Mit der lettischen Hafenstadt Liepāja erhält 2027 eine der spannendsten Ostseemetropolen den Titel Kulturhauptstadt Europas. Gemeinsam mit der portugiesischen Stadt Évora wird die drittgrößte Stadt Lettlands ein Jahr lang zum Treffpunkt für Kunst, Musik, Theater und kreative Projekte. Unter dem Motto „(un)rest“ – einer Verbindung von Ruhe und Aufbruch – will Liepāja zeigen, wie Kultur eine Stadt und ihre Region verändern kann. Das Programm erstreckt sich nicht nur über Liepāja selbst, sondern bezieht auch die Regionen Südkurland und Kuldīga mit ein.
Geplant sind mehr als 500 Veranstaltungen – von internationalen Konzerten über Ausstellungen bis zu Kunstprojekten im öffentlichen Raum.
„Pilsēta, kurā piedzimst vējš“ – „Die Stadt, in der der Wind geboren wurde“
So wird Libau/Liepāja genannt. An der Westküste Kurlands in den Dünen zwischen Ostsee und Libauer See gelegen, stand Libau lange im Schatten anderer Orte: Nicht nur der Metropole Riga, sondern auch Windaus/Ventspils weiter nördlich oder Grobin/Grobiņa und Goldingen/Kuldiga im Landesinneren.

Blick auf den Hafen von Liepaja im Frühjahr 2026.
Der Bau des „Handelskanal“ genannten Hafens im 17. Jahrhundert ermöglichte den Aufstieg zur Stadt und die direkte Eisenbahnverbindung im 19. Jahrhundert bis in die heutige Ukraine ließ Libau zum bedeutenden Exporthafen für Getreide und Auswanderer werden.
Von 1906 bestand bis Ausbruch des Ersten Weltkriegs sogar eine direkte Schiffsverbindung nach New York. Auch das Militär des Russländischen Reichs erkannte die gute, da meist eisfreie Lage und ließ nördlich der wachsenden Industriestadt einen Kriegshafen (lett.: Karosta) anlegen, mit eigener Militärstadt und Infrastruktur. Bis heute finden sich in der Stadt viele Spuren ihrer wechselhaften Geschichte – von den deutschbaltischen Kaufleuten und Bürgern, den lettischen Handwerkern und Arbeitern und der jüdischen Gemeinde.
Der „Umsiedlung“ der Deutschbalten auch über den Libauer Hafen Ende 1939 folgte bald die nationalsozialistische Besetzung 1941, die mit der Ermordung der jüdischen Bevölkerung in den Dünen nördlich der Stadt begann. Nach dem Krieg fiel Libau, wie ganz Lettland, bis zur „Singenden Revolution“ 1989-91 wieder an die Sowjetunion und ist heute drittgrößte Stadt, beliebter Urlaubsort und Heimat vieler beliebter Musikerinnen und Musiker.
Musikhauptstadt Lettlands
Liepāja besitzt beste Voraussetzungen für diesen Titel. Die Stadt liegt direkt an der Ostsee und wird wegen ihrer frischen Brise oft als „Stadt des Windes“ bezeichnet. Gleichzeitig gilt sie als Musikhauptstadt Lettlands. Herzstück des kulturellen Lebens ist die spektakuläre Konzerthalle „Great Amber“, deren bernsteinfarbene Architektur längst zu einem Wahrzeichen geworden ist.Hier konzertiert das älteste Sinfonieorchester des Baltikums, daneben stehen Opern, Jazz, Rock und zeitgenössische Musik auf dem Programm. Einer der Höhepunkte des Kulturhauptstadtjahres wird am 26. Mai 2027 das Gastspiel des Gewandhausorchesters Leipzig unter der Leitung von Andris Nelsons sein. Im August folgt mit Europa Cantat eines der größten europäischen Chorfestivals mit mehr als 3.000 Sängerinnen und Sängern aus vielen Ländern.

Foyer in der Konzerthalle Great Amber – architektonisches Wahrzeichen und Konzertsaal von Weltrang.
Das Liepāja-Museum präsentiert dazu die internationale Ausstellung „Baltic Amber Takes the World by Surprise“, die die Geschichte des Bernsteins von der Antike bis zur Gegenwart erzählt.
Auch unabhängig vom Kulturhauptstadtprogramm hat Liepāja viel zu bieten. Die Altstadt begeistert mit Jugendstilfassaden, dem Rosenplatz und gemütlichen Straßencafés.

In der Dreifaltigkeitskathedrale befindet sich eine der größten historischen mechanischen Orgeln Europas.

Blick auf die Kathedrale St. Josef in Liepaja/Liebau. Es ist die größte katholische Kirche in Kurland.
Ein zweites Gesicht zeigt der Stadtteil Karosta. Der ehemalige russische Kriegshafen mit seiner monumentalen St.-Nikolaus-Marinekathedrale, historischen Festungsanlagen und dem berühmten Karosta-Gefängnis erzählt von der bewegten Militärgeschichte der Stadt. Heute dient das ehemalige Gefängnis als außergewöhnliches Museum und zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Lettlands.

Seit 2007 befindet sich das Promenaden Hotel in dem aus dem Jahr 1797 stammenden Backsteingebäude.
Unbedingt sehenswert ist außerdem der breite, feinsandige Ostseestrand, der zu den schönsten im Baltikum zählt. Ein besonderes Erlebnis ist ein Spaziergang über den fast zwei Kilometer langen Wellenbrecher hinaus auf die Ostsee – vor allem bei Sonnenuntergang.

Blick auf die im neoklasszistischen Stil im Jahr 1954 errichtete Universität von Liepaja.
Unser Fazit
Für Kulturreisende bietet sich 2027 damit eine ideale Gelegenheit, Liepāja kennenzulernen. Die Stadt verbindet maritime Atmosphäre, große Musiktradition, eindrucksvolle Architektur und ein ambitioniertes Kulturprogramm. Wer das Baltikum bereist, sollte Europas Kulturhauptstadt 2027 unbedingt in seine Route aufnehmen – nicht nur wegen der zahlreichen Veranstaltungen, sondern auch wegen ihrer authentischen Ostsee-Atmosphäre, ihrer Gastfreundschaft und ihres kreativen Aufbruchs.
Service: Kulturhauptstadt Europas 2027 – Liepāja
Offizielle Website Kulturhauptstadt Europas 2027: Liepāja 2027 – European Capital of Culture
Hier finden Besucher das vollständige Kulturprogramm, Informationen zu Ausstellungen, Konzerten, Festivals, Tickets sowie aktuelle Nachrichten rund um das Kulturhauptstadtjahr. Das vollständige Jahresprogramm wird am 9. Oktober 2026 veröffentlicht.

Blick in die Markthalle von Liepaja mit einer interessanten Eisenkonstruktion.
Offizielle Tourismus-Website der Stadt Liepāja: Liepāja Tourismus
Die Seite bietet Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Hotels, Restaurants, Stadtführungen, Museen, Veranstaltungen sowie Tipps für Ausflüge in die Regionen Südkurland und Kuldīga.
Wie kommt man nach Liepaja ?


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