Baedeker genießen seit jeher einen hohen Anspruch. Reisende und Entdecker möchten möglichst viel  erfahren, natürlich auch Geheimtipps, obwohl es diese in Zeiten des Internet kaum noch gibt. Über den Harz, dieses sagenumwobene Mittelgebirge mit seinen Burgen, Schlössern, Klöstern, Stauseen und teilweise wildromantischen Wanderwegen, ist längst noch nicht alles aufgeschrieben. Das gilt auch für den jetzt in überarbeiteter Auflage neu herausgebrachten  Baedeker Harz.  So fehlt mit Aschersleben eine der schönsten Städte am Harzrand. Die Stadt bezeichnet sich selbst als „das Tor zum Harz“. Auch die romanische Burganlage Freckleben  (OT von Aschersleben) mit der in Europa einzigartigen Drehspindelleiter wird nicht erwähnt. Ebenso fehlt das einzigartige Rügegericht von Volkmannrode (Stangerode). Letzteres bedarf stärkerer Beachtung, der Zahn der Zeit nagt an dem Gemäuer.  Ideen also für die irgendwann wieder zu aktualisierende Nachauflage des Baedeker Harz.

Bis auf diese „kleinen“ Fehlstellen kommt der Baedeker mit einer Unmenge von Neuigkeiten und selbst für Kenner des Harzes unbekannten Informationen daher. Oder hätten Sie gewusst, dass die in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch Mitarbeiter des Landesmuseums für Vorgeschichte Halle nahe dem kleinen Ort Quenstedt (bei Hettstedt) auf der Schalkenburg genannten Anhöhe ausgegrabenen fünf konzentrischen Kreisanlagen aus der Jungsteinzeit (Neolithikum) einst der Sonnenbeobachtung dienten ?
Auswahl von im Baedeker Harz vorgestellte Highligts

Ballenstedt

Einst war Ballenstedt die Residenz der Herzöge von Anhalt-Bernburg; es gilt als Wiege Anhalts. Das imposante Barockschloss auf dem Burgberg und der große Schlosspark mit Gartenkunst aus dem 18. und 19. Jahrhundert begeistern noch heute.

Ballenstedt

Blick auf Schloss Ballenstedt

einfachraus.de-Spezial: Was man in Ballenstedt unbedingt sehen sollte

Märchenhafter Burgnachbau

Lohnende Ausflugsziele in der Umgebung von Ballenstedt sind die mächtige Burg Falkenstein im Selketal und die Roseburg (2,5 Kilometer in Richtung Quedlinburg gelegen). Sie wurde 1905 bis 1925 im romantischen Stil nach Plänen des Berliner Architekten Bernhard Sehring an der Stelle einer bereits 964 erwähnten Festung erbaut. Die Roseburg gehört zu den Gartenträumen in Sachsen-Anhalt.

Blick ins Land von der Roseburg Foto: Weirauch

Blick ins Land von der Roseburg Foto: Weirauch

Kupferstadt Hettstedt

In Hettstedt am östlichen Harzrand kann man im Mansfeld-Museum mit seinem großen Freigelände 800 Jahre Bergbaugeschichte erleben. Abraumhalden prägen die Landschaft.

Haldenlandschaft bei Hettstedt

Haldenlandschaft bei Hettstedt

1046 schenkte Kaiser Heinrich III. den Marktflecken Heicztete dem Bischof von Meißen. 1199 wurde auf dem Kupferberg Kupferschiefer gefunden, bald darauf abgebaut und verarbeitet. Das Mansfelder Gebiet war der ergiebigste Kupferbezirk Deutschlands. Zwischen Eisleben und Hettstedt gab es neun größere Hütten. Auf Kupfer beruhte bis ins 20. Jahrhundert – trotz vieler Kriegswirren und verheerender Stadtbrände – das wirtschaftliche Leben in der Stadt.

Lutherdenkmal in Mansfeld, Foto Dieter Weirauch

Lutherdenkmal in Mansfeld, Foto Dieter Weirauch

Mansfeld-Museum in Hettstedt – Jahrhundertealter Kupferbergbau

Laut Cyriakus Spangenberg (1528-1604), dem einstigen Mansfelder Chronisten, entdeckten1199 zwei Goslarer Bergknappen namens Napplan und Nauke in Hettstedt Kupfererz. Das Mansfeld-Museum spiegelt die rund 800-jährige Geschichte des Mansfelder Kupferschieferbergbaus wider. Das Technikmuseum ist im Barockschloss Burgörner untergebracht, auch Humboldtschloss genannt. Das Schloss war einst Landsitz der Familie von Dacheröden, in die Wilhelm von Humboldt einheiratete. Sehenswert sind die zweiläufige barocke Treppe von 1726 und der sogenannte Schöne Saal mit seiner für die Entstehungszeit typischen Gutsherrenhaus-Dielung.

Mansfeld-Museum in Hettstedt-Burgörner, Foto: D.Weirauch

Mansfeld-Museum in Hettstedt-Burgörner, Foto: D.Weirauch

Die Exponate des Museums sind sowohl innen als auch im Freigelände ausgestellt. Zu sehen sind historische berg- und hüttenmännischen Werkzeuge, Schrift- und Sachzeugen des Altbergbaus sowie die den Bergbau begleitenden Industriezweige, ein Streckenvortrieb mit Streb und Förderanlage sowie eine original eingerichtete Revierstube.

Dampfmaschine Hettstedt

Nachbau der Hettstedter Dampfmaschine in Hettstedt- Burgörner Foto: Weirauch

Ein Höhepunkt ist der funktionstüchtige Originalnachbau der ersten deutschen Dampfmaschine Watt’scher Bauart, die am 23. August 1785 auf dem damaligen König-Friedrich-Schacht in der Flur von Burgörner (heute OT von Hettstedt) in Betrieb genommen worden ist, um das Sickerwasser aus dem Schacht zu pumpen. Außerhalb des geschlossenen Museumskomplexes befindet sich das Lichtloch 24 (rund 100 Meter tief) des Mansfelder Schlüsselstollens.

einfachraus.de-Special:  Hier erfahrt ihr mehr über die Geschichte der 1. deutschen Dampfmaschine Wattscher Bauart.

Maschinendenkmal Hettstedt Dampfmaschine

Das Maschinendenkmal inmitten der Mansfelder Haldenlandschaft Foto: Weirauch

Mansfeldmuseum im Internet www.mansfeld-museum-hettstedt.de 

Im Wippertal rund um Hettstedt

Schloss Oberwiederstedt: Geburtsort eines großen Romantikers

Schloss Oberwiederstedt, im 3 Kilometer nördlich von Hettstedt gelegenen Dörfchen Wiederstedt, beherbergt eine Forschungsstätte für Frühromantik und ein Novalis-Museum. Auf dem Stammsitz der Familie von Hardenberg wurde 1772 der Dichter Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, genannt Novalis, geboren.

Novalisschloss in Wiederstedt Hettstedt Sachsen-Anhalt

Novalisschloss in Wiederstedt Foto: Weirauch

Das Novalis-Museum ist dem Leben und Schaffen des Dichters gewidmet. Regelmäßig finden Veranstaltungen statt, und der Schlosspark mit dem „Blauen Garten“ lädt zu Spaziergängen ein.

einfachraus.de-Special:  2022 feiern wir den 250. Geburtstag von Novalis.

Burgruine Arnstein: Wiege der guten Manieren

Südöstlich (in Richtung Sylda) des 10 Kilometer nordwestlich von Hettstedt gelegenen Dorfes Harkerode erhebt sich auf einem Bergrücken über dem Einetal die wuchtige Burgruine Arnstein. Die Burg entstand vor 1135 im Auftrag des Grafen von Arnstein zum Schutz der Harzrandstraße zwischen Wernigerode und Eisleben. 1678 wurde die Herrschaft von Arnstein an die Freiherren von Knigge verpfändet. Von der ab 1736 dem Verfall preisgegebenen Anlage sind noch Reste von Bergfried und Palas zu sehen. Hier schrieb 1788 Freiherr Adolf Franz von Knigge (1752-1796) sein berühmt gewordenes, fälschlich nur als Erziehungsbuch betrachtetes Werk „Über den Umgang mit Menschen“, kurz „Knigge“ genannt.

Arnstein Burg

Blick zum Arnstein bei Harkerode

Ilsenburg

Die Nationalparkgemeinde Ilsenburg mit ihrem malerischen kleinen Zentrum rund um den Forellenteich gehört zu den kleineren Urlaubsorten im Harz. Das wildromantische Ilsetal lockt Wanderer und Naturliebhaber. Hier beginnt der wohl schönste Aufstieg zum Brocken, nämlich der über den Heinrich-Heine-Weg.

Ilsestein Harz Ilsenburg

Blick zum Ilsestein bei Ilsenburg

St. Petri und Paul: Außen schlicht, innen faszinierend

Sehenswert ist die 1078 – 1087 erbaute Klosterkirche, die zur Straße zur Romanik gehört. Durch Zerstörungen und Umbauten im 16. Jahrhundert zeigt sie sich heute ohne ihre nördlichen Bauteile. Die ursprünglich dreischiffige Anlage besaß eine typische Doppelturmanlage im Westen (heute steht nur noch der Stumpf des Südturms). Um 1200 wurde die flache Holzbalkendecke durch ein Kreuzrippengewölbe, im 16. Jahrhundert durch das heutige Kreuzgratgewölbe ersetzt.

einfachraus.de – Special: Hier ein Abstecher nach Ilsenburg.

ilsenburg harz

Im wildromantischen Ilsetal

Stolberg – die Europastadt

Ein malerisches Kleinod ist Stolberg im Südharz. Eingebettet in schmale Täler mit einem wunderschönen mittelalterlichen Stadtbild und dem eindrucksvollen Schloss hoch über der Stadt trägt sie zu Recht den Beinamen „Perle des Südharzes“. Liebevoll sanierte Fachwerkbauten aus Spätgotik und Renaissance säumen die Gassen. Hier können Sie der Hektik des Alltags entfliehen.

einfachraus.de – Special: Zu einen der besten Hotels im Harz zählt der Schindelbruch.

Burg Falkenstein

Die Burg im Selketal gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Burgen in Deutschland. Sie wurde zwischen 1120 und 1180 errichtet und im 17. Jahrhundert teilweise im Stil der Renaissance umgebaut. Blickfang des Bergfried ist der 33 Meter hohe Turm mit der 4 Meter dicken Schildmauer. Im Südflügel ist der Rittersaal der schönste Schauraum der Burg.

Burg Falkenstein hoch über dem Selketal Harz

Burg Falkenstein hoch über dem Selketal

Im Innenhof der Kernburg befindet sich ein 20 Meter tiefer Brunnen. Im 18. Jahrhundert erhöhte man den Mittelhof. Eine steile Hohlstiege verband das alte Haupttor, das „Krumme Tor“ nun direkt mit dem Mittelhof.

Die dreiflügelige Anlage mit sieben Toren, Zwingern und drei Halsgräben hat ihren mittelalterlichen Charakter bewahrt

einfachraus.de – Special: Was es mit Eike von Repgow und dem Falkenstein auf sich hat, erfahrt ihr hier.

Weitere Sehenswürdigkeiten im Harz, einfachraus.de war dort:

Bad Harzburg

Goslar mit dem Rammelsberg

Quedlinburg

Baedeker: HARZ. DIE BESTEN SEITEN VON BAD GRUND BIS WERNIGERODE. ISBN 978-3-8297-1882-0. www.baedeker.com. Neu mit der praktischen Karte easy zip.

Cover.Harz.Baedeker (

Rainer Eisenschmid, Chefredakteur Baedeker:
„Wir wünschen Ihnen lebendige Eindrücke und Zeit für das Wesentliche! Entdecken Sie mit Baedeker das Außergwöhnliche, lassen Sie sich inspirieren und gestalten Sie Ihr persönliches Programm nach Ihren Vorlieben.“ Dort wo Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aufeinander treffen liegt das Mittelgebirge Harz, das Land der Luchse mit einer urigen Gebirgswelt, schroffen Felsen, tiefen Wäldern und faszinierenden Ausblicken. Dazwischen finden sich Schlösser, Burgen und Klöster wie aus dem Märchenbuch.Ein bisschen Nervenkitzel gefällig? Fliegen Sie mit einem Ballonfahrt über das Gebirge oder springen Sie von einer Brücke! Dazu müssen Sie nicht bis nach Neuseeland reisen. Entdecken Sie wunderschöne Radwege und tauchen Sie ein, in eine Gegend voller Hexen und Brauchtümer.Ein Gänsehautfeeling der besonderen Art erleben Sie, wenn im duftenden Rosengarten in Sangerhausen im August von 1000 Lichtern erleuchtet werden … ganz magisch und ein einzigartiges Erlebnis.

Vor bald 200 Jahren begann in Koblenz eine einmalige Erfolgsgeschichte: Karl Baedeker erfand den Reiseführer. Sein Name ist seither zum Synonym für Reiseführer geworden. Reisen hieß damals Aufbruch in die Fremde, mit vielen Fragen: Wie komme ich dorthin? Wo kann ich schlafen? Was soll ich mir anschauen? Karl Baedeker hatte die Antworten: ein „Handbuch für Reisende, die sich leicht und schnell zurechtfinden wollen“. Reisen heute bedeutet aber noch mehr: Gegangen, Erfahren, Erspüren, und das Erlebte mit Freunden teilen. Die schönsten Momente für Ihre Riese finden Sie im Baedeker. Das Original seit 1827.

Ich bin gespannt auf die nächste Ausgabe des Baedeker Harz, denn die Region gewinnt zunehmend an Qualität. Vorbei ist die Zeit, dass Berliner naserümpfend meinten, der Harz sei altbacken. Es gibt viel Neues, wenn ich beispielsweise  an die seit kurzem veranstalteten unterirdischen Kanutouren im Besucherbergwerk Wettelrode bei Sangerhausen denke. Oder an den Baumkronenpfad in Bad Harzburg. Der Baedeker Harz gibt viele Anregungen, zwei Wochen  Besuch im Harz reichen nicht…. wir kommen wieder.

Hier unser Besuch in Aschersleben

Blick vom Stumpfen Turm über Aschersleben

Blick vom Stumpfen Turm über Aschersleben

und

hier die

sagenumwobene Burg Freckleben hoch über dem Wippertal

AscherslebenFreckleben (12)