigen Gründerzeitvillen gesäumten Brunnenallee ist der Kurschattenbrunnen. Der Brunnen bildet das Zentrum der Promenade zwischen Altstadt und Kurviertel. Zur Einweihung des Brunnens im Oktober 1987 kamen rund 10.000 Besucher.

Treffpunkt Kurschattenbrunnen

Im Quellenmuseum im Kurpark erfährt man, dass damals bundesweit heftig über die angeblich frivolen Brunnenfiguren diskutiert wurde. Den Mittelpunkt der Brunnenanlage bildet der „Menschenknoten“, eine Gruppe von stehenden nackten Personen, unterhalb derer die Wasserspeier angebracht sind. Nichtsdestotrotz: der Kurschattenbrunnen ist beliebtester Treffpunkt. Auch alle Buslinien beginnen und enden an dem zentralen Ort.

Bad Wildungen, Hessen Der Kurschattenbrunnen in Bad Wildungen stellt das Phänomen des Kurschattens plastisch dar. Den Brunnen gestalteten Karin Bohrmann-Roth sowie Georg Roth und Hans-Ulrich Plaßmann © - / D.Weirauch

Der Kurschattenbrunnen in Bad Wildungen stellt das Phänomen des Kurschattens plastisch dar. Den Brunnen gestalteten Karin Bohrmann-Roth sowie Georg Roth und Hans-Ulrich Plaßmann Foto: D.Weirauch

Wir gehen an der Buchhandlung vorbei Richtung Kirche und sehen links und rechts Fachwerkhäuser, die an Quedlinburg im Harz erinnern. Bad Wildungen ist eine Station der Deutschen Fachwerkststraße.

 Besuch in der Stadtkirche

Im Zentrum der Altstadt steht die evangelische Stadtkirche, eine spätgotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert. In ihr befindet sich der 1403 oder 1404 entstandene Flügelaltar von Conrad von Soest (er lebte von 1370 bis 1422). Dieses Kunstwerk ist einer der bedeutendsten Flügelaltäre der Spätgotik und gilt als einziges mit Sicherheit von dem westfälischen Meister geschaffenes Werk. Man kann stundenlang vor dem Altar verweilen und entdeckt immer wieder etwas Neues. Aufgeklappt ist der Altar fast sechs Meter breit. Der Mittelteil zeigt den Kalvarienberg mit einer eindrucksvollen Kreuzigungsszene, umrahmt von vier kleinformatigen Bildern. Im rechten Teil, im unteren linken Bild, befindet sich beispielsweise die älteste Darstellung einer Brille nördlich der Alpen.

 Heilsame Quellen

Überregional bekannt wurde Bad Wildungen um 1900 als Heilbad mit seinen eisen-, magnesium- und kohlensäurehaltigen Quellen. Die Heilwässer unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und Wirkweise. Die Helenen-, Georg-Viktor-, Reinhards- und Naturquelle sind die bekanntesten Heilquellen. Man kann ihr Wasser sowohl in der Wandelhalle von Bad Wildungen als auch im Kurzentrum von Reinhardshausen trinken.

Bad Wildungen, Hessen Blick in die Trinkhalle des Kurzentrums mit Wandelhalle im Kurpark von Bad Wildungen © - / D.Weirauch

Blick in die Trinkhalle des Kurzentrums mit Wandelhalle im Kurpark von Bad Wildungen Foto: D.Weirauch

 Neben einer schmucken Altstadt  ist Bad Wildungen vor allem berühmt für seinen großen Kurpark. Ende der 1990er Jahre wurde er durch eine naturnahe „grüne Brücke“ mit dem benachbarten Kurpark von Reinhardshausen verbunden. Mit einer Fläche von 50 Hektar gilt das Areal als der größte Kurpark Europas.

 Sport und Gartenkunst im Kurpark

Darin sind neben Wanderwegen sowie Joggingstrecken auch Terrain-Kur-Wege für Herz- und Kreislaufpatienten beschildert. Der Park gehört seit 2009 zum European Garden Heritage Network. 2006 kamen aus Anlass der Landesgartenschau weitere 18 Hektar zum Kurpark hinzu, an dessen östlichem Ende sich unterhalb von Schloss Friedrichstein der Königsquellenpark befindet. Im Westen grenzt das ehemalige Landesgartenschaugelände an den im Stil eines englischen Gartens gestalteten Kurpark an die Georg-Viktor-Quelle. Ein Skulpturenweg mit dem Titel „Paradiesische Begleiter“ führt von der Schlossquelle über den Schlossbergweg bis zum stolz über der Stadt thronenden Schloss Friedrichstein.

Das im 16.Jahrhundert erbaute Barockschloss wurde zwischen 1707 und 1714 von Fürst Friedrich Anton Ulrich zu Waldeck komplettiert. Neben einem kleinen Café mit freundlicher Bedienung und großer Auswahl an selbstgebackenen Kuchen befindet sich im Schloss das Museum für Militär- und Jagdgeschichte der Staatlichen Museen Kassel.

 Wanderungen durchs Helenental

Um alle Attraktionen von Bad Wildungen zu besuchen, benötigt man mindestens eine Woche. Lohnend ist eine Wanderung durch das Helenental, in dem man die Wasserfälle von Odershausen bestaunen kann. Nach einer Wanderung zu den Bilsteinklippen bei Reitzenhagen kann man im dortigen Waffelhaus oder im pittoresken Hexenhaus einkehren. Ein Muss ist der Besuch des 518 Meter Homberg, dem Hausberg von Bad Wildungen.

Der Ortsteil Reinhardshausen liegt inmitten des Waldecker Berglandes © - / D. Weirauch

Der Ortsteil Reinhardshausen liegt inmitten des Waldecker Berglandes Foto: D. Weirauch

 Vom Paradies zum Kellerwaldsteig

„Das Paradies“ bei Albertshausen ist ein Wald in Richtung Gellershausen und Kleinern. Von dort kann man zudem in den Kellerwaldsteig, der durch den Nationalpark Kellerwald-Edersee und über den Urwaldsteig bis zum Edersee führt, einsteigen. Dieser zweitgrößte Stausee Deutschlands lädt mit seinen kleinen Buchten zum Segeln und Baden einlädt.

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee Foto: Weirauch

Bad Wildungen: Infos für Besucher

Anfahrt: Mit dem PKW: Von Westen (A44) bzw. Norden (A7) kommend, in Kassel auf die A49 in Richtung Marburg bis Abfahrt Fritzlar. Dann weiter bis Bad Wildungen. Durch das Stadtgebiet führen die Bundesstraßen 485 und die 253, die Anschluss an die Bundesautobahn 49 haben. Durch die Buslinie 500 über Fritzlar lässt sich Bad Wildungen in ca. 1:20 Stunden von Kassel aus erreichen. In Bad Wildungen wurde um 2000 ein Stadtbussystem eingeführt. Durch das Stadtgebiet führen die Bundesstraßen 485 und die 253, die Anschluss an die Bundesautobahn 49 haben.

Mit Bahn/Bus: Vom ICE-Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe direkt von Kassel und Wabern aus mit einem Regionalzug der Ederseebahn alls zwei Stunden zu erreichen.

Unterkünfte: In Bad Wildungen und dem Ortsteil Reinhardshausen gibt es mehrere große Hotels, u.a. Maritim und Göbels Hotel, sowie zahlreiche Pensionen. Im Ortsteil Mandern gibt es einen Campingplatz.

Tourist-Information: Kur- und Tourist-Information, Staatsbad Bad Wildungen GmbH, Brunnenallee 1, 34537 Bad Wildungen, Tel.: 0800 / 79 10 100 (gebührenfrei), E-Mail: info@badwildungen.net,

Bad Wildungen im Internet:.bad-wildungen.de

Nordhessen im Internet: .grimmheimat.de

 Was ist die GrimmHeimat NordHessen ?Die GrimmHeimat NordHessen ist eine Urlaubsregion mit jährlich rund 7,4 Millionen Übernachtungs- und 40 Millionen Tagesgästen. Von Bad Karlshafen im Norden bis Bad Hersfeld im Süden, von Eschwege im Osten bis Willingen im Westen reicht das Gebiet, das fünf nordhessische Landkreise und die kreisfreie Stadt Kassel einschließt. Die Region versteht sich als Heimat der Brüder Grimm, denn die beiden Sprachgelehrten haben hier den größten Teil ihres Lebens verbracht und ihre weltberühmten Märchen gesammelt. Die sanfte, waldreiche Mittelgebirgsregion mit ihren zahlreichen Flüssen und Seen, den romantischen Schlössern und Burgen und den zauberhaften Fachwerkstätten ist mit über 1.200 Kilometern an zertifizierten Wanderwegen und vielen erstklassigen Bahn- und Flussradwegen ein Paradies für Aktivurlauber und Naturliebhaber. Mit ihrer Lage im Herzen Deutschlands ist die GrimmHeimat NordHessen ein ideales Reiseziel für Kurzurlauber.

Unbedingt besuchen sollte man Schloss Waldeck

Das Schloss Waldeck (auch Burg Waldeck) ist eine schlossartig ausgebaute Burganlage aus dem 12. Jahrhundert. Das Schloss befindet sich oberhalb vom Nordufer des Edersees am Westrand der Waldecker Kernstadt. Es steht auf einem steilen, felsigen und an seinen Hängen bewaldeten Berg und ist vom Ortszentrum Waldecks kommend auf einer Straße zu erreichen.

Hoch über dem Edersee thront Schloß Waldeck, Foto: Weirauch

Hoch über dem Edersee thront Schloß Waldeck, Foto: Weirauch

Die Lage ist malerisch: Schloss Waldeck, das Wahrzeichen des Waldecker Landes, thront weithin sichtbar auf einem steilen, bewaldeten Berg am Nordufer des Edersees. Weit reicht der Blick vom Schloss aus über den See und das umliegende Ederbergland. Einst war die Anlage Residenz der Grafen von Waldeck, heute empfängt hier das 4 * Superior Hotel Schloss Waldeck seine Gäste. Kulinarische Genüsse bieten das Gourmetrestaurant „Alte Turmuhr“ sowie das Café und Restaurant „Altane“, wo Gäste zudem ein einzigartiger Ausblick erwartet. Dass das Schloss Waldeck in der Vergangenheit auch als Zuchthaus diente, erfahren Besucher im Burg-Museum: Die Ausstellung „Hinter Schloss und Riegel“ zeigt eine einzigartige Sammlung, die einen Einblick in mittelalterliche Bestrafungsmethoden bietet.

Blick auf Schloss Waldeck Foto: Weirauch

Blick auf Schloss Waldeck Foto: Weirauch

Das Schloss wurde auf Gesteinen erbaut, die am Rand des Zechsteinmeeres abgelagert wurden (Randkalk des Zechstein 1, Werra-Folge). Bei Waldeck transgrediert der Randkalk auf Grauwacken und Konglomerate des Paläozoikums. Der Randkalk ist eine Bildung flachen Wassers. Er besteht vorwiegend aus vereinzelten Schalenresten, Ooiden und Onkoiden. Dabei handelt es sich um kugelig-ovale Körner aus Kalk, bei denen sich um ein Fremdteilchen (z. B ein Schalenbruchstück) konzentrische Schalen abgeschieden haben. Aufgrund seines charakteristischen Aussehens wurde der Randkalk deshalb früher auch „Schaumkalk“ genannt. Der Randkalk ist relativ artenarm und enthält nur wenige Muschel- und Schneckenarten wie Liebea hausmanni und Turbonilla. Wo der Randkalk auf paläozoische Sedimente transgrediert, wie hier auf der Waldecker Schwelle, ist er stets ganz oder teilweise dolomitisiert, d.h. Calciumcarbonat (CaCO3) wurde durch den Einfluss von salzigem Meerwasser in magnesiumhaltigen Dolomit (CaMg(CO3)2) umgewandelt. Trotz dieser Dolomitisierung sind in den Felsen am Fuße der Burgmauern noch ursprüngliche Sedimentstrukturen erhalten geblieben: Eine ausgeprägte ebene Feinschichtung und gelegentliche Partien mit Schrägschichtung im cm- bis dm-Bereich sind in einem hochenergetischen Milieu wahrscheinlich im Strandbereich des Zechsteinmeeres entstanden.

Hoch über dem Edersee thront Schloss Waldeck, Foto: Weirauch

Hoch über dem Edersee thront Schloss Waldeck, Foto: Weirauch

Alter der Gesteine: Randkalk:Werra-Folge, Zechstein, Oberperm (etwa 260 Millionen Jahre vor heute)

Erlebnisse:

Märchenhafte Hochzeiten auf Schloss Waldeck. Museumsführungen • Pfingstsonntag Kinder-Märchentag im Burghof mit Märchenbühne und vielfältigen Angeboten für Kinder (Eintritt frei)

Tipp: Die Waldecker Bergbahn stellt die Verbindung zwischen dem Edersee und dem 200 m über dem See gelegenen Luftkurort mit Schloss Waldeck dar. Von der Talstation schweben Sie mit der Kabinenseilbahn in wenigen Minuten hinauf auf den Schlossberg und selbstverständlich auch wieder herunter. Fahrräder können ebenfalls transportiert werden.

Öffnungszeiten

Hotel und Restaurant sind täglich geöffnet