Wer für seinen Osterurlaub noch auf der Suche nach einem Ziel ist, wird in Polen fündig. Dort sind vorchristliche und christliche Bräuche bis heute lebendig. Die können Besucher auf einem der vielen Ostermärkte hautnah erleben. In Kaschubien und Masuren bieten Hotels Osterpakete mit regionaler Küche und Brauchtum an.
Ostern ist neben Weihnachten nach wie vor das wichtigste Familienfest. Am Ostersonnabend geht es in die Kirche. Dann werden die „Święconka“ gesegnet, ein Korb mit Brot, Wurst, Eiern, Meerrettich und weiteren Leckereien. Am Sonntagmorgen versammelt sich die Familie am reich gedeckten Frühstückstisch zum feierlichen Fastenbrechen. Am Ostermontag folgt der Śmigus-Dyngus – dann lauern vor allem Kinder und Jugendliche mit Wasserpistolen und Eimern an Straßenecken, um Passanten nass zu spritzen. Der Brauch geht auf einen alten Fruchtbarkeitsritus zurück
Zahlreiche Märkte zu Ostern
Wer die kulinarischen und kunsthandwerklichen Traditionen direkt erleben will, kann einen der vielen Ostermärkte besuchen, die im ganzen Land stattfinden. Der größte und bekannteste läuft bis zum Ostermontag in Kraków (Krakau). Auf dem Rynek Główny (Hauptmarkt) gibt es alles, was dazu gehört: die Pisanki genannten Ostereier, die in Wachsbatik- und Kratztechnik hergestellt werden, Osterpalmen, Keramik und Holzschnitzereien. Besucher können zudem erleben, wie die Święconka am Ostersonnabend gesegnet werden. In der oberschlesischen Hauptstadt Katowice (Kattowitz) läuft der Ostermarkt sogar bis zum 12. April.

Foto: Polnisches Fremdenverkehrsamt
Viele polnische Regionen haben bis heute ihre traditionellen Eigenheiten bewahrt. Ein Hingucker sind die farbenfrohen und riesengroßen Osterpalmen, die es vor allem in der masowischen Landschaft Kurpie und rund um Kraków gibt. Die Kaschuben zwischen Ostsee und Pommerscher Seenplatte feiern Ostern als „Jastrë“ mit Fischsuppe, Kräuterkäse und Schwarzbrot sowie den hier Kraszanki genannten einfarbigen Ostereiern.
Viele Hotels und Pensionen bieten spezielle Osterpakete mit Festtagsprogramm, österlichen Mitmachworkhops sowie SPA- und Wellnessprogramm an. So etwa das 4-Sterne-Hotel Wieniawa in Rekowo Górne (Rekau) oder das Resort Wichrowe Wzgórze in Chmielno.
An den masurischen Seen, wo Anfang April die ersten Störche landen, empfangen beispielsweise das Mazury Lake Hill von Radisson in Ostróda (Osterode) oder das Hotel Ognisty Ptak in Węgorzewo (Angerburg) ihre Gäste mit speziellen Angeboten zum Osterfrühling.
Osterprozessionen und Osterreiten
Für die Mehrzahl der gläubigen Christen in Polen gehört die traditionelle Auferstehungsmesse, die entweder nach Einbruch der Dunkelheit am Sonnabend oder vor Sonnenaufgang am Ostersonntag beginnt, zum festen Osterprogramm. Wichtiger Teil sind die Osterprozessionen. In Teilen Schlesiens blieb das Osterreiten erhalten.Pietrowice Wielkie (Groß Peterwitz) gilt als Zentrum dieses Brauchs, der immer am Ostermontag ausgeübt wird. Wie bei den normalen Osterprozessionen wird der Zug von einem Priester in vollem Ornat geleitet. Hinter ihm folgen die Gemeindemitglieder hoch zu Ross oder auf dem Pferdegespann. Gemeinsam reitet man zur außerhalb gelegenen Heiligkreuz-Kirche, wo die örtlichen Bauern bei einem Bittgottesdienst unter freiem Himmel für eine gute Ernte beten. Danach geht die Prozession weiter und der Priester segnet die Felder der Landwirte. Im Anschluss findet ein Fest statt. Woher dieser Brauch stammt, weiß niemand mehr so genau. Schriftlich belegt ist das Osterreiten in Pietrowice Wielkie seit etwa 300 Jahren. Etwas bescheidener sind die Osterritte in den ebenfalls im Ratiborer Land gelegenen Ortschaften Benkowitz (Bieńkowice), Herzoglich-Zawada (Zawada Książęca) und Sudoll (Sudół).
Ähnliche Traditionen gibt es heute noch bei den slawischen Sorben in der Lausitz sowie in Bayern.
Neben diesen christlichen Traditionen sind bis heute zahlreiche Bräuche heidnischen Ursprungs lebendig. Zum Frühlingsanfang steht vor allem die Fruchtbarkeit von Mensch und Natur im Vordergrund. So auch bei der altpolnischen Tradition des Śmigus-dyngus. Wer am Ostermontag unterwegs ist, sollte sich auf etwas gefasst machen. Vor allem Mädchen und junge Frauen wurden früher ausgiebig mit Wasser bespritzt. Das sollte sie von allem Schlechten befreien und ihnen zudem viele Kinder bescheren. Die Wasserattacken sind heute vor allem zu einem Vergnügen für Kinder und Jugendliche geworden, die mit Eimern oder Wasserpistolen an Straßenecken auf ihre Opfer lauern.
Weitere Informationen zum Reiseland Polen gibt es beim Polnischen Fremdenverkehrsamt unter www.polen.travel
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