Unterwegs im Paradies – wer träumt nicht davon? Wir hatten vom „schlesischen Elysium“ gelesen, gemeint war das Hirschberger Tal im heutigen Polen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts fuhr der preußische Hochadel zur Sommerfrische dorthin. Wir gehören nicht dem preußischen Hochadel an, leben aber in der ehemaligen preußischen Provinz Brandenburg, warum nicht auch mal die ehemalige preußische Provinz Schlesien erkunden? Zumal das Hirschberger Tal am Fuße des Riesengebirges mit Burgen, Herrenhäusern und Schlössern lockt. Fazit: Es lohnt sich, die erhaltenen Schlösser, darunter Erdmannsdorf (Myslakowice), Fischbach (Karpniki),  Schildau (Wojanów), Lomnitz (Lomnica), Stohnsdorf (Staniszów) und Wernersdorf (Pakoszów) zu besuchen.

Auf dem Weg in das Tal der Schlösser

Das Riesengebirge ist höchster Teil der Sudeten, grüne, wunderschöne Talkessel und tiefblaue Seen bildeten romantische Kulissen auf unserer Fahrt zu unserer ersten Übernachtungsstätte, dem Schlosshotel Wernersdorf (Pałac Pakoszów). Der Blick auf die Schneekoppe, dem höchsten Berg des Riesengebirges, blieb uns während der Tour nicht verwehrt, gelegentlich hat ein Regen-/Gewitterguss die Sicht „vernebelt“ und die Landschaft zeigte sich mit ihren Wetterstürzen von ihrer rauen Seite. Uns gefiel es, Regenbekleidung hatten wir dabei, und wenn die Sonne wieder schien, atmete nicht nur die Natur auf.

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Traumhafter Blick auf das Riesengebirge mit der Schneekoppe

Pałac Pakoszów (Schloss Wernersdorf)

Erstes Ziel, sozusagen am Eingang des Hirschberger Tales, ist der Pałac Pakoszów (Schloss Wernersdorf). Kein Adeliger hat es erbaut, sondern ein Manufakturbesiutzer. Zeitweise war in dem Gebäude eine Manufaktur zur Leinenherstellung untergebracht.  1725 ließ der Hirschberger Kaufmann Johann Martin Gottfried, Schwiegersohn des Hirschberger Leinenhändlers Christian Mentzel, eine Leinwandbleiche in Wernersdorf errichten. Sie beherbergte nicht nur Lager- und Produktionsräume, sondern war auch repräsentativ ausgestattet und steht stellvertretend für die zahlreichen Landsitze der damals bestimmenden Hirschberger Handelsaristokratie. Die Wohnräume waren reich stukkiert und mit Marmorkaminen ausgestattet. Im Mittelbau gab es einen festlichen Ballsaal mit illusionistischen Deckenmalereien, die vermutlich vom Künstler Hoffmann stammen, einem Schüler des schlesischen Malers Michael Willmann. Unter den Landschaftsmotiven befand sich auch ein Abbild der Wernersdorfer Bleiche selbst. Heute findet sich dieses Motiv als Teil eines großen Deckengemäldes im Barocksaal wieder. Friedrich der Große und der spätere US-Präsident Quincy Adams waren dort zu Besuch. 

Barocksaal auf Schloss Wernersdorf, Foto: Schloss Pakoszow

Barocksaal auf Schloss Wernersdorf, Foto: Schloss Pakoszow

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Wenn ihr genau hinschaut, so entdeckt ihr im Deckenbild Schloss Wernersdorf

Altes erhalten

Ein weiterer Raum ist noch heute vollständig erhalten, mit wertvollen Delfter Kacheln ausgekleidet, als sichtbares Zeichen der weitreichenden Verbindungen der Patrizierfamilie. Wir denken uns in diesem Zimmer in die Küche des Schlosses des Großen Kurfürsten in Caputh, die ebenso mit den Delfter Kacheln ausgestattet wurde. Leben wie die Könige in einem Elysium? Ab 1771 gehörte das Haus dem Kaufherrn Johann Heinrich Heß, der seine reiche Kunstsammlung dort aufbewahrte und in dessen Familie der Besitz bis 1945 blieb. Das Anwesen erbte jeweils die nächste Generation in weiblicher Linie. 

Nachkommen mit Visionen

Besonders in Ehren hielt man die Andenkenstücke, die Friedrich der Große den Besitzern bei seinen Besuchen auf Wernersdorf in den Jahren 1759, 1777 und 1785 überlassen hatte. Nach dem Krieg wurden die Kunstsammlungen verschleppt. Das Haus selbst wurde zeitweise als Kinderheim genutzt, stand danach lange leer und verfiel. 2005 kaufte schließlich mit einer Sondergenehmigung des polnischen Innenministeriums das Ärzteehepaar Hartmann (Dr. Hagen Georg Hartmann war der Enkel der letzten Bewohnerin, Margarethe Drewes, geb. Heß), aus dem Saarland die ruinöse Bleiche sowie ein etwa fünf Hektar großes Grundstück und angrenzende neun Hektar mit drei Fischteichen. Zusammen mit ihren drei Kindern entschlossen sich die promovierten Mediziner am historischen Ort ein Schlosshotel zu eröffnen. Zwischen 2006 und 2012 wurde es aufwendig um- und ausgebaut. Äußerlich erhielt das barocke Gebäude seine ursprüngliche Dachform und einen schon im 18. Jahrhundert belegten Anbau zurück. Innen wurde das ehemalige Schloss-/Manufakturgebäude unter Bewahrung historischer Element in modernem Design eingerichtet. 

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Die Bibliothek bietet auch eine umfangreiche Sammlung von Büchern zu Schlesien

Seehaus bietet neue Ausblicke

2019/2020 wurde das Schloss um ein Seehaus erweitert. Zu den 19 Zimmern im Schloss kamen 23 Luxuszimmer, zwei Appartements sowie ein multifunktional nutzbarer Restaurant- und Bankettsaal hinzu. Der Architekt Christopher Schmidt-Münzberg, der bereits für den Wiederaufbau des Herrenhauses verantwortlich war, hat ein Seehaus errichtet, das sich vollkommen von der barocken Anlage unterscheidet.

PR Foto: Schloss Wernersdorf/Pałac Pakoszów

PR Foto: Schloss Wernersdorf/Pałac Pakoszów

Klare Strukturen, funktionale Ausrichtung, große Fenster mit Blick zu einem der ehemaligen Bleichteiche, helle Farben in den Räumen, moderne Möblierung geben dem zweistöckigen Gebäude ein besonderes Flair. Jedes Zimmer verfügt über Außenplätze, so dass man jederzeit in die Natur „fern“-sehen kann. Wir benötigen jedenfalls keinen dinglichen Fernseher, beobachten lieber das Schwanen- und Entenpaar, hören dem Vogelgezwitscher zu oder schauen dem Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zu – fernab aller städtischen Geräusche.

Foto: Palace Pakoszow

Foto: Palace Pakoszow

Spaß macht es auch, das Zimmer zu verlassen und direkt in einer Kunstausstellung zu stehen. Einige der Ausstellungsstücke (Skulpturen von Jacek Opała. Foto: MatiMEDIA) in den gläsernen Nischen scheinen mit der Natur zu verschmelzen. Und auch die Gemälde an den Wänden bekommen durch den Lichteinfall eine besondere Ausstrahlung. Auch das gefällt uns in dem 5-Sterne-Hotel sehr gut. 

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Was für eine Begrüßung am frühen Morgen: der Schwan vor dem Fenster des Seehauses

Im Blick: Schneekoppe

Kunst begegnet den Gästen bereits beim Betreten des großzügigen Hotelkomplexes. Das stattliche Gebäude mit den vorgelagerten ehemaligen Bleichwiesen finden sich, aus Hermsdorf (Sobieszów) Richtung Petersdorf (Piechowice) kommend, direkt hinter der Brücke über den Fluss Zacken (Kamienna) an einem geschotterten Zufahrtsweg.

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Von der Hofeinfahrt kann man gut das von einer Bruchsteinmauer umgebene Schlossgelände mit der kleinen Dreiflügelanlage sehen. Wir fahren in unserem Auto bis zur Rezeption die große Auffahrt hinunter, vorbei an den kunstvollen hellen Figuren auf dem sattgrünen Rasen der großen ehemaligen Bleichwiese, die zur  Schneekoppe blicken, nicht zum Schloss.

Wie die Gäste scheint es auch die Kunstfiguren hinaus in´s Weite zu ziehen. Während mein Mann zum Schloss vorfährt, stelle ich mir vor, wie König Friedrich II. hier wohl in seiner Kutsche vorgefahren ist? Vielleicht haben damals barocke Putten seinen Weg gesäumt und ihm eben soviel Freude gemacht, wie uns die heutigen Kunstwerke. Verglichen mit seinem Sommerschlösschen Sanssouci mit seine opulenten Fontänen- und Terrassenanlage und breitem Treppenaufgang wirkt das Schloss Wernersdorf  eher nüchtern. Dennoch muss es ihm hier gefallen haben, denn sonst wäre er bestimmt nicht dreimal hierher gekommen. Vielleicht hat ihn die Landschaft mit ihrer Weite, mit ihren Farben und Gerüchen so fasziniert wie uns. Ich möchte einfach nicht davon ausgehen, dass er wegen eventueller Kriegsvorbereitungen hierher gereist war. Ein Blick in die Geschichte: Als Ergebnis des Ersten Schlesischen Krieges bekam das siegreiche Preußen den Großteil Schlesiens und die böhmische Grafschaft Glatz zugesprochen. Wir befinden uns hier also auf sehr historischem Boden.

Entspannen in kunstvoller Umgebung

Wir begeben uns mit unserem leichten Gepäck zur Rezeption, die Anmeldung verläuft schnell und reibungslos. Es ist kurz vor 21 Uhr, der Rezeptionist führt uns durch das Restaurant in das Seehaus zu unserem Zimmer. Den Zugang finden wir ein bisschen unglücklich, erfahren aber am nächsten Tag, dass es bald eine Veränderung geben wird, die den Zugang zum Spa-Bereich und zum Seehaus außerhalb des Restaurants ermöglichen soll. Das ist nur zu begrüßen, bringt es doch auch mehr Ruhe in den Restaurantbereich.

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Blick in ein Design-Zimmer Foto: Schloss Wernersdorf

Durch die „Kunstgalerie“ gelangen wir dann in unser Zimmer, das uns von seiner Größe mit der modernen Ausstattung sehr gefällt. Im Gegensatz zum Flur mit seiner Kunstgalerie ist im Zimmer nichts zu finden. Ich weiß schon, der Grundsatz „weniger ist manchmal mehr“, hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und das ist in diesem Falle der Blick aus der großen Fensterfront hinaus in die Natur, aber vielleicht könnte eine schwarz-weiß Fotografie von der Schneekoppe, die man von unserem Zimmer aus nicht sehen kann, das Interesse auf eine Wanderung dorthin schüren und so eine Verlängerung des Aufenthalts wecken?

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Traumhaft der Blick auf das Riesengebirge auf die Schneekoppe

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Eingebettet in eine traumhafte Landschaft präsentiert sich das Seehaus

Auf jeden Fall schlafen wir traumhaft, ob mit oder ohne Foto an der Wand. Gefallen hat uns auch die Trennung von Sanitär- und Badbereich. Auch der Schriftzug Pałac Pakoszów auf den Handtüchern strahlt dem Gast entgegen und ist ein stilvolles Detail in dem 5 Sterne Ressort.

Fitness und Sauna am Abend

Am nächsten Abend nutzten wir den Spa-Bereich, der klein, aber fein ist. Es gibt einen Pool sowie eine Finnische Sauna. ebenfalls gut fanden wir, dass man nach der Sauna auf einer abgeschirmten Liegeterrasse ruhen kann.

Foto: laudia-Cieplinska-Fotografia-Pakoszow-1

Ein kleiner, feiner Wellnessbereich lädt ein, Foto: Schloss Pakoszow

Foto: Schloss Pakoszow

Spuren eines alten Handwerks

Nach einem ausgiebigen Frühstück im „Verbinder“ zwischen Schloss und Seehaus, sehen wir auf dem Fußboden „Schaufenster“, die Blicke in den Untergrund ermöglichen. Wir sehen einen  Bach, der zu den Teichen fließt, eingebettet in altes Mauerwerk. Das ist reizvoll und führt zurück zur ursprünglichen Nutzung des Gebäudes. Denn zum Bleichen benötigte man Wasser und Pottasche, Säuren wurden damals nicht verwendet. Auf den großen Wiesen vor dem Schloss wurden die vorher über Nacht in Wannen in Pottaschelösung eingelegten Leinwände in der Sonne getrocknet. Die Feuchtigkeit wurde über Wasserfurchen abgeleitet.Nach dem Bleichen kamen die Leinwände in die Walke und unter die Mangel. Beide Arbeitsgänge wurden durch im Haus befindliche Wassermühlen unterstützt. Zehn Wochen dauerten es, bis die Leinwand völlig gebleicht war.

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Das Gartenhaus hat Platz für eine größere Familie

Im Gartenhaus von Wernersdorf. Foto: laudia-Cieplinska-Fotografia-Pakoszow-1

Gemütlichkeit im Gartenhaus von Wernersdorf. Foto: Klaudia-Cieplinska-Fotografia-Pakoszow

Danach erkunden wir den großzügigen Parkbereich, in dem auch ein Kinderspielplatz Kinder zum Toben einlud. Doch auch beim Ballspielen auf den weiten Rasenflächen fühlten sich die Kinder wohl. In der Nähe des Schlosses sahen wir auch Schachspielern zu, natürlich ohne zu stören. Eine wunderschöne Blumenanlage mit Rhododendron, Lilien, Pfingstrosen u. a. lud in der Nähe ebenfalls zum Verweilen ein.

Vielfältige Nutzung des Schlosses 

Wer einen Blick in das Delfter Zimmer oder in den Ballsaal werfen möchte, kann seinen Wunsch an der Rezeption äußern. Das freundliche Personal hilft weiter. Natürlich kann man die Räumlichkeiten auch zu öffentlichen Veranstaltungen, wie Konzerten, Lesungen, Ausstellungseröffnungen, Familienfeiern und anderen Veranstaltungen kennenlernen. 

PR Foto: Schloss Wernersdorf/Pałac Pakoszów

Eine Rarität weit und breit ist das „Kachelstübchen“ PR Foto: Schloss Wernersdorf/Pałac Pakoszów

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Stützpfeiler am Schloss verweisen auf die Historie von Wernersdorf

Blick in den Salon von Schloss Wernersdorf Hirschberger Tal Polen

Blick in den Salon „Meissen“ von Schloss Wernersdorf

 

Blick in das Gourmetrestaurant

Blick in das Gourmetrestaurant

Historie des Schlosses begleitet den Gast auf Schritt und Tritt

Historie des Schlosses begleitet den Gast auf Schritt und Tritt

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Immer frische Blumen auf den Tischen…

Multifunktionsraum, im Vordergrund der verglaste unterirdische Wasserlauf

Multifunktionsraum, im Vordergrund der verglaste unterirdische Wasserlauf

Übrigens ist die Küche von Schloss Wernersdorf auch im Gault Millau vertreten. Leider hatten wir keine Gelegenheit, um die Kochkunst zu erleben.

Informationen und Anfahrt

Pałac Pakoszów, Schloss Wernersdorf
ul. Zamkkowa 3, 58-573 Piechowice, Tel. +48 75 769 37 17
www.palac-pakoszow.pl

Anfahrtsinfos:

die nächsten Flughäfen:
Dresden: 170 Kilometer; Wrocław: 120 Kilometer

mit der Bahn: Dresden-Görlitz: 70 Kilometer

mit dem Auto: Autobahn bis Görlitz, dann auf A4 Richtung Wrocław, Abfahrt Jelenia Gora, weiter Nationl-Straße 3 (E 65) in Richtung Szklarska Poręba/Prag

Literaturtipp u.a.: Arne Franke, Das schlesische Elysium. Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und Parks im Hirschberger Tal. Deutsches Kulturforum östliches Europa e.V. Potsdam 2004. ISBN 3-936168-07-5

Mehr über das Tal der Schlösser findet ihr hier.

Nächste Stationen unserer Kurzreise durch das Hirschberger Tal sind die Schlösser Lomnitz, Schildau, Fischbach und Stohnsdorf, bevor wir nach Schweidnitz eine gastfreundliche Bleibe im Herrenhaus Birkholz bei Kinga und Tomasz Kwaterski erhielten. Darüber erfahrt ihr demnächst mehr.

Die Recherche wurde unterstützt vom Polnischen Fremdenverkehrsamt Berlin. Vielen Dank.

Mehr über Reiseziele in Polen beim Polnischen Fremdenverkehrsamt: www.polen.travel

Polen-Info:| Polnisches Fremdenverkehrsamt, Hohenzollerndamm 151
14199 Berlin, Telefon: 030 / 210 09 20, Öffnungszeiten: Mo-Fr., 9.00-16.00 Uhr