Potsdam hat allen Grund zum Feiern: Das Kunstmuseum Barberini am Alten Markt wird zehn Jahre alt. Seit seiner Eröffnung im Januar 2017 hat sich das von SAP-Mitgründer Hasso Plattner finanzierte Haus zu einem international beachteten Kunstmuseum entwickelt. Mehr als drei Millionen Menschen haben es bislang besucht. Zum Jubiläum wartet das Barberini mit einer besonderen Ausstellung auf: „Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk“. Sie ist vom 7. November 2026 bis zum 21. Februar 2027 zu sehen. Es erzählt die Erfolgsgeschichte des Impressionismus nicht allein anhand der Bilder, sondern anhand der Menschen, die hinter dieser Kunstbewegung standen. Eine Ausstellung, die das Miteinander der Künstler eindrucksvoll beschreibt und erstmals die Verbindungen hinter und zwischen den einzelnen Protagonisten aufzeigt. Solch eine Schau war lange erwartet worden, denn nun geht es nicht nur um die Bilder, sondern um ihre Entstehungsgeschichte und weitere Provienzfragen. Aktueller denn je. Ein großer Wurf für das Team um Ortrud Westheider. Seit seiner Eröffnung 2017 hat sich das Haus, ausgehend von der Sammlung Hasso Plattner, zu einem international renommierten Zentrum des Impressionismus entwickelt.

Direktorin Ortrud Westheider und Kuratorin Sterre Barentsen in der Ausstellung. Foto: Weirauch
Wie wurde aus einer zunächst belächelten und von der Kunstwelt abgelehnten Malerei eine der populärsten Kunstrichtungen der Moderne? Die Ausstellung zeigt, welche Rolle Freundschaften, Künstlerkollegen, mutige Sammler, Kunsthändler und Kritiker spielten. In zehn Geschichten werden die Netzwerke sichtbar, die den Impressionismus von Paris aus in die Welt trugen. Ausgangspunkt ist jeweils ein Gemälde aus der Sammlung Hasso Plattner.
Mehr als 100 Werke aus internationalen Museen und Privatsammlungen werden präsentiert. Zu den besonderen Leihgaben gehören Monets „Bazille und Camille“ aus Washington, Renoirs „Die Bucht von Neapel“ aus New York und Arbeiten von Berthe Morisot. Auch selten gezeigte Gemälde von Édouard Manet sind dabei.
Das Netzwerk des Impressionismus entstand nicht allein durch die Unterstützung von Sammlern und Förderern. Auch die Künstler schufen durch gemeinsame Arbeit, geteilte Ateliers, persönliche Kontakte und gegenseitige Unterstützung ein enges Geflecht von Beziehungen. In wechselnden Konstellationen entwickelten sie eine Malerei, die Licht, Atmosphäre und die Flüchtigkeit des Augenblicks ins Zentrum rückte. Mit der ersten Gruppenausstellung von 1874 gründeten sie ein eigenes Forum jenseits des etablierten Salonbetriebs. Unabhängig von Jury und Preisvergabe konnten sie ihre Werke unmittelbar der Öffentlichkeit präsentieren und neue Wege der Ausstellung und Vermittlung erproben. Der Impressionismus steht damit nicht nur für einen grundlegenden Wandel der Malerei, sondern auch für neue Formen künstlerischer Kooperation und institutioneller Selbstbehauptung. Eine dieser Geschichten beginnt 1876 auf einem Schloss südlich von Paris. Ernest und Alice Hoschedé gehörten zu den frühen Förderern der Impressionisten. Ernest Hoschedé erwarb Werke von Monet, Degas, Pissarro und Sisley und besaß zeitweise sogar Monets Impression. Sonnenaufgang, jenes Gemälde, das der Bewegung ihren Namen gab. Für ihr Château de Rottembourg in Montgeron beauftragten sie Monet mit vier großformatigen Gemälden. Dabei entstand auch Die Rosensträucher im Garten von Montgeron, heute Teil der Sammlung Hasso Plattner des Museums Barberini. Doch 1877 ging Hoschedé bankrott. Seine Sammlung wurde versteigert, impressionistische Gemälde wurden zu niedrigen Preisen verkauft. Was wie das Ende einer Geschichte erscheint, wurde zum Beginn einer anderen: Die Verbindung zwischen den Familien blieb bestehen. Nach Ernest Hoschedés Tod heiratete Alice 1892 Claude Monet. Einen Schwerpunkt bildet Claude Monet, der mit 29 Gemälden in der Schau vertreten ist. Einschließlich der Werke aus der Sammlung Hasso Plattner sind während der Ausstellung 61 Gemälde des Künstlers im Museum Barberini zu sehen.

Monets berühmter Heuschober Foto: Weirauch
Eine zweite Geschichte führt von einem Feld in der Normandie nach Chicago. 1890 begann Monet, ein unspektakuläres Motiv immer wieder zu malen: Getreideschober nahe seinem Haus in Giverny. In einer Serie von 25 Gemälden untersuchte er, wie Licht, Wetter und Jahreszeiten dasselbe Motiv verändern. Zu den ersten, die die Konsequenz dieses malerischen Experiments erkannten, gehörte die Chicagoer Sammlerin Bertha Palmer. Auf Anregung der Kuratorin und Kunstvermittlerin Sara Tyson Hallowell erwarb sie innerhalb kurzer Zeit neun Gemälde der Serie. Palmer und Hallowell trugen damit wesentlich dazu bei, Monets Werk in den Vereinigten Staaten bekannt zu machen. Eines der Gemälde mit Getreideschobern gehört heute zur Sammlung Hasso Plattner.
Ein eindrückliches Beispiel für die wechselvolle Geschichte impressionistischer Kunst ist die Sammlung des jüdischen Bankiers, Mäzens und Kunstsammlers Jakob Goldschmidt. In den 1920er Jahren gehörten seine Villen in Berlin und Neubabelsberg, dem heutigen Potsdam-Babelsberg, zu den Orten, an denen bedeutende Werke von Claude Monet, Édouard Manet, Pierre-Auguste Renoir und Paul Cézanne zu sehen waren. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde Goldschmidt als Jude verfolgt und musste ins Exil fliehen. Während er einen Teil seiner Sammlung ins Ausland retten konnte, wurden andere Gemälde 1941 in Berlin versteigert. Um ihre Rückgabe kämpfte er bis zu seinem Tod; einzelne Werke wurden erst Jahrzehnte später restituiert. Claude Monets Palazzo Ducale, eines der bedeutenden Gemälde aus seiner Sammlung, gelangte nach langwierigen Auseinandersetzungen an seine Erben zurück und gehört heute ebenfalls zur Sammlung des Museums Barberini.

Villa Goldschmidt in Potsdam-Babelsberg Foto: Weirauch

Die Biographie Goldschmidts macht deutlich, wie eng die Entwicklung und Verbreitung des Impressionismus mit den Lebensgeschichten seiner Sammler verbunden ist – und wie die Folgen nationalsozialistischer Verfolgung bis in die Gegenwart reichen. Sie zeigt zugleich, dass die Erforschung von Kunstwerken nicht bei ihrer Entstehung endet, sondern auch ihre Besitzerwechsel, ihre Verlustgeschichte und die Bemühungen um Restitution umfasst.
Hier besuchte einfachraus Giverny in Frankreich.

Der Seerosenteich in Giverny Foto: Weirauch

Dr. Ortrud Westheider und Mäzen Hasso Plattner vor Monets Seerosen im Jahr 2017, Foto: D.Weirauch


Das Jubiläum ist zugleich ein Blick in die Zukunft: Mit der digitalen Plattform „Networks of Impressionism“ sollen künftig weltweit Informationen über Kunstwerke, Künstler, Sammler und deren Beziehungen miteinander verknüpft werden. Die neue Ausstellung beweist damit, dass Kunstgeschichte mehr ist als die Betrachtung berühmter Bilder. Sie erzählt auch von Menschen, Begegnungen und Ideen, die eine ganze Epoche verändert haben.
Praktische Informationen
– Ausstellung: 7. November 2026 bis 21. Februar 2027
– Ort: Museum Barberini, Humboldtstraße 5–6, Potsdam
– Öffnungszeiten: Montag sowie Mittwoch bis Sonntag, 10 bis 19 Uhr; Dienstag geschlossen.
– Website: Museum Barberini – Jubiläumsausstellung
Eintrittspreise und Tickets
- Regulär 14 Euro
- Ermäßigt 10–12 Euro
- Kinder/Jugendliche unter 18 Jahre, sowie Schüler über 18 Jahre: Freier Eintritt
- Jahreskarten für Barberini Friends (nur an der Museumskasse erhältlich)
- Tickets sind im Online-Shop und an der Museumskasse an stündliche Eintrittszeiten gebunden.
- Öffnungszeiten
- einfachraus besuchte 2017 das Museum Barberini und sprach auch mit Mäzen und Musuemsgründer Hasso Plattner.
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