Mit seinem kleinen Weinführer möchte Pierre Thomas den Lesern helfen, die Schweizer Weine zu entdecken. Hinter jeder Flasche stehen eine Landschaft, eine Region, ein Winzer oder eine Winzerin und manchmal sogar mehrere Generationen einer Familie.

„Für so ein kleines Land, dessen Weinproduktion keinerlei internationalen Ruf geniesst, weil es verschwindend wenig Wein exportiert (je nach Jahr nur etwa eine Million von 100 Millionen Litern produziertem Wein), ist die Vielfalt seiner Lagen, seiner Rebsorten und seiner unterschiedlichen Ausbaumethoden durch aus verblüffend.“ – so Pierre Thomas in seinem Vorwort des kleinen Weinführers. Seine 111 subjektive Betrachtungen Schweizer Weine sind sehr informativ, machen Lust auf eine „Weinreise“ durch die Schweiz, um den ein oder anderen Tropfen zu probieren und zu genießen. 

„Intriganter Eindringling“

Wir hatten den Weinführer im Gepäck, als es zum Weingut Besson-Strasser ging. Nur fünf Minuten von den tosenden Fluten des Rheinfalls entfernt liegt das Weingut in der größten Weinbaugemeinde des Schweizer Mittellandes (51 Hektar) ganz im Norden des Kanton Zürich an der Grenze zum Kanton Schaffhausen, dort, wo ein „Intriganter Eindringling aus Österreich“ (Zweigelt, AOC Zürich **) Aufmerksamkeit unter den Weinkennern erhält. Cédric Besson, Sohn eines waadtländischen Winzers oberhalb von Montreux, hat seine Frau Nadine Strasser, Tochter eines Metzger- und später Rebbaumeisters auf der Fachhochschule für Önologie in Changins kennengelernt. 

„Intrigant Zweigelt“ seit 1994 in der Schweiz

Die sieben Hektar des Weinguts (ein Hektar liegt in Schaffhasen) sind je zur Hälfte mit roten und weißen Rebsorten bepflanzt. Wenn einer der beiden Diplom-Önologen einen Satz beginnt, beendet ihn der andere, denn das Ehepaar trifft auf diesem Weingut seit über zehn Jahren alle Entscheidungen gemeinsam. Dieser seltene Zweigelt, eine österreichische Rebsorte, wurde 1994 auf fast einem Hektar zum ersten Mal in der Schweiz angebaut, und zwar an dem „Mördergäschi“ genannten Moränenhang und in Dachsen. Seit 2007 ist das Weingut Knospe und Demeter zertifiziert und trägt sogar das französische biodynamische Label „Biodyvin“, für dessen Vergabe es einen Paten braucht (in ihrem Fall den Elsässer Zind-Humbrecht).

„Intrigant Zweigelt“ seit 2020 Naturwein

Zweigelt-Trauben reifen etwas früher als der Pinot Noir, und der dunktel-rubinrote Wein mit Noten von Brombeeren und Zwetschgen wird im Abgang wunderbar würzig. Neben Malbex und Merlot wird hier hauptsächlich Pinot Noir gekeltert, darunter der bemerkenswerte „Chlosterberg“. Ausgebaut werden die Rotweine in großen Eichenfässern. „Wir lieben diese großen Schweizer Fässer, der Holz dem Wein eine besondere Note verleiht.“ Unter den Weißweinen findet sich ein Räuschling (eine aus der Ostschweiz stammende Traube), der mit Chardonnay als Cuvée „Fumé“ vermarktet wird. Seit 2020 werden Zweigelt und Räuschling als Naturweine ohne Zusatz von Schwefel gekeltert und mittlerweile auch in Recycling-Flaschen einer Schweizer Glashütte abgefüllt.

Weingut Besson-Strasser, Dorfstraße 75, 8248 Uhwiesen. www.wein.ch

www.besson-strasser@wein.ch

Pierre Thomas, 111 Schweizer Weine, die Man getrunken haben muss. Emons Verlag GmbH. 2021. ISBN 978-3-7408-1301-7. www.emons-verlag.de