Manfred Krug: Ich habe nicht viel erwartet. Tagebücher 2002 – 2004.

2026-09-18T11:35:56+02:0016. September 2026|Kategorien: Bücher|Tags: , , |

Manfred Krug konnte schimpfen, staunen, lachen und sich herrlich über die Welt ärgern. Vor allem aber konnte er schreiben. Mit „Ich habe nicht viel erwartet. Tagebücher 2002–2004“ erscheint am 17. September 2026 der vierte und letzte Tagebuchband des 2016 verstorbenen Schauspielers, Sängers und Autors. Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen hat ihn erneut Krista Maria Schädlich. Und wieder ist es dieser unverwechselbare Krug-Ton, der den Leser sofort packt: lakonisch, witzig, manchmal grantig, gelegentlich böse – aber fast immer hellwach. Krug beobachtet seine Umgebung mit dem Blick eines Schauspielers und der Genauigkeit eines Chronisten. Aus scheinbar banalen Alltagsszenen werden kleine Geschichten.

Lesenswert: Harald Jähner, Höhenrausch – Das kurze Leben zwischen den Kriegen

2024-07-27T15:04:43+02:0027. April 2024|Kategorien: Bücher|Tags: , , , , |

Deutschland, 1918. Ende des Ersten Weltkriegs, Revolution, Sieg der Demokratie. Zugleich beginnt ein Siegeszug befreiter Lebensweisen. Alles soll von Grund auf anders werden: die «Neue Frau», der «Neue Mann», «Neues Wohnen», «Neues Denken». Als es Mitte der Zwanziger auch wirtschaftlich aufwärtsgeht, wird Deutschland ein anderes Land. Frauen erobern die Rennpisten und Tennisplätze, gehen abends alleine aus, schneiden sich die Haare kurz. Unisex kommt in Mode, Androgynes und Experimentelles. Jähner erzählt von der Erfindung der Freizeit, von Boxhallen und Tanzpalästen, und von den Hotspots der Neuen Zeit, vom Warenhaus als Glücksversprechen oder der Straße als Ort erbitterter Kämpfe. So vieles wirkt heute verblüffend modern. Die Vorliebe für Ironie, das Gradlinige und Direkte. Aber auch die Angst vor der «Entwertung aller Werte», der Herrschaft des Billigen. Ein großer Teil der Deutschen fand sich im Aufbruch nicht wieder. Als das Geld knapper wurde und die Zukunft düsterer, offenbarte sich die tiefe Spaltung der Gesellschaft und die Unfähigkeit, sie auszuhalten.

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