Breslau (Wrcolaw) blüht auf, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Besuch lohnt. Mir haben es besonders die vielen Zwerge angetan, die man im Stadtbild entdecken kann. Sie sind so etwas wie ein Maskottchen. Die Blume Europas“ nannte man Breslau einst. Das heutige Wrocław blüht nach Jahrzehnten der Vernachlässigung schöner als je zuvor. Mehr als 1000 Jahre alt ist die Stadt an der Oder und dennoch jung und vital geblieben.

Was man sich in Breslau/Wroclaw anschauen sollte

Rund 100.000 Studenten prägen das Bild der viertgrößten Stadt Polens, entsprechend groß ist das Freizeitangebot. Allein rund um den historischen Marktplatz, auf polnisch Rynek, zählt man einige hundert Kneipen, Bars, Klubs und Restaurants. Seit 1964 erklingt im Frühjahr Jazz an der Oder. Viele tausend Fans huldigen Jimi Hendrix beim alljährlichen „Thanks Jimi Festival“ auf dem Breslauer Marktplatz.

Breslau Zwerge

Auch vor der Jahrhunderthalle steht -mindestens- ein Zwerg

 ❏ Was hat es mit den Zwergen auf sich ?

Die Breslauer Zwerge (auf polnisch krasnale) sind eine wirkliche Touristenattraktion. Der Hintergrund ihrer Entstehung: Die politische Oppositionsbewegung „Orange Alternative“ hatte in den 1980er Jahren mit spontanen Aktionen Kritik am damaligen kommunistischen Regime in Polen geübt und einen gusseisernen Zwerg („Papa Zwerg“) in der Breslauer Altstadt aufgestellt. 2001 stellten Studenten der Kunsthochschule di ersten Zwerge auf. Seitdem verteilen sich die variantenreich gestalteten Breslauer Zwerge über die ganze Stadt. Während einer Stadtführung erfuhr ich: mittlerweile gibt es mehr als 300 bronzene Zwerge in Breslau.

Breslauer Zwerge5

Erschaffen werden die Zwerge von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern Breslaus wie Martin Luczkowski. Bekannt sind von ihm 18 Figuren, darunter ein Sträfling hinter Gittern mit Eisenkugel am Bein, die bereits von Tausenden Touristen angefasst wurde. Hier geht es zum Stadtführer für die Zwerge. Obwohl ich bereits mehrmals in Breslau war, ich habe nie mehr als 30 Zwerge an einem Tag gefunden.

 ❏ Breslaus schöner Marktplatz

Der 215 mal 175 Meter große Markplatz ist der zweitgrößte in Polen und einer der schönsten dazu. Ein Beispiel gelungener Restaurierung stellen die 15 Bürgerhäuser am Ring dar, die heute wieder eine großartige Kulisse für das Rathaus bilden. Die schönsten sind die der früheren Tuch- und Leinenhändler auf der Westseite, die den Namen „Zu den sieben Kurfürsten“ trägt.

Rathaus in Breslau

Rathaus in Breslau

Auf der Balkonbrüstung des Hauses „Zur goldenen Sonne“ verlas der preußische General von der Marwitz im Jahr 1742 die Proklamation des  sogenannten Friedens von Breslau, in dem Maria Theresia Schlesien an Friedrich II. von Preußen verlor. Das Rathaus gehört zu den bedeutendsten mittelalterlichen Bauten in Europa. Die repräsentativen Rathaussäle werden heute für auch für Events und Kunstausstellungen genutzt.

 

Neben der wiederhergestellten Schönheit der historischen Bauten begeistert auch das kulturelle Angebot viele Besucher aus dem In- und Ausland. Klassikliebhaber zieht es im Herbst in die Kirchen der Stadt und in die barocke Aula Leopoldina.

Breslau Polen

Das Hauptgebäude der Universität

 ❏ Musikfestival und Feste

Dort, drei Querstraßen nördlich des Rings, befindet sich das Collegium Maximum der Breslauer Universität. Im mit barocken Fresken und Schnitzereien geschmückten Festsaal Leopoldina erklingen beim traditionellen Festival Wratislavia Cantans die schönsten Oratorien, Kantaten und Symphonien. Im Sommer lockt die Breslauer Oper mit großen Inszenierungen im Freien. Die Stadt hat nicht nur in die neue Fußball-Arena investiert. Ende 2012 eröffnete  mit dem neuen Musikforum neben dem Opernhaus einer der größten und schönsten Musiksäle des Landes.

Nationales Musikforum Breslau

Nationales Musikforum Breslau – gegenüber der Oper

 ❏ Bauhaus und Breslau

Hier lest ihr mehr zu WUWA und den Bauhaus – Bauten in Breslau

Hier lest ihr über die Geschichte der Jahrhunderthalle.

Zum Zeitpunkt ihrer Erbauung war die Hala Stulecia, die Breslauer Jahrhunderthalle, das größte freitragende Bauwerk der Welt.

Breslau.Jahrhunderthalle (4)

 ❏ Historisches Museum und einstige Synagoge

Einen Gang durch die mehr als 1.000-jährige wechselhafte Geschichte der Stadt kann man im ehemaligen Königspalast am Rande der Altstadt unternehmen. Der barocke Bau war zeitweilig die Residenz des Preußenkönigs Friedrich II.. Dieser lebte sonst vorwiegend in seinem Potsdamer Schloss Sanssouci. Heute beherbergt es das Historische Museum der Stadt. Unweit davon liegt die ehemalige Synagoge zum Weißen Storch, ein klassizistisches Bauwerk nach Entwürfen des Architekten Carl Ferdinand Langhans. Von Langhans stammen mehrere Bauwerke in Berlin, unter anderem das Brandenburger Tor sowie das Belvedere im Schlosspark Charlottenburg. Als einzige Synagoge der Stadt überstand sie die sogenannte Reichskristallnacht. Das baufällige Gebäude wurde erst kürzlich saniert und erinnert wieder an die einst sehr bedeutende jüdische Gemeinde der Stadt. Das ehemalige jüdische Viertel rund um die Synagoge hat sich in ein beliebtes Ausgehviertel verwandelt – eines von vielen in Wrocław. Zahlreiche Klubs und Kneipen gibt es in der Altstadt rund um das historische Rathaus. Ein weiteres Zentrum des Nachtlebens ist das ehemalige jüdische Viertel rund um die Storchen-Synagoge.

Wegen ihrer 120 Brücken wird die Stadt „Venedig des Ostens“ genannt. Heute kann man nur noch erahnen, dass Breslau nach dem Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört war.

Breslau Zwerge

Ein Hingucker sind die Sisyphus-Zwerge in der Schweidnitzer Straße (ulica Świdnicka).

Arkadiusz Baginski, Grafiker, Zeichner und u.a. Initiator von Wroclaw industrial festival:

„Es gibt in Wrocław unzählige Orte, die man sehen und schmecken kann. Massenweise Cafés, Clubs, Restaurants. Im Viertel der vier Tempel – mit einer russisch-orthodoxen, einer katholischen, einer protestantischen Kirche und einer Synagoge – findet man Lokalitäten mit besonderer Atmosphäre, unter anderem Mlezarnia, den Pub Wlodkowice 21 oder die kleine Buchhandlung Falanster, die Bier aus kleinen lokalen Brauereien verkauft. Wer mehr Raum, frische Luft und die Nähe zum Wasser braucht, sollte sich die Wyspa Slodowa (Malzinsel) ansehen. Hier trifft sich die Jungend der ganzen Stadt und vertreibt sich die Zeit mit Trommeln. Ein Besuch wert sind das Café Kalambur in der Kuźnicza-Straße und die gleich daneben liegende Galerie Kalaczakra. Hier treffen sich Musiker und Künstler und alle möglichen kunstinteressierten Leute. Gleich nebenan liegt unter freiem Himmel das Mekka der Studenten: Der Biergarten Kalogródek. Ich mag besonders die Strecke zwischen Ostrów Tumski und dem Szczytnicki-Park. Ostrów Tumski mit seinen katholischen Kirchen wirkt, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Bis heute zündet hier abends ein Laternenanzünder die Gaslaternen an. Im Szczytnicki-Park hingegen sollte man die Jahrhunderthalle mit dem multimedialen Springbrunnen besichtigen und an dem letzten Wochende im Monat auf dem Flohmarkt stöbern. Architektonisch ist Wrocław sicher Städten wie Berlin, Dresden und Leipzig ähnlich. Manche sagen, Wrocław erinnert an das Lemberg der Vorkriegszeit. Die Breslauer sind sehr offen und wohlwollend gegenüber Touristen. Und für polnische Verhältnisse ist Wrocław eine recht liberale Stadt, denn hier können sich Künstler mehr herausnehmen als beispielsweise in Krakau oder Posnań.“

 ❏  Świdnicka-Keller

Ist man in Wrocław, muss man die Gelegenheit beim Schopfe packen und das Restaurant Piwnica Świdnicka besuchen. In der Stadt heißt es, das sei das älteste Restaurant Europas, in dem ohne Unterbrechung seit dem Mittelalter Gäste bewirtet werden. Jahrhunderte sind vergangen, Generationen, Staaten und politische Systeme haben gewechselt, aber das Restaurant ist zur Freude der Breslauer, der Schlesier und der Touristen immer geblieben. Obwohl es größtenteils von den Breslauer Bürgern besucht wurde, finden sich in dem seit Jahrhunderten geführten Gästebuch auch Einträge von Königen, Fürsten, berühmten Künstlern, darunter zum Beispiel Goethe und Chopin.

Schweidnitzer 'Keller Breslau

Schweidnitzer Hof in Breslau

Einst prangte an den Wänden des Restaurants der Spruch: „Wer nicht im Świdnicka-Keller war, war nicht in Wrocław!“ Bis heute kann man hier ausgezeichnet speisen. Neben lokalen Spezialitäten wie dem hervorragenden Breslauer Eingebrockten, schlesischen Klößen, köstlicher Steinpilzsuppe mit sauereroder den ausgezeichneten Piroggen mit verschiedenen Füllungen gibt es in der Gaststätte auch eine große Auswahl an leichteren Gerichten wie Salaten und Fisch. Nicht fehlen darf im Świdnicka-Keller das Bier namens Bialy Baran (Weißer Widder), das nach einem alten schlesischen Rezept gebraut wird.

Piwnica Świdnicka
Rynek Ratusz 1, 50-107 Wrocław, www.strona.piwnicaswidnicka.com

Informationen zu Breslau (Wroclaw)

Literatur: u.a. vom Polenexperten Klaus Klöppel Reiseführer Breslau (Trescher Verlag)