Von Jörg Berghoff

Klares Wasser, eine fjordartige Küste und imposante Berge prägen Montenegro und schaffen eine Vielzahl an aktiven Erholungsmöglichkeiten. Ein Land im touristischen Aufbruch nach Europa.

Montenegros Landschaften sind ein Meisterwerk der Natur. Wer ein Reiseziel sucht, in dem man nicht weiß, wo die Erde endet und der Himmel beginnt, ist hier genau richtig. Man erweitert seinen Horizont in den Bergen Montenegros und den ursprünglich gebliebenen Naturparkgebieten. Aber nicht nur mit majestätischen Gipfeln beeindruckt Montenegro, man findet eine Vielzahl weiterer Naturschätze, darunter ökologisch wertvolle Nationalparks, tiefe Schluchten und zahlreiche schützenswerte Ökosysteme. Warum dieses Land so einzigartig ist? Diese Frage lässt sich beantworten, wenn man die legendären Stätten erlebt, die von längst vergangenen Epochen erzählen in der Bucht von Kotor, die Strände, an denen Sand und Kiesel in Harmonie mit dem türkisfarbenen Wasser verschmelzen. Die azurblauen Buchten und Lagunen, durch die Schiffe und Yachten gleiten. Und nicht zuletzt unvergesslichen Ausblicke, die sich einem fast überall bieten, wohin man auch blickt. Man nimmt lebendige Erinnerungen und Erlebnisse mit nach Hause aus einem Land, das sich auf dem Weg nach Europa macht und schon heute viele Reiseträume erfüllt.

Der Piva Lake im Prirode Piva Naturpark besitzt tiefe Schluchten.

Der Piva Lake im Prirode Piva Naturpark besitzt tiefe Schluchten. Foto: Jörg Berghoff

Wasserlandschaften für die Seele

Es gibt kaum einen Menschen, der sich für Naturphänomene im weitesten Sinne interessiert, dessen Bewunderung ihm nicht ins Gesicht geschrieben steht angesichts eines mächtigen Flusslaufes, einer idyllischen Bachlandschaft, eines reißenden Gebirgsflusses, einer Küstenlinie oder eines imposanten Wasserfalls. Fließendes Wasser scheint uns unwiderstehlich anzuziehen wie das Abendlicht die Mückenschwärme. Dann beginnen auch unsere Gedanken zu tanzen, tauchen aber sehr schnell aus dem anfänglichen wilden Assoziationsgewirr in ruhigeres Fahrwasser und scheinen sich dem gleichmäßigen Strom des Gewässers, an dem wir entlang ziehen, anzugleichen. Wie von wundersamer Hand geleitet, finden wir innere Ruhe und einen harmonischen Rhythmus in unseren Bewegungen. Aber woran liegt diese seltsame Verwandlung vom gestressten Großstadtmenschen zum schweigsamen, in sich ruhenden Wasserwanderer? Was macht die wortlose Kommunikation zwischen Wasser und Mensch aus, gibt es sie überhaupt oder bilden wir uns das alles nur ein?

Wassererlebnisse überall

Man muss kein Prophet oder Psychologe sein, um dieses Rätsel zu lösen, oft sind die Dinge einfacher, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Da ist zunächst einmal die für uns leicht nachvollziehbare, logisch erscheinende Streckenführung, mit der sich Wasserläufe ihren Weg durch die verschiedensten Landschaften bahnen. Dadurch erscheint uns der Weg vertraut, vorhersehbar und damit auch beruhigend. Dann kommt uns im Frühling und Sommer eine angenehme Kühle vom Bach, Strom oder der Küste entgegen, die der Seele schmeichelt. Und nicht zuletzt fördern das gleichmäßige Plätschern der Wasserbewegung und das sanfte Schlagen der Wellen ans Ufer für ein wohliges Gefühl. Und selbst im Herbst und Winter, wenn Nebelschwaden und Eisblöcke die Wasserläufe begleiten, strahlen sie eine unvergängliche Ruhe aus. Alles zusammen Gründe, die eine Reise ans Wasser zu einem so angenehmen Auszeiterlebnis machen. Das südosteuropäische Land Montenegro ist prädestiniert dafür, Touristen, die das Wasser lieben, voll und ganz zufrieden zu stellen.

Am Hafen von Tivat wird Wassersport groß geschrieben.

Am Hafen von Tivat wird Wassersport groß geschrieben. Foto: Jörg Berghoff

Denn Montenegros größter Reichtum ist das Wasser. Es ist nicht nur äußerst sauber, wild und in Bergregionen wie dem ersten Naturpark des Landes Piva Park Prirode kraftvoll – es ist auch eine Quelle der Vitalität, eingebettet in eine ursprüngliche, oft noch unberührte Landschaft. Von sprudelnden Quellen und Flüssen, kristallklaren Seen wie dem Piva Lake bis hin zur Adriaküste bietet Montenegro viele wasserbezogene Erlebniswelten, die stets von grandioser Natur eingerahmt sind. Ganz gleich, ob sanft und beschaulich oder wild und abenteuerlich, hier findet jeder sein persönliches Erlebnis rund um das Wasser.

Rafting in Montenegro

Die Berglandschaft Montenegros schafft ideale Voraussetzungen für ein unvergessliches Rafting-Abenteuer. Der Tara-Fluss, der längste Gebirgsfluss Montenegros, ist Teil des Nationalparks Durmitor. Mit seiner naturbelassenen, UNESCO-geschützten Landschaft bietet er eine einzigartige Kulisse für einen Rafting-Trip. Die 78 km lange Tara-Schlucht ist sogar der tiefste Canyon Europas und fasziniert mit ihren bizarren Felsformationen. Flusskaskaden und Stromschnellen sorgen in der Zeit von Mai bis Oktober auf mittelschweren bis wilden Abschnitten für eine Fahrt mit Adrenalinkick. Ein besonderes Outdoor-Abenteuer ist das Bike-Rafting, bei dem Strecken entlang des Tara-Flusses abwechselnd mit einem faltbaren Bike und einem Packraft bewältigt werden.

Kajakfahren in Montenegro

Das kühle Wasser in den Bergen Montenegros ist ideal für ein erfrischendes Kajak-Abenteuer. Die Flüsse, Bäche, Teiche und Seen des Landes bieten eine fantastische Naturkulisse für Kajakfreunde, aber auch die Adria-Küste lockt mit vielfältigen Kajak-Möglichkeiten. Der Skadarsee zum Beispiel ist für Einsteiger ideal, die ein ruhiges Gewässer bevorzugen. Er bietet zugleich ideale Voraussetzungen für eine beschauliche Art der Vogelbeobachtung. Nach dem Paddeln warten am Ufer viele Restaurants, die zumeist lokale Fischspezialitäten anbieten. Bewegter geht es bei den Wildwasserflüssen im Norden zu, wie etwa Tara, Piva, Lim und Komarnica, die auch anspruchsvolle Strecken mit einer ordentlichen Portion Nervenkitzel bieten und sich ebenso durch einen großen landschaftlichen Reiz auszeichnen. Wer lieber auf dem Meer, aber dennoch in geschützten, fjordähnlichen Gewässern Kajak fahren möchte, kann in der Bucht von Kotor entlang der 100 Kilometer langen Küstenlinie ein malerisches Panorama mit Bergen, Festungen, Kirchen und Klöstern erleben – eine einzigartige Kombination aus Kajakfahren und Kultur.  Mit etwas Glück kann man hier auch Meeresschildkröten oder Delfine sehen.

Der Piva Lake im Prirode Piva Naturpark besitzt tiefe Schluchten.

Der Piva Lake im Prirode Piva Naturpark besitzt tiefe Schluchten. Foto: Jörg Berghoff

Bootstouren in Montenegro

Wer eher geruhsame Entspannung auf dem Wasser sucht, ist mit einer Bootstour bestens bedient. Zur Wahl stehen maritimes Flair oder beschauliche Seenlandschaften. Entlang der Küste locken traditionelle Holzboote, schnelle Katamarane und komfortable Yachten mit Ausflügen, die Schwimmen, Tauchen und kulinarische Pausen mit einschließen. Lohnenswerte Ziele sind die Insel Maria vom Felsen oder die Blaue Grotte. Manche Bootstouren bieten auch kuriose Zwischenstopps, wie etwa eine ehemalige U-Boot-Basis.  Dank seiner Größe und des ruhigen Wassers ist auch der Skadarsee für Bootsausflüge ein ideales Ziel. Ab Virpazar starten zahlreiche Ausflüge über den ausgedehntesten See des Balkans. Wer kulinarische Genüsse mit dem Besuch eines der schönsten Strände des Skadarsees verbinden möchte, wird in Murići fündig. Hier kann man einheimische Fischgerichte bei einem Ausblick auf die Seerosen genießen. Daneben führen die Bootstouren auch in die Zuflüsse wie den Crnojević-Fluss. Von dort aus kann man die antike Festung Zabljak Crnojevića bestaunen. Weiter nördlich lädt der langgezogene Piva-See zu Bootsexkursionen ein, bei denen man einsame Buchten und Höhlen besuchen kann.

Fisch und Meeresfrüchte stehen in Montenegro auf jeder Speisekarte.

Fisch und Meeresfrüchte stehen in Montenegro auf jeder Speisekarte.

Kitesurfen in Montenegro

Die Adriaküste Montenegros entwickelt sich zunehmend zu einem Hotspot für Wassersportbegeisterte. So hat sich der langgezogene Strand Velika Plaza in der Nähe von Ulcinj insbesondere bei Kitesurfern als sichere und attraktive Kitesurf-Location einen ausgezeichneten Namen gemacht. Kilometerlange flache Sandstrände, klare Sommerluft und ein beständiger thermischer Wind schaffen ideale Bedingungen für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen. Entlang der Küste gibt es Kitesurfschulen, die den Einstieg erleichtern und Kurse für alle Leistungsstufen mit professioneller Anleitung und moderner Ausrüstung anbieten. Und der berühmte Mistral-Wind weht an 90 Tagen im Jahr vom Meer an die Küste Montenegros und trägt ebenfalls zu den günstigen Bedingungen für das Kitesurfen bei.

Stand Up Paddling in Montenegro

Eine angenehme Besonderheit Montenegros ist, dass man Stand Up Paddling sowohl auf dem Meer als auch im Inland recht einfach ausüben kann. Denn die Bucht von Kotor, wie auch andere Buchten an der Adriaküste, bieten ein geschütztes Umfeld ohne störenden Wellengang. Zugleich kann man bei dieser Aktivität kleine Ausflüge zu charmanten Fischerdörfern wie das verträumte Bjelila, versteckten Höhlen oder bezaubernden Inseln integrieren. Auch der ausgedehnte, aber ruhige Skadarsee und der nahegelegene Fluss Crnojević sind ideale SUP-Reviere. Daneben ziehen auch kristallklare Bergseen wie der Vražje-See im Durmitor-Nationalpark SUP-Fans an. An vielen Orten sind Stand Up Paddling-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene verfügbar. So hat das schöne Montenegro eine beeindruckende Vielfalt an Wassersportaktivitäten aufzuweisen, die keine Wünsche offen lässt. Und der Euro als Zahlungsmittel ist auch schon da.

Weitere Informationen

Offizielles Tourismusportal Montenegro, www.montenegro.travel/de

Übernachtungstipp:

Etno Village Izlazak, https://etno.selo-izlazak.me

Camping bei Dorde Bulajic in Grahovo,

https://mnevillage.gov.me/de/household/dedovina-rural-household

Restauranttipp:

Restoran Porto Bjelila, www.instagram.com/portobjelila

Sehenswürdigkeiten:

Piva Park Prirode, www.parkpiva.com

Maritim Museum Montenegro, www.museummaritimum.com

Herceg Novi, www.hercegnovi.travel/en

Tivat, https://tivat.travel/en

Kotor, https://kotor.travel