Letzte Station unserer Reise war Schweidnitz.  Ganz in der Nähe wurde uns Pałac Gruszów/Schloss Birkholz empfohlen. Zeit zum Ausruhen und Eindrücke unserer Reise durch die Wojewodschaft Niederschlesien zu verarbeiten, haben wir im Schloss Birkholz/ Pałac Gruszów. Mit Google Maps hatten wir das einstige Herrenhaus der Familie von Dresky leicht gefunden. Der kleine Ort (etwa 100 Einwohner) liegt 9 Kilometer von Schweidnitz entfernt. Als wir abends dort während eines Gewittergusses ankamen, wurden wir vom Hausherrn Tomasz und seiner Frau Kinga auf das Herzlichste begrüßt und fühlten uns gleich wie „Zuhause“ angekommen.Pałac Gruszów

Inmitten unberührter Natur Foto: ADVENTUM/Pałac Gruszów

Märchenhafte Auszeit im Pałac Gruszów

Schnell wurde uns klar: das hier ist kein klassisches Hotel, wie wir es bisher kannten, sondern ein Solitär, etwas ganz Besonderes. Neudeutsch würde man Hideaway dazu sagen. Allerdings hat Pałac Gruszów kein Wellnessangebot. Doch absolute Ruhe: früh am Morgen die Vögel zwitschern hören und eine entspannte Atmosphäre können auch Wellness, zumindest  für die Seele sein.

Tomasz klärte uns dann auch auf: „Wir sind ein gastfreundliches Haus, bei uns sollt Ihr als Freunde zu Gast sein, fühlt Euch ungezwungen“. Und wer erkundet nicht gern ein Schloss vom Keller bis zum Dachboden. So manches Detail gibt es da zu bestaunen, beredter Beweis für die hohe Kunstfertigkeit polnischer Handwerker und Restauratoren. Man könnte auch Privatresidenz zu seinem traditionsreichen Anwesen sagen.

Gastgeber Tomasz Kwaterski

Gastgeber Tomasz Kwaterski

Tomasz hat lange in Deutschland gelebt und nach dem Verkauf seiner in der Telekommunikationsbranche tätigen Firma sich mit seiner Frau Kinga, einer Schauspielerin an der Breslauer Komödie, den Wunsch nach einem neuen Zuhause erfüllt. 2006 erwarben beide das Gebäude in desolatem Zustand und begannen mit großem Engagement mit der Wiederherstellung. Hilfe gaben dabei auch historische Fotos.

Der Gutsbesitz in Birkholz wurde bis 1945 von der Familie von Dresky bewirtschaftet. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs erging es Birkholz wie vielen anderen Gütern im Osten Deutschlands: Flucht der Eigentümer vor der heranrückenden Roten Armee, dann Enteignung und anschließend die Zwangskollektivierung. Und dann kam der Verfall des Herrenhauses. Erst wohnten Familien in dem geplünderten Herrenhaus, später taten Holzwurm und Schwamm ihr Geschäft.

Einige Bilder zeigen, wie verfallen das Gutshaus war. Mühevoll waren der Wiederaufbau und die weitgehend originalgetreue Rekonstruktion. Zuvor kamen, wie Tomasz sich erinnert, Schatzsucher mit Sonden und suchten den kleinen Gutspark nach vermeintlichen Schätzen ab. Beim Rundgang am nächsten Morgen zeigt Tomasz auf ein Rudiment im Keller, dass auf einen unterirdischen Gang hinweist. Beweis für ein einst befestigtes Haus. Auf jeden Fall ist Pałac Gruszów voller Geschichte, manches noch geheimnisvoll, um so mehr wird die Phantasie angeregt..

Tomasz sagt uns „Mit größter Sorgfalt konnten wir einige architektonische Elemente samt Inneneinrichtung vor dem Verfall retten. Unser vorrangiger Gedanke war der Wunsch, diesen wunderschönen Ort vor der schon fortgeschrittenen Zerstörung zu bewahren und ihm zu einer glanzvollen Zukunft zu verhelfen“.

Morgendlicher Blick aus dem Fenster unseres Zimmers

12 Zimmer hat das kleine Schlosshotel im beschaulichen Dorf, jedes ist individuell ausgestattet: mit Möbeln, die auf Auktionen und in Antikläden erworben worden. Immer wieder stechen die Details hervor: ob Blumentapete, Platzdeckchen, exklusive historisierende Badarmatur, selbst mit Spitzen verzierte Schrankborden. Erinnerungen an Omas gute Stube wurden da wach.

Pałac Gruszów

Foto: Pałac Gruszów

Pałac Gruszów

Ein Hingucker im Appartement ist der grüne Kachelofen Foto: Adventum/ Pałac Gruszów

Pałac Gruszów

Blick in ein Premium-Zimmer Foto: Pałac Gruszów

Floraler Stuck an den Decken, historische Kachelöfen, meist raumhoch, und stilisierende Möbel in den Räumen, dem Ballsaal und den Salons, geben dem Inneren von Schloss Birkholz ein elegantes Ambiente. Zu Gast im Flair des 19. Jahrhunderts… nur der Laptop fällt aus dem Rahmen.  Pałac Gruszów hat übrigens ein sehr gutes WLAN man könnte also schon längere Zeit hier verbringen.

Ob im Frühstücksraum oder am Abend an der Bar (dafür war leider keine Zeit). Die Gastgeber erwarten ihre Gäste immer mit kleinen kulinarischen Kostbarkeiten. Zum Beispiel Honigwaben (vom Imker aus dem Dorf), aus denen der Honig auf das Brot fließt oder im Munde zergeht. Wir sind in der Holunderblütenzeit unterwegs, also gibt es Holunderblütengelee zum Frühstück, oder abends in der Bar den „Hugo“ mit selbst angesetztem Holundersirup. Und wer die Erinnerung an seinen Urlaub verlängern will, nimmt ein Glas Gelee oder eine Flasche Sirup mit nach Hause. Oder auch den Faltplan, in dem die Gastgeber 20 sehenswerte Orte in der näheren Umgebung aufführen, leider nur in Polnisch. Die englische oder deutsche Version würden wir bei einer Nachauflage empfehlen. Einige der Sehenswürdigkeiten konnten wir noch besuchen. Auch die Auswahl von empfehlenswerten Restaurants zu Mittag- oder Abendessen (vor allem im benachbarten Schweidnitz) traf ins Schwarze.

PalacGruszow.Polen.schlesien

Freitragende Treppe auf Pałac Gruszów

PalacGruszow/Birkholz

Treppenhaus 1 Etage Foto: Pałac Gruszów

Pałac Gruszów ist zwar ein versteckter Ort, weit weg vom Touristentrubel und dennoch nah dran an Breslau und anderen touristischen Attraktionen. Der Gastgeber-Faltplan wird uns daran erinnern, wieder zu kommen, um Neues im Schloss und seiner näheren Umgebung zu entdecken. Und um dann länger mit den freundlichen und kenntnisreichen Gastgebern gute Gespräche zu führen und sich wie „Zuhause“ zu fühlen.

Pałac Gruszów

Kinga Zabokrzycka Tomasz Kwaterski Foto: Pałac Gruszów

Pałac Gruszów

Blick in den Kaminsaal im Herrenhaus Foto: Palac Gruszow

8 Meter tief ist der Brunnen im kleinen Gutspark von Gruszow

8 Meter tief ist der Brunnen im kleinen Gutspark von Pałac Gruszów

Foto: Pałac Gruszów

Im Abendlicht Lufbild 1 Piotr Załęczny Fotografie

Informationen : Palac Gruszow

    • Adresse:
    • Schloss Birkholz (Pałac Gruszów)
    • Gruszów 10, 58-124 Gruszów, Polen
    • Telefon: +48 601 899 477
    • Homepage hier

Wie kommt man hin

Pałac Gruszów befindet sich inmitten eines kleinen Dorfes Gruszów, 8 km entfernt vom Stadtzentrum von Świdnica (Schweidnitz), 30 km von Wałbrzych (Waldenburg), 45 km von der Altstadt in Wrocław (Breslau), 350 km von Berlin.

Anfahrt von Wrocław (Breslau): Landstrasse 35, Richtung Wałbrzych. In Marcinowice auf der Höhe der Kirche rechts, Richtung Wierzbna/Krasków. Nach 1,5 km links, Richtung Wilków, nach Durchfahrt vom Dorf Stefanowice nach 1 km im Ort Gruszów links.

Anfahrt von Wałbrzych (Waldenburg): Landstrasse 35, Richtung Wrocław. In Marcinowice auf der Höhe der Kirche links, Richtung Wierzbna/Krasków. Nach 1,5 km links, Richtung Wilków, nach Durchfahrt vom Dorf Stefanowice nach 1 km im Ort Gruszów links.

Anfahrt aus Berlin / Autobahn A4: Ausfahrt Kostomłoty, Richtung Lubawka / Jelenia Góra / Środa Śl. Links abbiegen in Richtung Lubawka / Jelenia Góra. Nach 10 km links, Richtung Świdnica / Żarów. Immer geradeaus, zwei Kreisverkehre durchqueren Richtung Świdnica. Kreisverkehr auf Höhe der Stadt Świdnica links, Landstrasse 382 Richtung Świdnica / Wrocław. In Świdnica an der Shell-Tankstelle links, Landstrasse 35 Richtung Wrocław. Nach 9 km im Ort Marcinowice vor der Kirche links, Richtung Wierzbna/Krasków. Nach 1,5 km links abbiegen in Richtung Wilków. Nach Durchfahrt vom Dorf Stefanowice, kommt nach 1 km der Ort Gruszów, hier links.

 

Tipp vom Gastgeber zum Abendessen 

in Schweidnitz das Restaurant mit altpolnischen Gerichten

Schweidnitz Restaurant

Adresse: Karczma Zagłoba. Hotel Świdnica. Nocleg Świdnica. Wrocławska 46, 58-100 Świdnica,

Was man in der Umgebung alles besuchen sollte:

Friedenskirche Schweidnitz – hölzernes Weltwunder

Friedenskirche Schweidnitz

Stiftung und Schloss Kreisau

Ausstellung Kreisau Polen

Das Moltke-Schloss im Ortszentrum dient seit 1998 als Internationale Jugendbegegnungsstätte Kreisau, die von der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung betrieben wird.

Schloss Fürstenstein in Waldenburg

Fürstenein.Polen.Kiasz Schlesien

Imposant: Schloss und Parkanlagen von Fürstenstein gelten auch als „barocke Perle Schlesiens“

Schloss Muhrau/Morawa

Schloss Muhrau (polnisch Pałac w Morawie) in Morawa (deutsch Muhrau) in der Nähe von Schweidnitz.

Zobten/Eulengebirge (Wandergebiet)

Renaissanceschloss Peterwitz, künftiges Technikmuseum

Wasserschloss Peterwitz (polnisch Zamek w Piotrowicach Świdnickich) in der Nähe von Gruszow,

Wasserschloss Peterwitz (polnisch Zamek w Piotrowicach Świdnickich) in der Nähe von Gruszow,

Breslau/Wroclaw (dafür braucht man mindestens 3 – 5 Tage)

Die Recherche wurde unterstützt vom Polnischen Fremdenverkehrsamt Berlin. Vielen Dank.

Mehr über Reiseziele in Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt: www.polen.travel

Polen-Info:| Polnisches Fremdenverkehrsamt, Hohenzollerndamm 151
14199 Berlin, Telefon: 030 / 210 09 20, Öffnungszeiten: Mo-Fr., 9.00-16.00 Uhr

Buchtipp: Klaus Klöppel, Reiseführer Breslau und Niederschlesien: Mit Riesengebirge, Hirschberger Tal, Isergebirge, Glatzer Bergland, Waldenburger Land und Eulengebirge (Trescher-Reiseführer) mit vielen Tipps zu Schweidnitz und den umliegenden Attraktionen, 16,95 Euro