13 Jahre nach Hochparterres erstem Architekturführer zu Winterthur erscheint in Hochparterres Architekturführer-Reihe ein komplett neuer Band zur Eulachstadt. Der «Architekturführer Winterthur» ist ein Reisebegleiter für Tourist:innen und Architekturinteressierte. Zudem ist er ein umfassendes Nachschlagewerk für Architekt:innen, die mehr über das bauliche Erbe der Stadt und ihrer Umgebung erfahren möchten.

Cover Architekturführer Winterthur Edition Hochparterre
Das Buch dokumentiert rund 690 Bauten und Ensembles auf 550 Seiten. Der Fokus liegt auf dem Zeitraum ab 1830, als die industrielle Karriere Winterthurs begann. Der erste umfassende Architekturführer zu Winterthur blickt auch über das Stadtgebiet hinaus, beispielsweise auf die prototypische Agglomerationsgemeinde Illnau-Effretikon. Sechs Einführungstexte und Essays zur Stadtentwicklung vermitteln einen Überblick über das Baugeschehen in der Stadt; Quartierpläne sorgen für geografische Orientierung. Auch eine Anzahl nicht realisierter oder abgebrochener Bauten werden dokumentiert. Zu jedem Objekt gibt es mindestens ein aktuelles oder historisches Foto, zu einem Grossteil teilweise eigens gezeichnete Grundrisse.
Ein neuer Architekturführer für WinterthurZürich, Ende Oktober 2024
13 Jahre nach Hochparterres erstem Architekturführers zu Winterthur erscheint ein neuer Architekturführer zur Eulachstadt. Der umfangreiche Band dokumentiert rund 690 Bauten und Ensembles und legt dabei den Fokus auf dem Zeitraum ab 1830, als die industrielle Karriere Winterthurs begann. Der Architekturführer blickt auch über das Stadtgebiet hinaus, etwa auf die prototypische Agglomerationsgemeinde Illnau-Effretikon. Sechs Einführungstexte und Essays zur Stadtentwicklung vermitteln einen Überblick über das Baugeschehen in der Stadt; Quartierpläne sorgen für geografische Orientierung. Auch nicht realisierte oder abgebrochene Bauten werden dokumentiert. Zahlreiche Objekte sind mit Grundrissen abgebildet, zu jedem Objekt gibt es mindestens ein aktuelles oder historisches Foto. Das Buch ist ein Begleiter für Touristen und Architekturinteressierte sowie ein umfassendes Nachschlagewerk für Architektinnen und Architekten, die mehr über das bauliche Erbe der Stadt und ihrer Umgebung erfahren möchten. Architekturführer Winterthur. Gebäude, Freiraum, Infrastruktur
Umbau der Industrieareale
Die Debatte über die Stadtentwicklung in Winterhur wurde duch die Stilllegung und die Umnutzung von Industriearealen befeuert. Das betraf auch kleinere und mittlere Fabriken wie die einstige Elastiquefabrik oder die ehemalige Seidenweberei Sidi. Im Fokus stand jedoch das Sulzer-Areal Stadtmitte, das sich vom Hauptbahnhof bis ins Tössfeld erstreckt. 1988 entschied die Konzernleitung, weite Teile des Areals stillzulegen und ihre Produktion in Oberwinterthur (heute Neuhegi) zu konzentrieren. Damit wurden rund 140 000 Quadratmeter Land an zentraler Lage für die Umnutzung frei. Sulzer gab eine Testplanung in Auftrag, die unter dem Namen „Winti Nova“ einen weitgehenden Abbruch der alten Gebäude und eine neue Mischnutzung vorsah. Dass das Unternehmen allein über ein derart großes Areal, das als Schlüssel der Stadtentwicklung galt, entscheiden wollte, führte zu einem breiten Widerstand in Politik und Fachkreisen, zumal weite Teile der historischen Bausubstanz zunächst dem Abbruch geweiht waren. In der Folge organisierte die Stadt Werkstattgespräche, in denen grundsätzliche Fragen der künftigen Stadtentwicklung diskutiert wurden. Daraus ist das Forum Architektur hervorgegangen, das bis heute als wichtiger Ort für den Dialog über die Winterthurer Stadtentwicklung gilt. In die Diskussion um die Zukunft des Sulzer-Areals wurden auch das Arch- und das Toni-Areal auf der anderen Seite der Gleise einbezogen. Das Ergebnis war die Öffnung der früher ‚verbotenen Stadt’ und die bessere Vernetzung der zentralen Gebiete rund um den Bahnhof, inklusive Altstadt. Parallel dazu schloss Sulzer mit Stadt und Konton einen Vertrag über die erhaltenswerte Bausubstanz ab. (Huber, S. 52)

Technorama.Winterthur.Schweiz
Die Strategie der Architektur darf man nicht unterschätzen
Als Stadtmacherin und ehemalige Berliner Senatsbaudirektorin weiß Refula Lüscher, wie Städte ticken. Bettina Stefanini, Direktorin der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG), ist sich bewusst, dass deren großer Immobilienbesitz einen Einfluss hat auf die Entwicklung Winterthurs. Beide wohnen in der Stadt und haben sich zum Gespräch getroffen.
Regula Lüscher, Sie sind vor wenigen Jahren nach Winterthur gezogen. Wie würden Sie einer ehemaligen Arbeitskollegin aus Berlin die Stadt Winterthur beschreiben?
Lüscher: Ich würde mit der Geschichte der Industrie beginnen: Winterthur ist eine frühere Industrie- und Arbeiterstadt, die sich in eine Wissensstadt transformiert hat. Es ist außerdem eine Stadt, in der das Wasser bedauerlicherweise nur eine Nebenrolle spielt. Dafür hat Winterthur sieben Hügel, von denen man auf die Stadt hinunterschauen kann. Sie bietet viel Kultur und mitten drin ein Fußballstadion mit einem Fanclub. Und im Unterschied zu Berlin hat Winterthur eine bemerkenswerte Altstadt, die nicht total gentrifiziert ist, mit engen Gassen, aber auch viel Weite.
Gibt es auch Vergleichbares zwischen den beiden Städten?
Lüscher: Es gibt tatsächlich Parallelen. Auch Berlin ist eine Stadt des Proletariats. Zudem haben die beiden Städte den gleichen Grünflächenanteil – 40 Prozent. Das Grün ist in Winterthur aufgrund der Hügel aber viel besser wahrnehmbar. In Berlin muss man sich die Grünflächen erwandern. (Huber, S. 62)
Lokstadt: Lokomotive Rocket und Tigerli
Dialogplatz 1
2025-2027: Schmidt Hammer Lassen
Architects, Cometti Truffer Hodel Architekten
Die ‚Rocket‘ war eine der ersten Lokomotiven, konstruiert 1829 von George und Robert Stephenson. In der Lokstadt steht der Begriff für eine Innovation der anderen Art. Ina Invest als Eigentümerin hat Implenia mit der Entwicklung einer der höchsten Holzbauten beauftragt. 100 Meter hoch – 32 Stockwerke – wird der neubau Rocket, als Wahrzeichen der Lokstadt. Zusammen mit der ETH Zürich und Walt Galmarini Ingenieure hat Implenia die Konstruktion für das Hochhaus erarbeitet. Es wird zur Hauptsache 185 Wohnungen mit 1,5 bis 4,5 Zimmern aufnehmen, deren Grundrisse gemeinsam mit den Bedürfnissen von künftigen Mietern gespiegelt wurden. In die unteren Geschosse wird ein Hotel einziehen. Weiter Mietwohnungen, ein großer Teil davon gemeinnützig, wird es im Sockelbau Tigerli geben, der seinen Namen von einer legendären SLM-Dampflokomotive hat. Die Fassaden stellen eine Verbindung zu den früheren Industriebauten her. (Huber, S. 246)

Cover Architekturführer Winterthur Edition Hochparterre
Architekturführer Winterthur: Gebäude, Freiraum, Infrastruktur
Werner Huber, Edition Hochparterre: Architekturführer Winterthur. Gebäude, Freiraum, Infrastruktur. Mit Illnau-Effretikon und Umgebung. 1. Auflage, Edition Hochparterre, 2024. ISBN 978-3-909928-94-1. 68,00 €
Mehr zum Verlag hier: www.edition.hochparterre.ch
Die Recherche in Winterthur wurde unterstützt von Schweiz Tourismus, Büro Berlin, und Wallis Tourismus.
Ein weiterer Fokus liegt auf der Gestaltung von öffentlichen Räumen und Freizeitangeboten. Plätze, Grünanlagen und autofreie Zonen sind zentrale Bestandteile der Planung. Sie fördern Begegnung, Bewegung und kulturelle Aktivitäten und tragen zur hohen Lebensqualität bei. Viele ehemalige Industrieflächen werden zudem für Events, Märkte oder kulturelle Nutzungen geöffnet, was die Quartiere über ihre Wohnfunktion hinaus aktiviert. Nicht zuletzt ist die Transformation eng mit nachhaltiger Stadtentwicklung verknüpft. Konzepte wie Verdichtung nach innen, energieeffiziente Bauweisen und die Orientierung an Klimazielen (z. B. Reduktion von CO₂-Emissionen) sind integraler Bestandteil der Planung. Die Umnutzung bestehender Flächen verhindert zusätzliche Zersiedelung und nutzt vorhandene Infrastruktur effizient.
Hinterlasse einen Kommentar